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Aktienmarkt: 2015 wird ein gutes Jahr


05.12.14 12:51
GECAM

Wangen (www.fondscheck.de) - Vor allem deutsche Anleger befinden sich in einem Dilemma, so die Experten von GECAM.

5,3 Bio. Euro Geldvermögen lägen zu rund 80 Prozent in Bankeinlagen und Versicherungen. Beide seien zu größten Teilen verzinslich angelegt. Nur 6 Prozent davon lägen in Aktien. Zum Vergleich: Diese Quote sei 1999 schon einmal bei 14 Prozent gewesen. Die Aktienquote innerhalb der Anlagestruktur der deutschen Lebensversicherungen betrage nur 3,5 Prozent. In Zeiten, in denen Banken für Einlagen bei der Zentralbank Strafzinsen bezahlen müssten, sei es nicht verwunderlich, wenn die Debatten um Negativzinsen für Großanleger und Nullzinsen für gewöhnliche Sparer an Dynamik gewinnen und aus Sicht der Experten das Jahr 2015 prägen würden.

Täglich seien die Gazetten voll davon, dass Versicherungen das aktuelle Null-/Niedrigst-Zinsniveau als Bedrohung erachten würden und die Gefahr bestehe, Garantieverpflichtungen aus der Vergangenheit in der Zukunft nicht mehr erfüllen zu können.

Auch Sparer seien mit jeder Fälligkeit einer Anlage, oder mit einem seit langer Zeit wieder stattgefundenen Beratungsgespräch, mit einer Welt konfrontiert, in der es keine Renditen mehr für sichere Anlagen gebe. Ob es sichere Anlagen überhaupt noch gebe, sei eine offene Frage.

Dabei haben die großen Kapitalsammelstellen (Versicherungen, Pensionskasse) in unserem Land durch die massiv gestiegenen Anleihenkurse (fallende Renditen) bisher kräftig verdient, so die Experten von GECAM. In langlaufenden Bundesanleihen seien es über die letzten fünf Jahre über 60 Prozent gewesen - natürlich vorwiegend Kursgewinne! Das bedeute, diese institutionellen Anleger würden auf massiven stillen Reserven in ihren Bilanzen sitzen. Doch auch hier bedeute jede Fälligkeit einen enormen Anlagedruck. Bei 10-Jahres-Renditen von aktuell nominal 0,75 Prozent falle es schwer, überhaupt die eigenen Verwaltungs- und Transaktionskosten zu verdienen, geschweige denn Risikokosten für etwaige Kursschwankungen im Rentenmarkt kalkulieren zu können.

Die Tatsache, dass der Rentenmarkt auf Top-Niveau notiere, sei gleichzeitig eine Chance und ein Risiko. Erstens würden Gewinnmitnahmen bei Umschichtungen in alternative Assetklassen auf Top-Niveau ermöglicht. Zweitens würden jedoch die größten Strukturanteile der Kapitalanlagen im Anleihensegment verbleiben, was dieses für Kursschwankungen anfällig mache. Man bedenke, dass nur ein Renditeanstieg von 1 Prozent einen Kursverlust von 12 Prozent nach sich zöge! Darüber hinaus sei es gar nicht so leicht Alternativanlagen zu finden, denn die zweite große liquide Anlageklasse - der Aktienmarkt - notiere allerorten auch auf Höchstständen. Könnten Aktienmärkte noch weiter steigen?

Für einheimische Leser ist es sicher am interessantesten den deutschen Aktienmarkt etwas zu beleuchten, so die Experten von GECAM. Setze man die zu zahlenden Preise in Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen (Kurs/Gewinn-Verhältnis), so ergebe sich eine Zahl von 13. Sowohl im internationalen Vergleich wie auch im langjährigen Durchschnitt sei dies nicht als teuer zu bezeichnen (zum Vergleich: Im Jahr 2000 sei das DAX-KGV bei über 30 gewesen).

Vergleiche man jedoch einmal das KGV einer 10-jährigen Bundesanleihe von 133 (!), erkenne man die krassen Bewertungsunterschiede. Vergleiche man die reine Rendite von 0,75 Prozent für eine Bundesanleihe mit der DAX-Rendite (100/KGV) von 7,7 Prozent, würden die Bewertungsunterschiede noch deutlicher. Allein der Anteil der Unternehmensgewinne, der als Dividende ausgeschüttet werde - knapp 3 Prozent - sei weitaus höher als die Verzinsung von Staatsanleihen. Übrigens würden allein die DAX-Unternehmen im nächsten Jahr die Rekord-Summe von rund 29 Mrd. Euro als Dividenden ausschütten.

Die Weltkonjunktur wachse laut IWF-Prognosen im nächsten Jahr rund 3,5 Prozent. Grundsätzlich würden die deutschen Exportunternehmen davon überdurchschnittlich profitieren. Es komme aber noch ein verstärkender Faktor hinzu. Gerade die Länder, die die größten Abnehmer für deutsche Produkte seien (USA, China, Großbritannien), würden im Vergleich zum Rest der Welt überdurchschnittlich wachsen. Es gebe starke Zusammenhänge zwischen den Konjunkturindikatoren in den USA und deutschem Exportwachstum. Dies bedeute, dass einheimische Unternehmen stark von der Re-Industrialisierung und dem Wachstum in Amerika profitieren würden.

Darüber hinaus wirke der niedrige Ölpreis momentan wie ein weltweites Konjunkturprogramm. Auf aktuellem Niveau führe er zu 0,7 Prozent geringeren Ausgaben für Unternehmen und Konsumenten. In Euro ausgedrückt, bedeute das 560 Mrd. mehr an jährlicher Kaufkraft, die für Nachfrage zur Verfügung stehe - wahrlich gigantisch.

Zu allen vorgenannten Aspekten begünstige der schwache Euro innerhalb Europas in erster Linie die Exportindustrienation Deutschland. Der Export werde im Jahr 2015 also sowohl die deutsche Konjunktur als auch den heimischen Aktienmarkt antreiben. Auch vom Konsum werde die Konjunktur in Deutschland weiter getragen werden. Beschäftigungsverhältnisse auf historischen Niveaus, starke Lohnzuwächse und keine Verzinsung für Spargelder würden auch 2015 kräftig Geld in den Konsum strömen lassen.

Kurse könnten nur weiter steigen, wenn auch Geld da sei, das noch in die Märkte fließen könne - ein trivialer Zusammenhang. Nehme man nur einmal die institutionellen Anleger hierzulande und deren Aktienquoten als Beispiel, so würden sich daraus nahezu unglaubliche potenzielle Summen ergeben, die über die nächsten Jahre unter anderem zur Aktienanlage zur Verfügung stehen könnten. Aktuell melde die Allianz Leben eine Quote in Dividendenwerten von 8 Prozent - in den neunziger Jahren seien das mal 30 Prozent gewesen.

Doch nicht nur Anlegergelder kämen für den Kauf von Aktien infrage. Immer mehr Aktiengesellschaften würden auch eigene Aktien zurückkaufen. Gründe hierfür seien hohe Liquiditätsquoten, geringe Fremdkapitalzinsen und eine Erhöhung der Attraktivität eigener Aktien für Anleger. Ein Beispiel: Die Münchner Rückversicherung zahle aktuell rund 1,7 Prozent, um sich für zehn Jahre zu verschulden. Andererseits schütte sie über 4 Prozent Dividendenrendite aus.

Erklärtes Ziel der EZB sei es, ihre Bilanzsumme um 1 Billion Euro auszuweiten, oder umgangssprachlich ausgedrückt, neues Geld zu drucken. Wie dies genau vonstatten gehen solle, seo noch nicht klar. Fakt aus Sicht der Experten von GECAM ist, dass die Märkte in den bisher als Zielinvestments benannten forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) und Pfandbriefen zu klein sind, um diese Summe zu liefern, ohne Marktverwerfungen hervorzurufen. Das heiße, die EZB werde wohl mandatswidrig irgendwann Staatsanleihenkäufe in Betracht ziehen. Aktuell sind wir jedoch noch nicht soweit, so die Experten von GECAM.

Im Übrigen sei den Experten schleierhaft, warum die Notenbank nicht gleich in Aktien investiere. Dadurch wäre sichergestellt, dass das Geld direkt in der Wirtschaft ankomme und die Bilanz noch durch ertragreiche Papiere gestärkt werde. Doch egal was passiere, am Schluss komme es darauf an, dass 1 Billion Euro mehr Geld gedruckt werde, das als Liquidität für mehr oder weniger alle Marktsegmente direkt oder indirekt zur Verfügung stehe.

Die genannten Parameter würden vor allem den deutschen und - mit Abstrichen - den europäischen Aktienmarkt begünstigen. Vergleiche man europäische Aktien mit ihren US-Pendants, so hätten Letztere seit der Finanzkrise 2008 eine starke Outperformance zu verzeichnen gehabt. Eurokrise, Reformunwilligkeit der Regierungen und Russland/Ukraine-Nähe hätten diese aus europäischer Sicht negative Entwicklung begünstigt. In der Tendenz, und mit etwaigen Entspannungssignalen von der Russland-Sanktions-Thematik, könnte der heimische Aktienmarkt auch gegenüber anderen internationalen Märkten eine Aufholjagd starten, indem internationales Kapital wieder Richtung "Good Old Europe" zurückströme.

Unter einer Renditeperspektive sei die Aktienanlage wahrlich alternativlos. Wichtig für Anleger seien lediglich ein längerer Anlagehorizont, breite Streuung und für Sparer Ansparpläne in Aktienfonds. Für Anleger mit größeren Einmalbeträgen würden sich vermögensverwaltende Investmentfonds anbieten. (05.12.2014/fc/a/m)