ETF-Handel: Von ESG, Laufzeiten und Promi-ETFs - Rückblick auf 2023


20.12.23 14:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Es war wieder einmal ein gutes Jahr für die ETF-Branche - und auch den ETF-Handel auf Xetra, so die Deutsche Börse AG.

Nachdem der weltweite ETF-Markt vergangenes Jahr unter der schwachen Aktien- und des Anleiheentwicklung gelitten habe, werde dieses Jahr wohl ein neuer Höchststand erreicht mit einem weltweiten Investitionsvolumen von 10,32 Billionen US-Dollar in ETFs, wie das britische Beratungshaus ETFGI melde.

Auch im ETF-Segment der Deutschen Börsen habe es einiges an Rekorden und Fastrekorden gegeben. Das verwaltete Vermögen aller auf Xetra gehandelten ETFs sei auf 1,2 Billionen Euro geklettert, ein Allzeithoch. Auch die Zahl der ETF-Emittenten auf Xetra sei in neue Höhen gestiegen, und zwar auf aktuell 32. Neu dabei seien: abrdn, KraneShares und CASE Invest (Mainfirst). Außerdem seien auf Xetra bis Ende November 240 ETFs neu zugelassen worden - das mache in Bezug auf neue Listings das immerhin zweitbeste Jahr seit 2000, als die ersten Produkte an der Deutschen Börse in Frankfurt gestartet seien. Insgesamt seien damit per Ende November 2.125 ETFs gelistet gewesen, nach 2.002 Ende 2022.

Der ETF-Handel sei geprägt durch die sehr gute Aktienentwicklung bis zum Sommer, den folgenden Einbruch und den steilen Anstieg ab November gewesen. "Wegen der großen Marktbewegungen konzentrierte sich viel auf die großen Indices wie S&P 500 und MSCI World", berichte Frank Mohr von der Société Générale. Stetige Nachfrage nach MSCI World- und S&P 500-Trackern hätten auch die Händler von Lang & Schwarz im Laufe des Jahres gemeldet. Außerdem sei die Technologiebranche fast konstant großes Thema gewesen, wie Jan Duisberg von der ICF Bank bemerke. Er erinnere aber auch an die Bankenkrise im März mit der Insolvenz von kleineren US-Banken und den Turbolenzen um die große Credit Suisse - mit entsprechend hohen Umsätzen in Banken-ETFs.

Dass Aktien-ETFs auf die großen Indices die Favoriten bleiben würden, würden auch die Statistiken des Münchner Handels- und Analysehaus Crossflow für den europäischen ETF-Markt 2023 zeigen: Insgesamt seien bis Ende November netto 74 Milliarden Euro in Aktien-ETFs geflossen. Davon seien 42 Milliarden Euro auf globale Aktien entfallen, 23 Milliarden Euro auf nordamerikanische, Eurozonen-ETFs seien hingegen unter dem Strich verkauft worden. Beliebtestes Land: Mit Abstand die USA, gefolgt von Indien und der Schweiz. "Flop"-Länder seien China, Deutschland und Japan gewesen. Auch Anleihen-ETFs hätten sich großer Beliebtheit erfreut: Crossflow melde Zuflüsse von 57 Milliarden Euro bis Ende November. Beliebteste Kategorie hier: US-Staatsanleihen, gefolgt von europäischen Staatsanleihen und europäischen Unternehmensanleihen guter Bonität. Ebenfalls gesucht: Geldmarkt-ETFs, vor allem europäische.

Eine Entwicklung aus den Vorjahren habe sich 2023 fortgesetzt: Der Trend hin zu nachhaltigen ETFs. Von den rund 240 neuen ETFs auf Xetra seien 156 als ESG klassifiziert. Diese würden nun über 40 Prozent aller ETFs auf Xetra ausmachen. Beim verwalteten Vermögen liege ihr Anteil bei rund 25 Prozent, bei den Handelsumsätzen bei über 20 Prozent.

Auch dass 85 neue Renten-ETFs auf den Markt gekommen seien, sei ein Rekord gewesen. Besonders auffällig im Handel: Das Comeback der Geldmarkt- und geldmarktnahen ETFs. "Geldmarkt-ETFs haben lange keinen interessiert, mit den stark gestiegenen Zinsen sah es dann plötzlich anders aus", stelle Mohr fest. Favoriten seien der Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap gewesen, der sich sogar auf der Xetra-Umsatzliste (bis November) unter den Top Ten finde. ETF-Händler hätten aber auch immer wieder eine gute Nachfrage nach dem Lyxor Euro Overnight Return und dem iShares EUR Ultrashort Bond gemeldet.

Dabei habe es im Anleihen-Segment auch ganz Neues gegeben: Die iBonds-von iShares, die ersten ETFs mit einem festen Fälligkeitsdatum. "Das war schon eine echte Innovation, damit wurde eine Lücke gefüllt", meine Mohr. iShares sei damit im August auf den Markt gekommen, im November habe dann Xtrackers erste eigene Produkte präsentiert. Insgesamt 19 ETFs mit Laufzeitenden zwischen 2025 und 2033 stünden auf Xetra mittlerweile zur Verfügung.

Neu sei auch gewesen, dass mit Gerd Kommer - oft als "ETF-Papst" bezeichnet - erstmals ein Prominenter einen ETF auf den Markt gebracht habe. Der L&G Gerd Kommer Multifactor Equity, den es in thesaurierender und ausschüttender Variante gebe (ISIN IE0001UQQ933 / WKN WELT0A; ISIN IE000FPWSL69 / WKN WELT0B), bilde Aktien von Unternehmen aus der ganzen Welt sowie unterschiedlicher Größe ab. Bei der Ländergewichtung würden sowohl Marktkapitalisierung als auch die Wirtschaftsleistung (BIP) berücksichtigt. Außerdem würden Faktorprämien (Factor Investing) übergewichtet. Der ETF habe bereits rund 100 Millionen Euro eingesammelt.

Meist gehandelte ETPs (ETF, ETCs und ETNs) auf Xetra bis November seien Aktien-ETFs von iShares auf die großen Indices gewesen, konkret MSCI World, EURO STOXX 50, DAX und STOXX Europe 600. Auf Platz fünf finde sich der ETC Xetra-Gold, gefolgt vom iShares-ETF auf den S&P 500 und dem ersten Branchen-ETF, dem iShares EURO STOXX Banks 30-15. Immerhin auf Platz 9: Der Geldmarkt-ETF Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap (ISIN LU0290358497 / WKN DBX0AN).

Ein weiterer Trend: Immer mehr aktive ETFs. Auf Xetra seien mittlerweile 116 Active ETFs im Angebot, 32 davon erst seit diesem Jahr. Die größten Anbieter seien Fidelity und JP Morgan, aber auch PIMCO, Franklin Templeton, Ossiam, VanEck und First Trust hätten entsprechende Angebote. Aktive ETFs seien zwar noch ein Nischenmarkt. Der weisd aber starke Wachstumsraten auf - auch beim verwalteten Vermögen und den Handelsumsätzen. Das Analysehaus Scope habe das Segment schon im September unter die Lupe genommen: "ETFs haben durchaus Potenzial zum Game Changer in der Aktiv-Passiv-Debatte", habe es geheißen. Allerdings fehle noch die längere Performance-Historie. "Nach Vorliegen eines entsprechenden Track Records von mindestens drei, besser fünf Jahren könnten aktive ETF zukünftig insbesondere für institutionelle Kunden und private Selbstentscheider sehr interessant werden."

Bei den Kosten sei es abermals nach unten gegangen, vor allem für die Core-Produkte, die wichtige Standardmärkte abdecken würden. Ein großer Schritt sei die Ankündigung von State Street Global Advisors im November gewesen, die Kosten der S&P 500 ETFs in Europa erheblich zu senken, für den klassischen S&P 500-Tracker etwa von 9 auf 3 Basispunkte. Allerdings gebe es auch einige ETFs, die noch erstaunlich teuer seien, wie Ali Masarwah von der Fondsplattform envestor.de feststelle - vor allem die, die schon viele Jahre auf dem Buckel hätten. (Ausgabe vom 19.12.2023) (20.12.2023/fc/a/e)





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