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Aufschwung der Weltwirtschaft gewinnt an Dynamik


23.01.14 16:46
Metzler Asset Management

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Weltwirtschaft verzeichnete 2013 einen schwachen Jahresauftakt, so die Experten von Metzler Asset Management.

Die US-Konjunktur sei im ersten Quartal nur gering gewachsen, und die Wirtschaftsleistung in der Eurozone sei sogar im sechsten Quartal in Folge gesunken. Im weiteren Jahresverlauf habe sich das Wachstum der Weltwirtschaft jedoch stabilisiert und sich sogar gegen Jahresende wieder merklich beschleunigt.

Die Wirtschaft in der Eurozone habe im zweiten Quartal die lang anhaltende Rezession mit einem Wachstum von 0,3% endgültig hinter sich gelassen und sei in einen moderaten Aufschwung eingetreten. In den USA habe sich das Wirtschaftswachstum von unter 2% im ersten Halbjahr auf über 3% im zweiten Halbjahr beschleunigt. Dagegen habe sich das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern bis in den Herbst hinein verlangsamt, bevor sich die Konjunktur im vierten Quartal infolge steigender Exporte in die Industrienationen moderat erholt habe. Die im Jahresverlauf deutlich fallende Inflation habe es den wichtigsten Zentralbanken ermöglicht, das Wirtschaftswachstum mit ihrer locker ausgerichteten Geldpolitik und mit üppiger Liquidität zu unterstützen.

Die Experten würden erwarten, dass sich das Wachstum in den Industrienationen in diesem Jahr merklich beschleunigen werde. Die US-Wirtschaft dürfte nach einem 2013er-Wachstum von nur 1,7% im Jahr 2014 um 2,6% expandieren, und die Wirtschaft in der Eurozone sollte nach einem Rückgang von 0,3% im Jahr 2013 wieder um 1,5% wachsen . Ihre Prognose basiere auf der Annahme, dass die Sparanstrengungen der Staaten in diesem Jahr deutlich nachlassen würden. Noch im vergangenen Jahr hätten Steuererhöhungen zum Jahresanfang und Ausgabenkürzungen des Staates ab März das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den USA um 2,3%-Punkte reduziert.

In diesem Jahr würden sich die negativen Effekte der Fiskalpolitik auf nur noch 0,6%-Punkte des BIP summieren. Auch in der Eurozone werde sich der negative Einfluss der Fiskalpolitik auf das Wirtschaftswachstum von 1,3%-Punkt en des BIP im vergangenen Jahr auf nur noch 0,6%-Punkte des BIP verringern.

Dem stehe ein wieder stärker expandierender privater Sektor gegenüber. In den USA würden eine steigende Kreditvergabebereitschaft der Banken und eine steigende Nachfrage nach Krediten aus dem privaten Sektor eine Ende der Bilanzbereinigung bei den privaten Haushalten und eine Bereitschaft für höhere Ausgaben signalisieren. Auch in der Eurozone gebe es erste Anzeichen für einen sich wieder normalisierenden Kreditzyklus. So hätten die Geschäftsbanken im vierten Quartal 2013 kaum noch die Kreditvergabekriterien verschärft, und die Nachfrage nach Krediten aus dem privaten Sektor habe sich stabilisiert. In diesem Umfeld dürfte der private Sektor in der Eurozone wieder mehr Raum zur Expansion gewinnen.

Zudem rechnen die Experten von Metzler Asset Management damit, dass sich das Wachstum in den Schwellenländern moderat von 4,6% im Jahr 2013 auf 4,25% in diesem Jahr verlangsamen wird. Eine zurückhaltende Kreditvergabepolitik der Geschäftsbanken in den Schwellenländern dürfte die Binnennachfrage dämpfen. Nach einem exzessiven Anstieg der Kreditvergabe von insgesamt 50% zwischen 2009 und 2012 würden die Geschäftsbanken in den Schwellenländern mit steigenden notleidenden Krediten kämpfen. Die Experten würden es jedoch für sehr unwahrscheinlich halten, dass daraus eine neue Schwellenländerkrise folge, weil sich die meisten aufstrebenden Volkswirtschaften durch einen Leistungsbilanzüberschuss und/oder ein Netto-Auslandsvermögen auszeichnen würden.

Schwellenländerkrisen seien in der Vergangenheit meistens von einem Abfluss ausländischen Kapitals bei gleichzeitig hoher Abhängigkeit von ausländischer Finanzierung ausgelöst worden. Dennoch könnten einzelne Schwellenländer mit hoher Krisenanfälligkeit im Jahresverlauf auf Hilfsgelder des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen sein. Auch erscheine eine stark einbrechende Wirtschaftstätigkeit unwahrscheinlich, da sich die Exporte der Schwellenländer in die Industrienationen im Jahresverlauf wieder erholen und damit signifikant zum Wachstum beitragen dürften.

Die US-Notenbank dürfte in diesem Umfeld das Wertpapierkaufprogramm von ursprünglich 85 Mrd. USD pro Monat kontinuierlich um etwa 10 Mrd. USD pro Notenbanksitzung reduzieren, sodass es im vierten Quartal enden werde. Eine Leitzinserhöhung in den USA sei frühestens im Jahr 2015 wahrscheinlich. Im Gegensatz dazu würden die Mitglieder des EZB-Rates weitere geldpolitische Optionen wie langfristige Refinanzierungsgeschäfte, ein Wertpapierkaufprogramm oder negative Zinsen auf die Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB diskutieren. Die Zentralbanker scheinen jedoch erst noch abwarten zu wollen, wie sich die Inflation in den kommenden Monaten in der Eurozone entwickelt, bevor sie neue Schritte beschließen, so die Experten von Metzler Asset Management. Die japanische Notenbank dürfte bis auf weiteres an ihrem Kaufprogramm für Wertpapiere festhalten und deutlich mehr Staatsanleihen kaufen, als der japanische Staat emittiere.

Seit 2011 hätten sich die Unternehmensgewinne auf globaler Ebene mehr oder weniger seitwärts bewegt. Somit seien die steigenden Kurse an den Aktienmärkten in den entwickelten Volkswirtschaften in diesem Zeitraum vor allem auf einen Anstieg der Bewertung und damit auf eine gesunkene Risikoprämie zurückzuführen. Die ultralocker ausgerichtete Geldpolitik der Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften dürfte dabei maßgeblich für die "liquiditätsgetriebene" Aufwärtsbewegungen an den Aktienmärkten der entwickelten Volkswirtschaften gewesen sein.

Die US-Notenbank habe jedoch schon im Dezember 2013 beschlossen, den Liquiditätshahn langsam zuzudrehen und das Wertpapierkaufprogramm von ursprünglich 85 Mrd. USD pro Monat im Jahresverlauf 2014 schrittweise zu reduzieren. Ein Ende des Wertpapierkaufprogramms dürfte wieder verstärkt die Anlagerisiken in den Fokus der Finanzmarktteilnehmer rücken und damit kaum noch Spielraum für höhere Bewertungen in diesem Jahr eröffnen. Die derzeit hohe Bewertung des US-Aktienmarktes spreche sogar für ein hohes Risiko einer Kurskorrektur infolge einer fallenden Bewertung.

Unterstützung für die Aktienmärkte in den entwickelten Volkswirtschaften dürfte jedoch von den Unternehmensgewinnen kommen. Die sich weltweit erholende Konjunktur dürfte die Unternehmensgewinne im Jahresverlauf robust steigen lassen. Insbesondere europäische Aktien seien immer noch attraktiv bewertet und dürften in einem Umfeld einer noch weiter gelockerten Geldpolitik der EZB das Jahr mit einem moderaten Plus beenden. Insgesamt dürfte das Aktienmarktumfeld jedoch durch deutlich größere Schwankungen geprägt sein als im vergangenen Jahr. Die Aktienmärkte der Schwellenländer seien fair bewertet und dürften im Jahr 2014 in einem Umfeld eines immer noch soliden Wachstums von über 4% moderat steigen.

Die Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften würden mit aller Wahrscheinlichkeit an der Nullzinspolitik festhalten und damit für anhaltend niedrige Geldmarktzinsen sorgen. Dementsprechend würden die historisch niedrigen Geldmarktzinsen in einem gewissen Sinne verhindern, dass die Renditen von langlaufenden Staatsanleihen deutlich steigen würden. Darüber hinaus dürften eine Rückkehr der Risikoaversion und größere Schwankungen an den Aktienmärkten die sicheren Häfen wie Bundesanleihen und US-Treasuries im späteren Jahresverlauf unterstützen.

Im Gegensatz dazu habe die - durch die Nullzinspolitik der Zentralbanken in den entwickelten Volkswirtschaften ausgelöste - "Jagd nach Rendite" bei hochverzinslichen Anleihen aus den USA und bei Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern Kursübertreibungen verursacht. Entsprechend ungünstig sei inzwischen das Verhältnis von Chance zu Risiko bei diesen Anlagesegmenten. Der Mehrertrag dieser beiden Anlageklassen gegenüber US-Staatsanleihen im Verhältnis zur Unternehmensverschuldung sei so ungünstig wie zuletzt vor der Finanzmarktkrise 2007. Im Gegensatz dazu seien europäische Investmentgrade-Unternehmensanleihen immer noch durchschnittlich bewertet und würden daher einen attraktiven Mehrertrag gegenüber Staatsanleihen von Emittenten mit guter Bonität bieten.

Der Japanische Yen dürfte auch in diesem Jahr zur Schwäche neigen. So kaufe die Japanische Zentralbank seit April 2013 monatlich für etwa 7 Bio. JPY Staatsanleihen, während der japanische Staat nur etwa 4 Bio. JPY an neuen Anleihen pro Monat emittiere. Vor diesem Hintergrund erwerbe die Bank von Japan Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt und schaffe somit einen Anlagenotstand unter den traditionellen Investoren in japanische Staatsanleihen. Viele japanische Anleger seien deshalb gezwungen, im Ausland zu investieren. Die Folge sei ein Abwertungsdruck auf die japanische Währung. Demgegenüber dürfte der US-Dollar nicht nur gegenüber dem japanischen Yen aufwerten, sondern auch gegenüber dem Euro. (Ausgabe vom 15.01.2014) (23.01.2014/fc/a/m)