Erweiterte Funktionen

ETF-Handel: Korrektur fordert Tribut


24.02.14 15:21
Deka Investment

München (www.fondscheck.de) - Man soll ja bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben, die Experten von Deka Investment.

Das gelte erst recht für die schnellen Bewegungen an der Börse und für jeden Zeitraum. So schwungvoll das neue Jahr begonnen habe, der Januar habe mit kräftigen Abschlägen geendet. Die Auslöser seien eigentlich seit langem bekannte Faktoren gewesen: Die Krise in den Emerging Markets, die sich in einigen Ländern verschärft habe und die Präzisierung der Pläne der amerikanischen FED, die Anleihekäufe zu reduzieren.

So hätten vor allem die Aktienmärkte Federn lassen müssen. Am stärksten habe es den Nikkei erwischt, der 8,5 Prozent abgegeben habe. Auch die Emerging Markets hätten unter der Flucht des Geldes gelitten, der entsprechende MSCI-Index habe 6,5 Prozent verloren. Der Dow habe fast fünf Prozent abgegeben, aber der NASDAQ-Index habe wegen der Rally bei den Techwerten gegen den Trend zugelegt: um 2,2 Prozent. Das sei auch in Deutschland so gewesen. Während der DAX 2,6 Prozent verloren habe, habe der TecDAX mit 4,7 Prozent Gewinn geglänzt. Angesichts der neuen Unsicherheit hätten die Anleihen profitiert. Der Bund-Future habe um 3,5 Prozent Boden gut gemacht, der Goldpreis habe sich sogar um 4,7 Prozent erhöht.

Diese Bewegungen hätten sich bei den ETFs widergespiegelt. Goldprodukte, zum Beispiel Goldminen-ETFs, hätten die Gewinnerliste angeführt. Sie hätten zwischen 10 und 15 Prozent zugelegt. Um das mit einem klassischen Aktien-ETF zu übertrumpfen, habe man schon einen zweifach gehebelten Short-ETF benötigt. Auf der Verliererseite seien es viele ETFs auf Schwellenländer gewesen, allen voran die Türkei, bei der Aktien- und Währungsverluste zusammengekommen seien. So hätten Fonds auf dieses Land bis zu 15 Prozent verloren. Im Falle von Brasilien seien es im Durchschnitt 11 Prozent gewesen. Aber es wäre falsch, alle Emerging Markets über einen Kamm zu scheren. Andere Länder hätten sich auf der Gewinnerseite befunden, wie zum Beispiel ein Vietnam-ETF, der rund 10 Prozent vorangekommen sei. Bei den Branchen habe wiederum die Biotechnologie geglänzt, Fonds darauf hätten in der Spitze ebenfalls 10 Prozent gewonnen.

Allein wegen des Kurseffekts bei den dominierenden Aktienfonds sei bei den Assets under Management (AuM) insgesamt kein neuer Rekord zu erwarten gewesen. Richtig. Der Rekordwert im Mai 2013 sei noch ein paar Milliarden Euro entfernt. Doch es habe keinen Rückgang gegeben, im Gegenteil. Das verwaltete Vermögen in Europa habe sich hauchdünn um 0,1 Prozent auf 279,7 Milliarden Euro erhöht. Offenbar habe so mancher langfristig orientierte Anleger die Gelegenheit genutzt, in der Krise preiswert einzukaufen. Teilweise sei auch in sicher erscheinende Anlagen umgeschichtet worden, die die folgende Analyse des Nettomittelaufkommens zeige. Die Zahl der in Europa gehandelten Produkte sei mit 1.370 im Januar unverändert geblieben.

Betrachte man die Anlageklassen, so seien die Aktien bei den AuM klar der Verlierer gewesen, um 0,9 Prozent auf 201,2 Milliarden Euro sei es abwärts gegangen. Die Anleihen seien um vier Prozent auf 54,3 Milliarden Euro avanciert. Rohstoffe, in den Vormonaten regelmäßig die Verlierer, hätten mit dem stärkeren Goldpreis ein Plus von 0,6 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro erreicht. Der Geldmarkt sei als sicherer Hafen nicht gefragt gewesen. Er habe 1,8 Prozent auf knapp 4,4 Milliarden Euro verloren.

Die meisten Marktteilnehmer würden wohl davon ausgehen, dass die heftigen Abwärtsbewegungen Ende Januar nur eine Korrektur in einem weiter positiven Trend seien. Netto seien so den Aktien 1,1 Milliarden Euro zugeflossen. Die Anleihen hätten von der Unsicherheit profitiert und hätten 1,3 Milliarden Euro frisches Geld anziehen können. Es hätten vor allem europäische Staatsanleihen sowie Corporates profitiert. Bei Rohstoffen hätten positive Preiseffekte höhere AuM beschert, beim Nettomittelaufkommen habe man dagegen noch keinen positiven Trend sehen können. Es sei um 251,5 Millionen Euro zurückgegangen. Die gleiche Bewegung habe es am Geldmarkt gegeben, hier seien netto 104,1 Millionen Euro abgezogen worden.

In der Einzelanalyse zeige sich die anhaltende Schwäche der Emerging Markets. Bei den MSCI-ETFs für diese Region seien es 258,5 Millionen Euro weniger gewesen. Die großen Aktienindices hätten keine neuen Gelder angezogen. Der DAX habe 315,3 Millionen Euro, der EURO STOXX 50 sogar fast 400 Millionen verloren. Aus den Kursentwicklungen lasse sich vermuten, dass Tech- und Small-Cap-Aktien profitiert hätten.

Ein verpatzter Jahresauftakt müsse nach der Statistik nicht zwangsläufig ein schlechtes Jahr nach sich ziehen. So mancher Händler beruhige: "Jetzt wurde die Übertreibung abgebaut, und passiert ist nicht viel." In der Tat würden bis zu 10 Prozent Korrektur in einem längerfristigen Aufwärtstrend bei den Charttechnikern als trendbestätigend gelten. Um dieses Szenario zu zerstören, müsste der DAX deutlich unter die 9.000 Punkte fallen. Eine Erholung im Februar dürfte den Trend weiterhin stützen. (Ausgabe Februar 2014) (24.02.2014/fc/a/e)