London (www.fondscheck.de) - Die Kombination aus technologischen Entwicklungen, Regulierung und dem Aufstieg der digital versierten Generation Y hat in den letzten Jahren im weltweiten Finanzsektor zu einem unumkehrbaren Innovationstrend geführt, so Guy de Blonay, Fondsmanager des Jupiter Global Financials SICAV (ISIN LU0262307480 / WKN A0KEM3) bei Jupiter Asset Management.
Während Banken immer noch am besten aufgestellt seien, um die Branche auch in Zukunft zu dominieren, müssten sie mit der digitalen Revolution mithalten, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. US-Banken würden den Weg weisen, Banken in Europa und Asien hingegen seien langsamer, wenn es darum gehe, ihre IT-Ausgaben zu erhöhen und damit die Herausforderungen des FinTech-Zeitalters zu bewältigen.
Im Zentrum der strukturellen Änderungen des Finanzsektors stehe Technologie. Banken hätten die Art und Weise, wie sie Produkte und Dienstleistungen anbieten würden, mittlerweile grundlegend verändert. Schließlich müssten sie den ständig wechselnden Bedürfnissen ihrer Kunden gerecht werden. Niedrigere Eintrittsbarrieren würden jedoch bedeuten, dass eine Flut neuer FinTech-Unternehmen auf den Markt dränge. Sie würden eine große Bandbreite innovativer Produkte und Dienstleistungen anbieten, was sie zu einer ernstzunehmenden Gefahr für die Banken mache.
Dank etablierter Kundenstämme, Lizenzen und Marken sollten traditionelle Banken am besten aufgestellt sein, um der Branche auch in Zukunft ihren Stempel aufzudrücken. Allerdings führe ihre komplexe Struktur dazu, dass sie sehr viel Kapital für IT-Systeme und deren Wartung zur Verfügung stellen müssten, was die Mittel für Innovation oftmals begrenze. Tatsächlich könnten FinTech-Unternehmen, unter anderem weil sie nicht durch riesige IT-Systeme belastet seien, Dienstleistungen derzeit bis zu 50 Prozent günstiger anbieten als Banken. Angesichts dieser starken Konkurrenz müssten sich Banken daher in der Entwicklung und dem Einsatz neuer Technologien an die Spitze setzen, um eine Chance zu haben, ihren Marktanteil zu verteidigen oder sogar zu vergrößern.
Die IT-Ausgaben und die Bereitschaft der Banken zur Innovation würden sich erheblich je nach Region unterscheiden. Untersuchungen von Morgan Stanley zufolge sei der US-Bankensektor tendenziell am ehesten bereit, neue Technologien einzusetzen - allen voran US-Large-Caps. J.P. Morgan habe sein Technologiebudget beispielsweise von 9,5 Mrd. US-Dollar im Jahr 2017 auf 10,8 Mrd. USD im Jahr 2018 aufgestockt. Zusätzlich würden 5 Mrd. USD des diesjährigen Budgets für neue technologische Entwicklungen ausgegeben. Zum Teil würden die US-Banken von der Gesetzeslage in den USA unterstützt, da die Aufsichtsbehörden FinTech-Unternehmen in der Regel wie etablierte Finanzinstitutionen behandeln würden. Dadurch würden für Banken gleiche Voraussetzungen herrschen, was es ihnen erleichtere, mit dem Tempo der digitalen Transformation in der Branche mitzuhalten.
Der europäische Bankensektor hingegen scheine am meisten durch den digitalen Fortschritt bedroht zu sein (mit Ausnahme der skandinavischen Länder). Aufgrund der Belastung durch jahrelange Negativzinsen hätten europäische Banken in der Regel nicht ausreichend in Technologie investiert, da die niedrigen Zinsen ihre Gewinnmargen stark beeinträchtigt hätten. Im Gegensatz zu den USA seien die Aufsichtsbehörden in Europa im Allgemeinen aufgeschlossener gegenüber neuen FinTech-Anbietern, was bedeute, dass die europäischen Banken Schwierigkeiten hätten, mit dem Innovationstempo Schritt zu halten. Die EU-Richtlinie PSD2 beispielsweise ermögliche es Bankkunden, Drittanbieter mit der Verwaltung ihrer Finanzen zu beauftragen, wodurch den FinTech-Unternehmen, die Lösungen für Finanzdienstleistungen anbieten würden, die Tür geöffnet werde.
Asiatische Banken würden im weltweiten Durchschnitt die geringsten IT-Ausgaben aufweisen (als Prozentsatz an Einnahmen und Ausgaben). Jedoch gebe Asien (ausgenommen Japan) inzwischen gemessen an den gesamten IT-Ausgaben am meisten für innovative Technologien aus. Gemeint sei damit wartungsfreie IT. Längerfristig gesehen könnte diese Investition in Innovation erhebliche Auswirkungen haben: Der Währungsbehörde von Singapur zufolge könnten Banken ihre Ausgaben um bis zu 30 Prozent senken, wenn sie FinTech wirksam in Bereichen wie der Automatisierung von Bankfunktionen und künstlicher Intelligenz einsetzen würden, welche 10 bis 20 Prozent der operativen Erträge asiatischer Banken ausmachen würden.
Auch wenn sie eine gewisse Bedrohung für traditionelle Finanzdienstleister darstellen würden, könnten FinTech-Unternehmen dem Bankensektor viele Wachstumschancen bieten. Banken seien zunehmend bestrebt, FinTech-Dienstleistungen über Partnerschaften, Investitionen oder Gründerzentren zu nutzen, während lediglich 7 Prozent es vorziehen würden, sämtliche Technologielösungen intern zu entwickeln. Angesichts der Rekordinvestition von 58 Mrd. USD in Deals mit 875 FinTech-Unternehmen im ersten Halbjahr 2018 sei den Banken bewusst, dass sie sich den Veränderungen stellen und ihre Geschäfte weiterentwickeln müssten, um im Wettbewerb mit neuen Anbietern nicht ins Hintertreffen zu geraten.
Innovationen im Finanzsektor hätten Investoren neue Chancen eröffnet. Dabei hätten sich zwei große Lager gebildet: Die im Sektor etablierten Banken und Finanzunternehmen, auch "adopters" genannt, die sich neue Technologie zunutze machen würden, und FinTech-Unternehmen oder "Enablers" der finanziellen Innovation, die vielfältige Dienstleistungen und Lösungen über das gesamte Spektrum der Finanztechnologie hinweg anbieten würden. Das Angebot der FinTech-Branche erstrecke sich über eine sehr breite Palette: Von Datenanalytik über Sicherheitslösungen bis hin zu mobilen Zahlungsdiensten. Das bedeute, dass FinTech-Unternehmen in verschiedensten Bereichen mit Banken kooperieren könnten, wobei die meisten ein beträchtliches Wachstumspotenzial aufweisen würden. Wenn die Banken willens seien, mit dem rasanten Tempo der Innovation mitzuhalten, könnten diese FinTech-Unternehmen dem traditionellen Bankensektor enorme Vorteile bieten. (28.11.2018/fc/a/f)
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