Frankfurt (www.fondscheck.de) - Auf die Verluste an den Börsen reagieren ETF-Anleger laut Market Maker mit Umschichtungen hin zu US-Aktien und US-Treasuries mit längeren Laufzeiten zulasten von europäischen Werten, so die Deutsche Börse AG.
"S&P 500- und MSCI World-Tracker gehören bei uns auf Wochensicht zu den klaren Gewinnern", melde Frank Mohr von der Commerzbank. Von EURO STOXX 50-Produkten hätten sich Investoren in größerem Stil verabschiedet. Ebenso gingen DAX-ETFs überwiegend raus. "Aus beiden floss seit Jahresbeginn viel Geld ab." Indexfonds, die den deutschen Leitindex abbilden würden, belegten derzeit anders als gewohnt einen hinteren Rang in Mohrs ETF-Umsatzstatistik. "In den Top-Ten sind sie nicht zu finden."
Während sich bei der Commerzbank über alle Anlageklassen hinweg Zu- und Abflüsse die Waage hielten, hätten Anleger den europäischen Finanzsektor unter anderem aus Sorge vor einem weiteren Verfall der Türkischen Lira überproportional abgestraft. Stellvertretend für die gesamte Branche nenne Mohr Abflüsse aus EURO STOXX Banks-ETFs (ISIN DE0006289309 / WKN 628930). Die Aufregung am Markt stufe der Händler als übertrieben ein. Gemessen an der Wirtschaftskraft spiele die Türkei nicht die ganz große Rolle.
Bruce Gunn melde Interesse an zehnjährigen US-Treasuries, die aufgrund höherer Nachfrage mittlerweile weniger Rendite brächten. "Vieles hängt mit dem starken US-Dollar zusammen", meine der ETF-Händler von IMC Markets. EURO STOXX 50-Tracker führe Gunn auf der Verliererseite. "Hier überwiegen eindeutig die Abgaben." Zurückhaltend agierten Investoren mit Blick auf die Emerging Markets. Diese könnten von den Entwicklungen in der Türkei in Mitleidenschaft gezogen werden. "Die Aufregung hat sich in der Zwischenzeit aber etwas gelegt", beobachte der Händler.
Mit 22 Prozent am gesamten, etwa 30.000 Transaktionen starken ETF-Geschäft kämen Fixed Income-Produkte laut Mohr auf einen etwa doppelt so hohen Anteil wie im Durchschnitt. Investoren trennten sich unterm Strich von auf Euro lautenden Unternehmensanleihen im Barclays Capital Euro Aggregate Bond Index zugunsten von Staatsanleihen von Euroländern, die im iBoxx EUR Sovereigns Eurozone Yield Plus Index (ISIN LU0524480265 / WKN DBX0HM) vertreten seien.
Renten-ETFs führe Schübel tendenziell auf der Kaufseite. Sieben bis zehnjährige Bonds entwickelter europäischer Staaten (ISIN FR0010754184 / WKN A0RNV9) seien laut Händlerin ebenso häufig in den Depots gelandet wie ein bis dreijährige Anleihen im Markit iBoxx EUR Sovereigns 1-3 Index (WKN A0X8SK). Investoren hätten zudem zu bonitätsstarken in Euro denominierten Corporate Bonds (WKN A2H57V) gegriffen, die sich am iBoxx Eur Liquid Corporates Top 75 Index orientieren würden.
Hochverzinsliche Unternehmensanleihen aus aller Welt kämen ebenfalls zumeist zum Zug, wie Schübel beobachte. Anleger positionierten sich beispielsweise im Markit iBoxx Global Developed Markets Liquid High Yield Capped Index (ISIN IE00B74DQ490 / WKN A1J7MG, ISIN IE00B4PY7Y77 / WKN A1H5UN).
Starke Bewegungen in beide Richtungen mache Schübel im Handel mit Sektor-ETFs aus. Das gelte für die Gesundheitsindustrie (ISIN IE00BQ70R696 / WKN A12CCJ, ISIN IE00BWBXM617 / WKN A14QB2, ISIN IE00B43HR379 / WKN A142NZ) ebenso wie für den IT-Bereich (ISIN IE00B3WJKG14 / WKN A142N1). Potenzial nach oben sähen Anleger in der Konsumgüterindustrie. Gesucht seien Aktien bedeutender US-Unternehmen (ISIN IE00BWBXM385 / WKN A14QBZ) und europäische Wertpapiere (ISIN IE00BKWQ0D84 / WKN A1191N) aus der Branche. (Ausgabe vom 14.08.2018) (15.08.2018/fc/a/e)
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