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15.08.25 10:30
Contrarian Value Euroland Fonds: Europäische Banken - ist das Bewertungsniveau gerechtfertigt? Fondsanalyse

Bad Homburg v. d. H. (www.fondscheck.de) - Hans Peter Schupp, Vorstand der Fidecum AG und Portfoliomanager des Contrarian Value Euroland Fonds (ISIN LU0370217092 / WKN A0Q4S6) wirft einen kritischen Blick auf die Bewertungen europäischer Bankern.

Der Titel zitiere nicht nur einen Evergreen von Roland Kaiser, sondern beschreibe auch ziemlich genau die aktuelle Situation in der Bankenlandschaft.

Im Jahr 2008 seien die Banken ins Straucheln geraten. Und zwar nicht, weil ihnen Kapital gefehlt habe - sondern weil sie im Vorfeld zu viel davon gehabt hätten. Sie seien lange überkapitalisiert gewesen, zumindest gemessen an den damaligen regulatorischen Anforderungen. Der Druck, mit diesem Kapital etwas Sinnvolles anzufangen, sei enorm gestiegen.

Sie hätten das überschüssige Kapital natürlich an die Aktionäre zurückgeben - in Form von Dividenden oder Aktienrückkäufen. Stattdessen habe die Devise "Wachstum um jeden Preis" gegolten. Bei der Kreditvergabe seien höhere Risiken akzeptiert worden. Übernahmen sollten Expansion möglich machen - dabei seien Preise bezahlt worden, die im Rückblick surreal wirken würden.

Zwei Beispiele: Die ABN Amro habe neun Milliarden Euro für die italienische Banca Antonveneta gezahlt - rund das 1,5-Fache des Buchwerts. Nach der Krise seien Bankaktien dann nur noch mit dem 0,3-Fachen ihres Eigenkapitals gehandelt worden. Die Crédit Agricole habe die griechische Emporiki Bank für 2,8 Milliarden Euro übernommen. Es seien Kapitalzuführungen in Höhe von weiteren 4,85 Milliarden gefolgt - nur um das Institut schließlich für einen symbolischen Euro weiterzureichen.

Übernahmen seien nicht grundsätzlich schlecht. Doch eine meiner wichtigsten Erfahrungen in mehr als 30 Jahren als Fondsmanager sei, dass dabei nicht immer der Shareholder Value im Vordergrund stehe.

Die europäischen Banken hätten 16 Jahre gebraucht, um die Altlasten aus der Zeit des Überschwangs zu bewältigen und ihr Kapitalpolster zu stärken. Denn die Aufsicht habe radikal auf die Finanzkrise reagiert. Im Nachgang seien die Eigenkapitalanforderungen massiv angehoben worden. Habe die Tier-1-Ratio 2007 noch bei rund sieben Prozent gelegen, seien es heute etwa 13 Prozent.

Die Banken hätten also zu tun gehabt - und sie hätten geliefert. Aktuell seien sie wieder sehr gut kapitalisiert. Die Deutsche Bank etwa komme auf eine Tier-1-Quote von 14,2 Prozent. Auch die UniCredit glänze mit 16 Prozent Kapitalquote.

Nach einer langen Durststrecke seien dann in den letzten Jahren auch die Erträge wieder geklettert. Die Kapitalmärkte hätten diese Entwicklung honoriert und der europäische Bankenindex habe sich verdreifacht.

Nun stelle sich allerdings die Frage, ob die Bewertungen nach diesem massiven Kursanstieg noch gerechtfertigt seien. Hans Peter Schupp habe daran Zweifel. Denn Banken würden aufgrund der erhöhten Eigenkapitalanforderungen nie wieder so profitabel arbeiten können wie in der Vergangenheit.

Deshalb dürfte künftig auch wieder die Versuchung steigen, mit höheren Risiken und teuren Übernahmen die Renditen zu steigern. Das Übernahmekarussell beginne sich erneut zu drehen.

Schupp glaub' es gehe schon wieder los. Die UniCredit plane die Übernahme der Commerzbank. Die ABN AMRO forme durch den Kauf von Hauck Aufhäuser Lampe die drittgrößte deutsche Privatbank. Und die Erste Group erwerbe in Polen Anteile der dortigen Santander Bank für 6,8 Milliarden Euro.

"Wir haben 2019 sehr stark im europäischen Bankensektor investiert, weil Bank-Aktien aus unserer Sicht zu niedrig bewertet waren", so Schupp. Ob nach dem massiven Kursanstieg des Bankensektors die Preise gerechtfertigt seien, sei fraglich. "Denn Banken werden aufgrund der erhöhten Eigenkapitalanforderungen nie wieder so profitabel sein wie in der Vergangenheit, deshalb haben wir die Investmentquote im Bankensektor deutlich reduziert", so Schupp.

"Seit 25 Jahren verfolgt der Contrarian Value Euroland Fonds einen klaren Weg: Wir investieren nicht in Stimmungen, sondern in Werte. Nicht Mode-Trends, sondern die Bewertungen fundamental attraktiver Unternehmen leiten unser Handeln. Dabei zieht uns nicht das laute oder offensichtliche an, sondern das, was wirklich trägt", so Schupp. (15.08.2025/fc/a/f)



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