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07.04.26 14:27
Fondsbarometer: Düngerkrise treibt Agrar-Fonds

Wien (www.fondscheck.de) - Die Auswirkungen auf die Treibstoffpreise an der Tankstelle wurden unmittelbar wahrgenommen und lösten international Schlagzeilen und in Folge politische Maßnahmen - von Steuersenkungen bei Benzin bis zur Idee niedrigere Tempolimits einzuführen - aus, so die Experten von "FONDS professionell".

Dass der bis auf Weiteres gestörte Transport durch die Straße von Hormus auch in der Landwirtschaft weltweit für Probleme sorgen werde, sei vorerst weniger stark beachtet worden, denn dass mit dem Kriegsausbruch auch die Düngemittelpreise massiv angestiegen seien beziehungsweise ein Mangel bei Düngemittelgrundstoffen entstehen könnte, werde sich erst mittelfristig auswirken. Die Golfregion stelle etwa 30 bis 40% der weltweiten Exporte von Stickstoffdünger (Harnstoff/Urea) und Ammoniak.

Durch die Blockade und Schäden an der Infrastruktur in Katar und im Iran seien diese Mengen "gefangen" oder würden komplett ausfallen. Die Preise für Harnstoff hätten sich innerhalb weniger Wochen fast verdoppelt. Stickstoff spiele in der Landwirtschaft jedoch eine Schlüsselrolle. Er sei unverzichtbar und könne - anders als bei Kali oder Phosphat - in keiner Saison ausgelassen werden. Erschwerend komme aktuell hinzu, dass die Störung in die Pflanzsaison der Nordhalbkugel falle, die von Mitte Februar bis Anfang Mai dauere. Laut US-Landwirtschaftsministerium hätten rund 25% der amerikanischen Farmer den für die Frühjahrssaat 2026 benötigten Dünger noch nicht gekauft. Laut UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation gebe es - anders als bei Öl - keine strategischen internationalen Düngemittelreserven, um den Ausfall abzufangen.

Dass mögliche Verknappungen zu Preissteigerungen führen könnten, bewirke im Agrar-Sektor unmittelbare Kursanstiege bei zwei Gruppen von Unternehmen. Düngemittelproduzenten würden am stärksten profitieren, weil steigende Düngemittelpreise direkt ihre Margen und Umsätze erhöhten - besonders westliche Produzenten, deren eigene Lieferketten nicht betroffen seien. Auch Agrar-Handelsunternehmen würden profitieren, weil höhere Rohstoffpreise zu mehr Handelsvolumen und höheren Margen führen würden.

Für Fonds, die auf dieses Segment spezialisiert seien, würden diese Effekte ein Monatsergebnis von 2,9% Plus bewirken, womit der Sektor als einziger von 50 Kategorien ein positives Monatsergebnis habe erzielen können. Neun der Top-Ten-Kategorien - von Energie über Biotech bis Lateinamerika - hätten auf Monatssicht zwischen 0,09% und 5,59% verloren. Im Durchschnitt über alle von Mountain-View erfassten Aktienfonds habe das Monats-Minus bei 7,82% gelegen.

Größter Verlierer sei im März mit Abstand der Edelmetallsektor gewesen. Fast 22% sei der Wert der 32 Fonds dieser Gruppe im Durchschnitt gesunken, was bei vielen Kommentatoren Überraschung ausgelöst habe. Die Annahme, dass Gold und damit Edelmetall-Fonds von einer Krise wie dem Iran-Krieg eigentlich profitieren sollten, liege nahe, übersehe jedoch die hinter diesem Sektor liegenden Anstiege. Im Ein-Jahres-Rückblick lägen die Fonds trotz der scharfen Korrektur im März immer noch fast 100% im Plus. Berichte über beträchtliche Goldverkäufe der türkischen Notenbank hätten zuletzt als spezielle Erklärung für den starken Einbruch gedient. Die Mehrzahl der Kommentare und Analysen gehe bisher nicht davon aus, dass sich am generellen Aufwärtstrend bei Edelmetallen langfristig etwas ändern werde. Die Faktoren, die für die Preisanstiege bei Gold, Silber, Platin und Palladium verantwortlich seien, seien weiterhin gegeben.

Prognosen über den weiteren Verlauf des Börsenjahres seien wenig sinnvoll, weil alles davon abhängen werde, ob und wie der Konflikt in Nahost gelöst werde. Statistiker würden darauf hinweisen, dass derartige Kriegsausbrüche historisch meist zu einem kurzfristigen Einbruch führen würden, auf den oft erstaunlich schnell eine Stabilisierung erfolge. Im Durchschnitt sei der S&P 500 bei militärischen Interventionen um etwa 6,0% gefallen. In 19 von 20 Fällen hätten die Indizes bereits nach durchschnittlich 28 Tagen wieder ihr Vorkriegsniveau erreicht. (07.04.2026/fc/n/s)


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