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ETF-Handel: Talfahrt als Chance
29.06.16 09:00
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.fondscheck.de) - Von Panik keine Spur, so die Deutsche Börse AG.
Zwar hätten sich auch viele ETF-Anleger am Freitag nach dem überraschenden "Leave"-Votum der Briten von ihren Positionen getrennt und DAX-, EURO STOXX 50-, STOXX Europe 500- und FTSE 100-ETFs verkauft. "Außer Gold- und Yen-Anlagen wurde so gut wie alles abgegeben, vor allem Bankwerte", fasse Gregory Guerrand von der BNP Paribas in Paris zusammen. So mancher habe die niedrigeren Kurse aber auch für einen Einstieg genutzt. "Wir haben schon sehr früh wieder Käufer gesehen", erkläre Frank Mohr von der Commerzbank. Bei der Unicredit in München hätten selbst am Freitag die Zuflüsse in Aktien-ETFs überwogen, wie Florian Lenhard feststelle.
Den Händlern habe das überraschende Brexit-Votum am Freitag extrem hohe Umsätze beschert. Mohr spreche von einem "Ausnahmezustand": "Es war extrem viel los, allerdings herrschte keine Panik." Für die Woche melde er 35.000 Trades - weit über dem Durchschnitt. "Erfreulich ist, dass der ETF-Handel trotz der Einbrüche an den Börsen so reibungslos funktionierte." Lenhard berichte von einem "Großkampftag" am Freitag. Auch am Montag sei es mit hohem Handelsaufkommen weiter gegangen, ebenso am heutigen Dienstag. Der DAX habe sich nach erneuten Verlusten zum Wochenauftakt mittlerweile etwas erholt und liege aktuell bei 9.452 Punkten, vergangenen Donnerstag seien es allerdings noch 10.257 Zähler gewesen.
Bis Donnerstag vergangener Woche habe noch Zuversicht geherrscht, dass die Briten sich doch noch für einen Verbleib in der EU entscheiden würden, Anleger hätten sich eingedeckt. Bei der BNP Paribas hätten vor allem US-amerikanischesowie britische, japanische und auch Schwellenländeraktien gezogen. Europäische Aktien (ISIN FR0011550193 / WKN A1W37K) seien hingegen abgegeben worden, die anderen Händler würden aber auch von großem Interesse an deutschen und anderen europäischen Aktien berichten.
Mit dem Brexit-Votum habe am Freitag dann eine Verkaufswelle eingesetzt. "Abgestoßen wurden DAX- (ISIN LU0378438732 / WKN ETF001, ISIN DE0005933931 / WKN 593393, ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA), EURO STOXX 50- (ISIN IE0008471009 / WKN 935927, ISIN DE0005933956 / WKN 593395, ISIN LU0380865021 / WKN DBX1ET) und FTSE-Tracker", erkläre Mohr. Besonders bankenlastige europäische Indices seien im großen Stil verkauft worden, Interesse habe es allenfalls an US-Trackern wie dem MSCI USA gegeben. "Die wurden als Alternative gekauft." Lenhard melde dagegen einen Käuferüberhang in ETFs, die Industrieländermärkte abbilden würden, selbst am Freitag. "Gesetzt wurde auf DAX, STOXX Europe 600 und FTSE."
Der iShare FTSE 100 habe am Donnerstag noch 116,40 Euro gekostet, am Freitag seien es 107,58 gewesen, am Dienstagmittag seien es 104 Euro. Dass der britische Aktienmarkt nicht noch mehr gelitten habe, liege an der internationalen Aufstellung vieler britischer Großunternehmen sowie dem schwachen Pfund, von dem die Unternehmen nach Ansicht vieler Analysten profitieren würden.
Auch Anfang der Woche habe es offenbar schon Zweifler an der EU-Treue der Briten gegeben, Mohr zufolge hätten sich jedenfalls viele Anleger in Short DAX-Produkten wie dem db x-trackers Short DAX daily positioniert, die dann am Freitag wieder verkauft worden seien. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage stehe der ETF auf einem relativ hohen Platz 8, auch der db x-trackers Short DAX x2 Daily finde sich weit oben. Hohe Umsätze habe es außerdem auch in Long-ETFs mit Hebel gegeben, wie dem db x-trackers LevDAX Daily und dem Lyxor Daily LevDAX.
Banken-ETFs hätten wieder einmal den Handel mit Branchen-ETFs dominiert, am Freitag seien sie heftig unter Abgabedruck geraten. Gesetzt worden sei bei der Commerzbank stattdessen auf Grundstoff- und Immobilien-ETFs. Guerrand zufolge sei bis Donnerstag bei Gesundheits-, Versorger- und auch Banken-ETFs zugegriffen worden, während etwa Technologie-ETFs abgegeben worden seien. "Freitag wurden Banken-ETFs dann massiv verkauft." Besonders der iShares Euro Stoxx Banks sei rege gehandelt worden, wie die Umsatzliste der Börse Frankfurt zeige, aber auch im iShares Stoxx Europe 600 Banks und im Source Euro Stoxx Optimised Banks sei viel umgegangen.
Zumindest relativ gesehen habe es auch Gewinner gegeben: "Der Eurozonen-Immobilien-ETF BNP Paribas Easy FTSE Epra/Nareit Eurozone Capped hat vom 22. bis zum 24. Juni nur um 3,4 Prozent nachgegeben, beim EURO STOXX 50 waren es 6,8 Prozent", erkläre Guerrand.
Fixed Income-ETFs hätten angesichts der extremen Bewegungen am Aktienmarkt kaum eine Rolle gespielt. Bei der UniCredit sei der Lyxor Double Short Bund einmal mehr sehr gefragt gewesen. Mit diesem könnten Anleger auf einen fallenden Euro-Bund-Future setzen. Bislang sei das kein gutes Geschäft: Mit dem Brexit-Votum habe der Euro-Bund-Future nämlich nochmals einen Satz nach oben gemacht, aktuell notiere der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen bei 166,35 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe habe am Freitag ein Rekordtief von minus 0,17 Prozent erreicht. (Ausgabe vom 28.06.2016) (29.06.2016/fc/a/e)
Zwar hätten sich auch viele ETF-Anleger am Freitag nach dem überraschenden "Leave"-Votum der Briten von ihren Positionen getrennt und DAX-, EURO STOXX 50-, STOXX Europe 500- und FTSE 100-ETFs verkauft. "Außer Gold- und Yen-Anlagen wurde so gut wie alles abgegeben, vor allem Bankwerte", fasse Gregory Guerrand von der BNP Paribas in Paris zusammen. So mancher habe die niedrigeren Kurse aber auch für einen Einstieg genutzt. "Wir haben schon sehr früh wieder Käufer gesehen", erkläre Frank Mohr von der Commerzbank. Bei der Unicredit in München hätten selbst am Freitag die Zuflüsse in Aktien-ETFs überwogen, wie Florian Lenhard feststelle.
Den Händlern habe das überraschende Brexit-Votum am Freitag extrem hohe Umsätze beschert. Mohr spreche von einem "Ausnahmezustand": "Es war extrem viel los, allerdings herrschte keine Panik." Für die Woche melde er 35.000 Trades - weit über dem Durchschnitt. "Erfreulich ist, dass der ETF-Handel trotz der Einbrüche an den Börsen so reibungslos funktionierte." Lenhard berichte von einem "Großkampftag" am Freitag. Auch am Montag sei es mit hohem Handelsaufkommen weiter gegangen, ebenso am heutigen Dienstag. Der DAX habe sich nach erneuten Verlusten zum Wochenauftakt mittlerweile etwas erholt und liege aktuell bei 9.452 Punkten, vergangenen Donnerstag seien es allerdings noch 10.257 Zähler gewesen.
Bis Donnerstag vergangener Woche habe noch Zuversicht geherrscht, dass die Briten sich doch noch für einen Verbleib in der EU entscheiden würden, Anleger hätten sich eingedeckt. Bei der BNP Paribas hätten vor allem US-amerikanischesowie britische, japanische und auch Schwellenländeraktien gezogen. Europäische Aktien (ISIN FR0011550193 / WKN A1W37K) seien hingegen abgegeben worden, die anderen Händler würden aber auch von großem Interesse an deutschen und anderen europäischen Aktien berichten.
Der iShare FTSE 100 habe am Donnerstag noch 116,40 Euro gekostet, am Freitag seien es 107,58 gewesen, am Dienstagmittag seien es 104 Euro. Dass der britische Aktienmarkt nicht noch mehr gelitten habe, liege an der internationalen Aufstellung vieler britischer Großunternehmen sowie dem schwachen Pfund, von dem die Unternehmen nach Ansicht vieler Analysten profitieren würden.
Auch Anfang der Woche habe es offenbar schon Zweifler an der EU-Treue der Briten gegeben, Mohr zufolge hätten sich jedenfalls viele Anleger in Short DAX-Produkten wie dem db x-trackers Short DAX daily positioniert, die dann am Freitag wieder verkauft worden seien. Auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage stehe der ETF auf einem relativ hohen Platz 8, auch der db x-trackers Short DAX x2 Daily finde sich weit oben. Hohe Umsätze habe es außerdem auch in Long-ETFs mit Hebel gegeben, wie dem db x-trackers LevDAX Daily und dem Lyxor Daily LevDAX.
Banken-ETFs hätten wieder einmal den Handel mit Branchen-ETFs dominiert, am Freitag seien sie heftig unter Abgabedruck geraten. Gesetzt worden sei bei der Commerzbank stattdessen auf Grundstoff- und Immobilien-ETFs. Guerrand zufolge sei bis Donnerstag bei Gesundheits-, Versorger- und auch Banken-ETFs zugegriffen worden, während etwa Technologie-ETFs abgegeben worden seien. "Freitag wurden Banken-ETFs dann massiv verkauft." Besonders der iShares Euro Stoxx Banks sei rege gehandelt worden, wie die Umsatzliste der Börse Frankfurt zeige, aber auch im iShares Stoxx Europe 600 Banks und im Source Euro Stoxx Optimised Banks sei viel umgegangen.
Zumindest relativ gesehen habe es auch Gewinner gegeben: "Der Eurozonen-Immobilien-ETF BNP Paribas Easy FTSE Epra/Nareit Eurozone Capped hat vom 22. bis zum 24. Juni nur um 3,4 Prozent nachgegeben, beim EURO STOXX 50 waren es 6,8 Prozent", erkläre Guerrand.
Fixed Income-ETFs hätten angesichts der extremen Bewegungen am Aktienmarkt kaum eine Rolle gespielt. Bei der UniCredit sei der Lyxor Double Short Bund einmal mehr sehr gefragt gewesen. Mit diesem könnten Anleger auf einen fallenden Euro-Bund-Future setzen. Bislang sei das kein gutes Geschäft: Mit dem Brexit-Votum habe der Euro-Bund-Future nämlich nochmals einen Satz nach oben gemacht, aktuell notiere der Indikator für die langfristigen Zinserwartungen bei 166,35 Punkten. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe habe am Freitag ein Rekordtief von minus 0,17 Prozent erreicht. (Ausgabe vom 28.06.2016) (29.06.2016/fc/a/e)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 30,7558 € | 30,4388 € | 0,317 € | +1,04% | 22.04./22:01 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| FR0011550185 | A1W4DP | 30,76 € | 22,54 € | |
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