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17.09.15 16:13
US-Aktienfonds: Amerika vor dem Zinsentscheid

München (www.fondscheck.de) - Am 17.09.2015 entscheidet die US-Notenbank über eine Anhebung des Leitzinses. Es wäre die erste seit 2004, so die Experten von "FundResearch".

Was würden die Märkte erwarten? Wie hätten sich US-Aktienfonds im Niedrigzinsumfeld entwickelt?

Die Welt blicke gespannt nach Amerika. Am 17.09.2015 entscheide der Offenmarktausschuss der US-Notenbank FED (Federal Open Market Committee, FOMC) über eine Anhebung des Leitzinses. "Bei der ganzen Zinserhöhungsdebatte sollte man sich nicht auf die Frage konzentrieren, ob es zu Zinsanhebungen kommt, sondern eher darauf, wann und wie schnell diese erfolgen werden", sage James Tomlins, Fondsmanager bei M&G Investments. Seiner Ansicht nach neige sich die andauernde Phase einer immer lockeren Geldpolitik allmählich dem Ende entgegen. "In den Industriestaaten steht eine neue Zins-Ära an", so Tomlins. "Und während die US-Notenbank ihre quantitativen Lockerungsmaßnahmen schrittweise reduziert, bereiten sich die Anleger auf die erste Zinserhöhung seit Jahren vor."

Von einer klassischen Zinswende könne jedoch keine Rede sein, heiße es in einem Statement der Fondsplattform Moventum: "Wir sind der Meinung, dass eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte schon im September begrüßenswert ist." Die Unsicherheit an den Kapitalmärkten sei dann beendet und Diskussionen über den nächstmöglichen Zeitpunkt einer Zinserhöhung hätten keine Chance, so die Luxemburger: "Grundsätzlich erwarten wir im Vergleich zu vorangegangenen Zyklen, dass diese 'erste' Leitzinserhöhung lediglich eine symbolische Wirkung hat und vorerst keine weiteren Zinsschritte zu erwarten sind."

Für eine nachhaltige Zinswende sei das fundamentale Umfeld zu fragil. Es bestehe die Gefahr, dass das als nicht nachhaltig einzuschätzende Wirtschaftswachstum in den USA und Europa abrupt ende. Die derzeit negative Entwicklung in den Schwellenländern würde zudem noch verstärkt. "Wir erwarten, dass eine frühzeitige Zinserhöhung zu einer baldigen Beruhigung an den internationalen Aktienmärkten führen wird", so die Moventum-Experten.

"Angesichts der Bedeutung einer Leitzinserhöhung und angesichts des Signals, dass diese aussenden wird, sofern es zu einer Erhöhung kommt, wird das FOMC seine Gründe in aller Deutlichkeit darlegen wollen", erwarte Stephen Jones, Chief Investment Officer bei Kames Capital. "Die Schlüsselfragen dabei sind: Was ist der Grund, weshalb die Währungshüter die Zinsen erhöhen? Planen sie weitere Schritte und wenn ja, in welchem Tempo? Welches Zinsniveau erwarten sie mittelfristig?" Eine straffere Zinspolitik sei daher keinesfalls sicher.

"Die US-Wirtschaft wächst zwar stetig, aber nicht dynamisch, die Inflation ist aufgrund des jüngsten Ölpreisverfalls derzeit rückläufig, die Kerninflation gibt ein besseres, jedoch nicht beruhigendes Bild ab und die Arbeitslosigkeit geht zurück", zähle Jones auf. "Gleichzeitig aber wachsen die Löhne nur verhalten und die monetären Rahmenbedingungen wurden bereits durch den stärkeren US-Dollar und die schwächeren Finanzmärkte gestrafft."

Zudem hätten IWF und Weltbank der FED nahegelegt, die Zinsen nicht zu erhöhen. Andererseits halte Jones diese Niedrigstzinsen für nicht gerechtfertigt. "Es wird in jedem Fall eine knappe Entscheidung", prophezeie der Experte. "Eine Entscheidung jedoch, die unserer Ansicht nach eine mäßige Zinserhöhung und darauffolgend ein sehr maßvolles Vorgehen stützen dürfte." Für die Aktienmärkte wäre das nicht von Nachteil: "Die Rally an den US-Aktienmärkten ist fest etabliert", so Jones. "In einem Umfeld einer äußerst mäßigen Leitzinserhöhung und eines stetigen Konsumentenvertrauens können, unterstützt durch eine zunehmende Banken-Kreditvergabe, jedoch Fortschritte erzielt werden."

Die letzte Zinserhöhung habe es im Jahr 2004 gegeben. Seitdem seien die Zinsen nach und nach gesenkt worden. Ein gutes Umfeld für Aktien. Aber es habe auch Krisen in diesem Zeitraum gegeben. Wie hätten US-Aktienfonds die vergangenen zehn Jahre überstanden? Die Kategorie "Aktienfonds USA" des FINANZEN FundAnalyzer (FVBS) habe in diesem Zeitraum per 31. August 2015 eine durchschnittliche Wertentwicklung von 82,2 Prozent geschafft. Das sei mehr als bei europäischen Aktienfonds (66,0 Prozent), aber weniger als bei deutschen (94,8 Prozent). Der Dow Jones erreiche ein Plus von 84,9 Prozent.

Stärkster US-Fonds der vergangenen zehn Jahre sei der UBS (L) Inst. Key Selection US Equity (ISIN LU0154878796 / WKN 778181). Er erreiche ein Plus von 196,9 Prozent. Über die vergangenen fünf Jahre sei es um 13,1 Prozent nach oben gegangen - bei einer Sharpe Ratio von 1,53. Das Fondsmanagement-Team verwalte ein Volumen von rund 30 Millionen US-Dollar und investiere es zu knapp 20 Prozent in Gesundheitstitel. Finanzaktien würden 18,3 Prozent ausmachen, Technologiewerte 17,4 Prozent. Größte Einzeltitel seien Philipp Morris (3,3 Prozent), Mondelez International (3,0 Prozent) und Walt Disney (2,8 Prozent).

Ebenfalls zu überzeugen wisse der Pictet USA Index P USD (ISIN LU0130732877 / WKN 694231), der neben einer Zehn-Jahre-Performance von 104,6 Prozent auch eine Bewertung mit der Euro-FondsNote 2 vorweisen könne. Im von der FondsNote bewerteten Zeitraum von vier Jahren habe der Fonds ein Plus von 124,1 Prozent geschafft. Die Fondsmanager David Billaux und Stéphane Cornet würden rund 2,2 Milliarden Euro verwalten, die sie zu rund einem Fünftel in IT-Aktien investieren würden. Finanztitel würden 16,8 Prozent ausmachen, das Gesundheitswesen 15,6 Prozent. Top-Holding mit einem Portfolioanteil von 3,7 Prozent sei Apple. Microsoft (2,0 Prozent) und Exxon Mobil (1,9 Prozent) würden dahinter folgen.

Eine starke Performance in den vergangenen zehn Jahren zeige mit 115,6 Prozent der Threadneedle American Select 1 (ISIN GB00B0H6C938 / WKN A0F67Y) von Columbia Threadneedle. Der Fonds trage die FondNote 3, weil er sich über vier Jahre mit einem Plus von 105,2 Prozent nicht ganz so stark entwickelt habe. Die Fondsmanagerinnen Diane Sobin und Nadia Grant würden ein Volumen von 1,6 Milliarden Euro verwalten, das zu fast einem Viertel in IT-Aktien fließe. Wie beim Pictet-Fonds gewichte auch dieser Fonds Finanztitel (20,4 Prozent) und Gesundheitswerte (13,4 Prozent) dahinter. Größter Einzeltitel sei Apple (5,7 Prozent) vor Google (3,3 Prozent) und Estee Lauder (2,7 Prozent).

Größter Fonds der Peergroup sei der Fidelity America (ISIN LU0048573561 / WKN 973280) mit einem Volumen von etwas mehr als sieben Milliarden Euro. Ein Plus von 110,9 Prozent habe er in den vergangenen zehn Jahren geschafft. Trotz einer Wertentwicklung von 138,2 Prozent über vier Jahre, trage er nur die FondsNote 3. Fondsmanager Angel Agudo investiere 23 Prozent des Fondvolumens in den IT-Sektor. Gesundheitsaktien würden 21,4 Prozent ausmachen, Finanztitel 13,9 Prozent. Top-Holding sei Pfizer mit 4,5 Prozent. Dahinter würden Berkshire Hathaway (3,5 Prozent) und Oracle (2,9 Prozent) folgen. (Ausgabe vom 16.09.2015) (17.09.2015/fc/a/f)


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