ETF-Handel: Nervosität weicht FOMO


20.10.22 11:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Überwiegend positive Quartalszahlen, die die Rezessionssorgen dämpfen und Kursgewinne weltweit mit sich bringen, heben auch die Kaufstimmung am ETF-Markt, so die Deutsche Börse AG.

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Die Rücknahme der Steuersenkungspläne Großbritanniens trage vor allem zur Beruhigung der Anleihemärkte bei und sorge ebenfalls für Erleichterung weltweit. Der DAX strebe der Marke von 13.000 Punkten entgegen.

Analysten würden jedoch vor zu hohen Erwartungen warnen: Der rückläufige ISM-Index in den USA mahne vor zu viel Optimismus, würden Ralf Umlauf und Ulrich Wortberg von der Helaba einordnen. Zwar habe der ISM-Produktionsindex leicht zugelegt und der Pkw-Absatz sei gestiegen. "Bezüglich der Zinserwartungen wurden jedoch kaum Impulse gegeben." In den USA werde für Anfang November weiterhin ein kräftiger Zinsschritt erwartet und auch bei der EZB werde mehrheitlich mit einer Erhöhung um 75 Basispunkte gerechnet.

Frank Mohr von der Société Générale erkläre, dass die Markterholung durch die bislang eher positiven Quartalszahlen die Anlegerinnen und Anleger wieder zu Aktien greifen lasse. "Wir sehen, dass die Nervosität der Angst, etwas zu verpassen, Platz macht. Von daher haben wir etwas mehr Käufe, wenngleich die Anlegerinnen und Anleger unsicher und vorsichtig sind." Hubert Heuclin von der BNP Paribas berichte von einer ruhigen Handelswoche.

Auch Torben Bendt von Lang & Schwarz bemerke anhaltende Zurückhaltung im ETF-Geschäft. "Wir vermerken im Jahresvergleich weniger Volumen."

Bei der Société Générale würden erneut vor allem US-Aktien-ETFs gekauft, während weltweit investierende Indexfonds, die in den vergangenen Wochen ebenfalls unter den Favoriten gewesen seien, abgegeben würden. "30 Prozent des Umsatzes mit Aktien-ETFs entfällt auf US-Tracker." Unter den am meisten gekauften Titeln sei der iShares Core S&P 500, einer der Klassiker.

Anders hingegen die Lage bei der BNP Paribas: Hubert Heuclin berichte von Abgaben der US-Titel. Allen voran stehe der Lyxor S&P 500 (ISIN LU1135865084 / WKN LYX0Q9) auf den Verkaufslisten. Auch ETFs mit Werten aus der Eurozone würden aus den Depots genommen wie der Amundi Euro STOXX 50. Hingegen seien koreanische Aktien überdurchschnittlich nachgefragt mit dem iShares MSCI Korea. Darüber hinaus engagierten sich die Kund*innen der BNP Paribas wie in der Vorwoche in Schweizer Aktien. Sie würden den Xtrackers Switzerland und den iShares Core SPI ETF CH kaufen.

Im Tagesgeschäft von Lang & Schwarz würden asiatische Indexfonds in das Anlegerinteresse rücken. "Hier haben wir diese Woche deutlich mehr Nachfrage", berichte Bendt. Gekauft würden sowohl chinesische Aktien mit dem Xtrackers FTSE China 50 (ISIN LU0292109856 / WKN DBX1FX) wie auch breiter aufgestellte Emerging Markets-ETFs, darunter der Amundi MSCI Emerging Markets.

Der Technologiesektor, bei dem die Käufe überwiegen würden, sei von den Branchen im Handel bei der Société Générale am stärksten im Blickpunkt. Besonders hohe Nachfrage würden hier europäische Unternehmen (ISIN DE000A0H08Q4 / WKN A0H08Q) erfahren.

Käufe würden nach Mohrs Angaben auch bei Energiewerten überwiegen, der Nummer zwei im Handel mit Branchen-ETFs. Hier würden Anleger*innen vor allem den SPDR S&P US Energy Select Sector ins Depot nehmen. Er sei in der Woche zeitweise von 29 auf mehr als 31,50 Euro gestiegen, habe aber einen Teil der Kursgewinne wieder abgegeben.

Auch Bendt berichte, dass die Nachfrage nach Energie-ETFs zunehme. "Nach den Streiks in Frankreich und mit Blick auf den Winter wird hier auf steigende Preise spekuliert." Gern gekauft würden der Lyxor New Energy sowie der Klassiker Global Clean Energy von iShares.

Mohr ergänze, dass auch im Konsumgütersektor, der auf Platz der Umsätze unter den Sektoren der Société Générale stehe, die Käufe überwiegen würden, etwa beim SPDR S&P U.S. Consumer Staples Select Sector (ISIN IE00BWBXM385 / WKN A14QBZ). Er lege auf Wochensicht rund 2,5 Prozent zu.

Dagegen seien bei Lang & Schwarz je nach Nachrichtenlage Nischen gesucht. Aktuell steige die Nachfrage nach Goldproduzenten. Anleger*innen würden wie in der Vorwoche den VanEck Junior Gold Miners erwerben, aber auch den VanEck Gold Miners (ISIN IE00BQQP9F84 / WKN A12CCL).

Am Rentenmarkt würden sich die Renditen entspannen, nachdem die britische Regierung die Abkehr von ihren Steuersenkungsplänen, deren Finanzierung nicht gesichert gewesen sei, bekannt gegeben habe.

Im Handel mit Renten-ETFs vermerke Mohr etwas mehr Handelsvolumen im Wochenvergleich. "Der Verkaufsüberhang setzt sich aber bei Staatsanleihen, die auch in dieser Woche im Fokus des Anleihenhandels stehen, fort." Die Verkäufe beträfen kurzlaufende europäische Staatsanleihen wie im Amundi Govt Bond EuroMTS Broad Investment Grade 1-3 und europäische Schuldtitel längerer Laufzeiten, darunter den Deka Deutsche Boerse EUROGOV Germany 10+ (ISIN DE000ETFL219 / WKN ETFL21).

Europäische Unternehmensanleihen (ISIN IE00B3F81R35 / WKN A0RGEP), auch hochrentierliche (ISIN IE00B66F4759 / WKN A1C3NE), würden hingegen gekauft.

Auch Heuclin vermerke Nachfrage nach Unternehmenspapieren der Eurozone. Bei der BNP Paribas werde der Xtrackers II ESG EUR Corporate Bond Short Duration gekauft. Allerdings erführen auch Staatsanleihen der Eurozone kurzer (ISIN LU0290356871 / WKN DBX0AD) und mittlerer Laufzeiten (ISIN LU2244387457 / WKN A2QMK2) wie auch US-Papiere Zuflüsse. Von den festverzinslichen Papieren der USA seien alle Laufzeiten nachgefragt. Das höchste Volumen in dieser Kategorie verzeichne die BNP Paribas beim iShares USD Treasury Bond 7-10yr (ISIN IE00B3VWN518 / WKN A0X8SJ). Von den kürzer laufenden Papieren würden Käufe des iShares USD Treasury Bond 1-3yr (ISIN IE00BYXPSP02 / WKN A2DN9Z) den Handel prägen.

Bei der BNP Paribas sei der Handel mit Unternehmens- wie Staatspapieren recht ausgeglichen. Die Geschäfte mit festverzinslichen Wertpapieren seien wie in der Vorwoche stärker im Vergleich zu Aktien. (Ausgabe vom 18.10.2022) (20.10.2022/fc/a/e)






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