Frankfurt (www.fondscheck.de) - Eher von der Seitenlinie beobachten Fondsanleger laut Spezialisten aus dem Handel mit aktiv verwalteten Fonds die derzeitigen Bewegungen an den Börsen, so die Deutsche Börse AG.
Weder die fallenden Märkte der vergangenen Woche noch der Aufwind seit Wochenbeginn hätten erkennbare Tendenzen bei Fondsinvestoren ausgelöst. "Wo die Liquidität in den Märkten derzeit hingeht, weiß ich nicht", beschreibe etwa Anja Deisenroth-Boström von der Baader Bank, die insgesamt von einem Verkaufsübhang bei Publikumsfonds auf niedrigem Niveau berichte. Am jüngsten ifo-Geschäftsklimaindex könne es nicht liegen, denn dieser habe mit dem fünften Anstieg in Folge überrascht. Eher schon an den vorläufigen deutschen Einkaufsmanagerindices der Vorwoche, die unerwartet unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gesunken seien.
Von durchwachsenen Umsätzen im Fondshandel mit mehr Verkäufen als Käufen berichte auch Frank Wöllnitz. "Tendenziell haben sich Fondsanleger in der vergangenen Woche aus dem Marktgeschehen rausgehalten", meine der Händler von ICF Kursmakler.
Ob Körbe mit hiesigen Aktien oder Portfolios mit internationalem Fokus, auf niedrigem Niveau sei vieles abgegeben worden. Anleger hätten sich Deisenroth-Boström zufolge von deutschen Nebenwerten beispielsweise im Allianz RCM Nebenwerte Deutschland (ISIN DE0008481763 / WKN 848176) und im UBS Small Caps Germany (ISIN DE0009751651 / WKN 975165) getrennt. Wenig überzeugt hätten sie sich zudem von heimischen Standardwerten etwa im DWS Deutschland (ISIN DE0008490962 / WKN 849096) und im DWS Aktien Strategie Deutschland (ISIN DE0009769869 / WKN 976986) gezeigt, die laut Baader Bank überwiegend verkauft worden seien.
Mehr Abflüsse als Zuflüsse verbuche Wöllnitz zudem zum Beispiel für den First Private Europa Aktien ULM (ISIN DE0009795831 / WKN 979583) mit Blick auf günstig bewertete europäische Aktien.
Weniger gut komme bei Anlegern derzeit der Ansatz der Nachhaltigkeit etwa im Swisscanto Portfolio Fund Green Invest Equity (ISIN LU0161535835 / WKN 216770) an, für den ICF Kursmakler per Saldo von Abflüssen berichte. Von Verkaufsdruck spreche Wöllnitz zudem beim ETF Dachfonds (ISIN DE0005561674 / WKN 556167), der überwiegend auf börsengehandelte Indexfonds verschiedener Anlageklassen setze.
Zum Teil größere Abgaben verbuche Wöllnitz bei Publikumsfonds mit asiatischen Aktien. Aus Anlegerdepots verstärkt rausgekommen sei beispielsweise der nordasier.com (ISIN DE0009792176 / WKN 979217). Dieser setze auf Werte, die aus Sicht des Fondsmanagements vom Internet-Boom im asiatischen Raum profitieren würden. Nachdem der indische Sensex in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben habe, hätten Fondsanleger sich von Körben mit indischen Aktien wie dem HSBC GIF Indian Equity AD (ISIN LU0066902890 / WKN 974873) verabschiedet.
Von ruhigem Fahrwasser im Handel mit asiatischen Portfolios spreche Deisenroth-Boström und registriere mehr Abflüsse als Zuflüsse beispielsweise für den in US-Dollar notierten Nordea-1 Far Eastern Equity Fund (ISIN LU0064675985 / WKN 973349). In Summe verkauft worden sei zudem der Jyske Invest Chinese Equities (ISIN DK0016262801 / WKN A0B73G). Verstärkt im Depot der Anleger wandere derzeit indes der OP East Asia (ISIN DE0008486622 / WKN 848662), der sich in Aktien der Schwellenländer des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraumes ohne Japan engagiere.
Bei Minenfonds registriere Deisenroth-Boström einen Abgabedruck und erkenne den Auslöser in den jüngsten Kurseinbrüchen bei Gold und Silber. Anleger hätten sich beispielsweise vom LO Funds - World Gold Expertise Fund (ISIN LU0172583626 / WKN 813929) getrennt. Die physische Nachfrage nach Gold könne durch den aktuellen Streik der indischen Goldhändler zusätzlich beeinträchtigt werden, wie Eugen Weinberg von der Commerzbank meine.
Die Bombay Bullion Association (BBA) erwarte beispielsweise einen Einbruch bei den indischen Goldimporten. Aufgrund der Erhöhung der Importsteuern würden beispielsweise im Monat März 25 bis 30 Tonnen statt wie im Vorjahreszeitraum 75 und 80 Tonnen Gold nach Indien eingeführt. Sollten die Goldimporte auch in den kommenden Monaten niedrig bleiben, würde dem Goldpreis eine wichtige Stütze fehlen. (27.03.2012/fc/a/f)
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