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07.03.24 14:17
Unter der Lupe: Fünf Fonds für Unternehmensanleihen - Fondsnews

Wien (www.fondscheck.de) - Sven Gruse gehört dem Team der Fonds Finanz an, das die Zielfonds für die hauseigene Empfehlungsliste und Vermögensverwaltung selektiert, so die Experten von "FONDS professionell".

Für FONDS professionell ONLINE habe er fünf Corporate-Bond-Portfolios analysiert, die für europäische Anleger einen Blick wert seien.

Nach den historischen Zinsanstiegen und dem Kursverfall am Rentenmarkt hätten die Anleiherenditen wieder ein attraktives Niveau erreicht. Das hätten auch Fondsanbieter und Banken erkannt und würden nach Rekordabflüssen im Jahr 2022 wieder mit verzinslichen Investments um Kundengeld buhlen.

"Während Anleihen aus den USA und Schwellenländern teilweise höher verzinst sind, bieten Euro-Anleihen für heimische Anleger einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Wer hier investiert, muss sich nicht um Währungsrisiken Gedanken machen", sage Sven Gruse, Markt- und Produktanalyst im Bereich Portfoliomanagement und Analyse beim Münchner Maklerpool Fonds Finanz. Denn: "Nicht selten fressen ungünstige Wechselkursänderungen Renditevorteile von außereuropäischen Anleihen in der Praxis auf."

Allerdings würden Staatsanleihen aus dem Euro-Raum nur noch vergleichsweise geringe Renditen abwerfen. "Im Gegensatz dazu werden Unternehmensschulden viel lukrativer verzinst." Auch Emittenten außerhalb Europas würden Anleihen in Euro begeben und dafür attraktive Kupons zahlen, was viele Portfoliomanager zu nutzen wissen würden. "So mischen Fondsmanager der Morningstar-Kategorie für Euro-Unternehmensanleihen den Investment-Grade-Titeln aus Euro-Ländern auch Hochzinsanleihen bei sowie Anleihen von globalen Emittenten, die ihre Schulden in Euro begeben", sage Gruse. "Viele Manager generieren zudem Zusatzerträge, indem sie in ihren Portfolios auch einen kleinen Teil Fremdwährungsanleihen halten."

Doch auch außerhalb der wichtigsten Fondskategorie für Euro-Unternehmensanleihen gebe es interessante Strategien mit unterschiedlichen Chance-Risiko-Profilen, betone der Branchenkenner. In seiner Analyse für FONDS professionell ONLINE untersuche er daher unter anderem auch einen Fonds für skandinavische Anleihen, der die Währungsrisiken absichere und ohne nennenswerte Kursverluste durch die Zinsanstiege gekommen sei.

Bei den anderen analysierten Fonds sehe die absolute Wertentwicklung rückblickend ziemlich unattraktiv aus, räume Gruse ein. "Schließlich zogen die steigenden Renditen der letzten Jahre die Kurse der allermeisten Anleiheanlagen in die Tiefe", erläutere er. Aus dem Verhalten rund um die Zinswende hätten sich aber Rückschlüsse auf die Qualität des Managements ziehen lassen. Für eine schnelle Einschätzung des künftigen Ertragspotenzials lohne sich zudem ein Blick auf die Portfoliorendite. "Bereits vorweg: In dieser als langweilig geltenden Anlageklasse gibt es einzigartige Fonds", verspreche Gruse.

Fonds-Finanz-Analyst Sven Gruse untersuche fünf Corporate-Bond-Fonds:

Der Platzhirsch: Schroder ISF Euro Corporate Bond Fund (ISIN LU0113257694 / WKN 577941)
Volumen: 10,8 Mrd. Euro
Wertentwicklung über 5 Jahre: 0,7% (Kategoriedurchschnitt Euro-Unternehmensanleihen: -2,5%)
Rendite bis Fälligkeit: 4,5%

Es seien große Fußstapfen gewesen, in die Patrick Vogel mit dem Weggang von Adam Cordery im Jahr 2012 bei Schroders getreten sei. Ursprünglich habe der im Jahr 2000 aufgelegte Schroder ISF Euro Corporate Bond Fund ein Schattendasein gefristet. Geschicktes Management und ein geringeres Risiko bei den Finanzwerten im Portfolio hätten das Produkt während der Finanzkrise 2008 über Nacht an die Spitze der Vergleichsgruppe katapultiert. Belohnt worden sei diese Leistung mit massiven Zuflüssen, wodurch das Fondsvolumen von circa 100 Millionen auf 6,5 Milliarden Euro gestiegen sei.

Corderys berufliches Erbe führe Vogel souverän fort. Das Volumen des Fonds sei deshalb immer weiter angeschwollen und betrage mittlerweile knapp elf Milliarden Euro. Bei der Titelauswahl würden Vogel und sein Team die fundamentale mit einer thematischen Beurteilung von Emittenten kombinieren, was einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem Vergleichsindex geliefert habe. Beispielsweise sehe Vogel europäische Autohersteller durch die E-Mobilität und die Konkurrenz aus China vor strukturellen Herausforderungen. Die Risikoaufschläge bei diesen Emittenten halte er daher für zu gering, weshalb die Titel im Portfolio untergewichtet würden.

Im Gegenzug greife der Manager beherzt bei Werten zu, bei denen zu viel Risiko eingepreist sei. 2022 habe er deshalb antizyklisch den Anteil an Immobilienwerten (neun Prozent) erhöht, sei damit jedoch etwas zu früh dran gewesen. Aus gleichem Grund finde Vogel derzeit zudem Finanztitel interessant. Hier würden auch außereuropäische Anleihen zum Einsatz kommen, etwa von JP Morgan und Morgan Stanley. Insgesamt halte Vogel Nordamerika jedoch für zu hoch bewertet und untergewichte die Region derzeit.

Platzhirschen sage man eine gewisse Trägheit nach. Der Schroder ISF Euro Corporate Bond Fund dürfe zwar als solcher gelten, werde jedoch äußerst agil verwaltet, was sich auch daran zeige, dass das Portfolio über den Zeitraum von einem Jahr komplett umgewälzt worden sei. Bei seiner Suche nach Chancen gelinge Vogel nicht immer jeder Schachzug, doch am Ende würden Strategie, Team und Gesamtergebnis stimmen.

Der Passive: iShares Core Euro Corporate Bond UCITS ETF (ISIN IE00B3F81R35 / WKN A0RGEP)
Volumen: 15,4 Mrd. Euro
Wertentwicklung über 5 Jahre: -2,4% (Kategoriedurchschnitt Euro-Unternehmensanleihen: -2,5%)
Rendite bis Fälligkeit: 3,85%

Dieses Produkt sei ein Pionier für die passive Anlage in europäische Unternehmensanleihen, denn vor der Auflage 2009 habe es am Markt fast ausschließlich Pfandbrief-ETFs gegeben. Mit über 15 Milliarden Euro Volumen sei der iShares-ETF nicht nur das größte Produkt der Fondskategorie, er weise mit 0,2 Prozent pro Jahr auch die geringsten Kosten dieses Vergleichs auf. Er bilde den Bloomberg Euro Corporate Bond Index durch direkte Investitionen ab. Nach einem Optimierungsverfahren würden knapp 3.600 Anleihen von fast 700 Emittenten im ETF-Portfolio landen. Umfassender könne man kaum in das Segment investieren.

Bei der Indexkonstruktion würden - im Gegensatz zu vielen aktiven Mitbewerbern - Hochzinsanleihen ausgeschlossen, wodurch das Portfolio unter anderem weniger mit dem Aktienmarkt korreliere. Der Schwerpunkt liege mit rund 50 Prozent Gewicht auf "BBB"-Anleihen, dem niedrigsten der Investment-Grade-Segmente (gute Bonität). Banken, die viele aktive Manager wegen ihrer attraktiven Risikoprämie interessant finden würden, seien mit 32 Prozent unterrepräsentiert. Ein Portfolio, das nur aus europäischen Titeln bestehe, würden Anleger nicht erhalten.

Emittenten aus der Euro-Zone würden circa 60 Prozent ausmachen. Die restlichen 40 Prozent bestünden aus globalen Unternehmen, die einen Teil ihrer Schulden in Euro begeben würden. Dazu würden auch die Tech-Giganten Apple und Microsoft zählen, die mit 0,25 respektive 0,1 Prozent im ETF vertreten seien. Dies führe grundsätzlich zu einer defensiveren Aufstellung als bei vielen aktiven Fonds, aber auch zu einer geringeren Effektivverzinsung des Kapitals.

Über die vergangenen fünf Jahre habe die Wertpapierleihe 0,18 Prozent Zusatzertrag eingebracht. Ohne diesen Vorteil läge der ETF trotz seiner geringen Kosten nur ungefähr auf dem Niveau der Vergleichskategorie. Für sein defensives Profil, das den ETF von den aktiven Managern abhebe, sei letztendlich eine sehr große Portion globaler Werte verantwortlich. Der ETF-Pionier für Euro-Unternehmensanleihen erfülle daher wohl nicht ganz das, was sich Anleger unter einem Investment in europäische Anleihen vorstellen würden.

Der Skandinavier: Pareto Nordic Cross Credit* (ISIN LU2023199552 / WKN A2QJGE)
Volumen: 480 Mio. Euro
Wertentwicklung über 3 Jahre: 8,7% (Kategoriedurchschnitt Euro-Unternehmensanleihen: 7,4%)
Aktuelle Rendite (vor Kosten): 6,1%
* Dieser Fonds sei in Österreich nicht zum Vertrieb zugelassen.

Skandinavische Anleihen seien hierzulande eher im Rahmen von Pfandbriefen bekannt. Unternehmensanleihen aus Dänemark, Norwegen und Schweden würden in den meisten Investorenportfolios keine Rolle spielen. Dabei würden sie einige Vorzüge gegenüber globalen oder Euro-Zone-Titeln bieten und sich gut zur Portfoliodiversifikation eignen.

Die Osloer Gesellschaft Pareto verwalte seit 1998 verzinsliche Anlagen, der Pareto Nordic Cross Credit sei ihr Flaggschiffprodukt. Dafür verantwortlich sei Christian Weldingh, der seit 2018 für das Unternehmen arbeite. Im Gegensatz zu den Managern europäischer Anleihefonds müsse er sich nicht mit ausufernden Vertragswerken herumschlagen, weil diese bei skandinavischen Anleihen standardisiert seien. Stattdessen konzentriere er sich ganz auf die Analyse der fundamentalen Daten. Weldinghs mehr als 30 Jahre Erfahrung im Kreditbereich würden ihm für Recherchen direkten Zugang zu vielen Firmen bescheren. Sein Können habe er zuletzt bewiesen, indem er bewusst schwedische Immobilienwerte vermieden habe, die im letzten Jahr deutlich an Wert eingebüßt hätten. Im Portfolio würden sich neben bekannten Werten wie Volvo zum Teil auch kaum geläufige, aber global tätige Unternehmen wie Nibe Industrier befinden, das unter anderem Wärmepumpen herstelle.

Skandinavische Anleihen würden sich in der Regel durch eine variable Verzinsung auszeichnen, wodurch sie nur minimal von Leitzinserhöhungen betroffen seien. Außerdem hätten Zinsänderungen direkte Auswirkungen auf die Bilanz der Emittenten. Dadurch gebe es selten langfristig versteckte Risiken, die sich erst in Refinanzierungsrunden durch höhere Kreditkosten zeigen würden. Aktuell seien 90 Prozent des Portfolios in variabel verzinslichen Anleihen angelegt. In der auf Euro abgesicherten Tranche würden Anleger den Euro-Einlagenzins plus den Risikoaufschlag der Anleihen von 2,1 Prozent erhalten, was eine attraktive Verzinsung von derzeit 6,1 Prozent vor Kosten ergebe. Der kompetente und gut vernetzte Fondsmanager dürfte es Anlegern leicht machen, sich guten Gewissens mit dieser Nische zu befassen.

Für Laufzeitfreunde: Carmignac Credit 2029 (ISIN FR001400KAV4 / WKN A3EXE0)
Volumen: 106 Mio. Euro
Wertentwicklung über 5 Jahre: Nicht vorhanden
Verzinsung: 6,4%

Gehe es Anlegern um die Planungssicherheit von Erträgen und geringe Schwankungen, würden sich Laufzeitfonds anbieten. Mit dem Credit 2029 habe die französische Investmentboutique Carmignac ihr neuestes Produkt dieser Art gestartet. Der Fonds könne mit überdurchschnittlichen Renditeerwartungen auftrumpfen und verdeutliche, dass die Gesellschaft hierzulande zu Unrecht fast ausschließlich für ihre Mischfonds bekannt sei.

Das erfahrene Team um Pierre Verle, Alexandre Deneuville und Florian Viros, das auch den erfolgreichen Carmignac Portfolio Credit (ISIN LU1623762843 / WKN A2DSRU) verantworte, erreiche diesen Mehrertrag durch Investitionen in besicherte Darlehensanleihen, auch bekannt als CLOs (Collateralized Loan Obligations), sowie Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Carmignac wage sich hiermit in Gebiete vor, die bei vielen anderen Managern wegen ihrer Komplexität kaum Berücksichtigung finden würden. Doch das Trio bringe das entsprechende Know-how mit: Während Verle früher im Bereich notleidender Anleihen tätig gewesen sei, habe Deneuville in der Hedgefonds-Branche und Viros im Bereich Kreditstrukturierung gearbeitet.

Bis zu 35 Prozent Gewicht würden CLOs aktuell im Portfolio ausmachen. Schwellenländeranleihen seien zu knapp 15 Prozent gewichtet. So erreiche das Anleiheportfolio im aktuellen Umfeld vor Kosten eine Rendite von 6,4 Prozent. Währungsrisiken würden Anleger mit dem Produkt nicht eingehen, da Beimischungen von Fremdwährung zum Euro abgesichert würden. Der Charme beim Carmignac Credit 2029 liege darin, dass zum Laufzeitende das Risiko auf der Zinsseite sowie die Risikoprämie und somit auch die Schwankungen deutlich reduziert würden. Mit dem Fonds wolle Carmignac dank einer entsprechend aggressiven Aufstellung anfangs viel Boden gut machen, ohne das Endergebnis für Anleger zum Schluss zu gefährden.

Der Flexible: AXA Euro Credit Total Return (ISIN LU1164219682 / WKN A12HNW)
Volumen: 1,01 Mrd. Euro
Wertentwicklung über 5 Jahre: 27,2% (Kategoriedurchschnitt Euro-Unternehmensanleihen: 2,5%, Kategoriedurchschnitt flexible Euro-Anleihen: 2,7%)
Aktuelle Verzinsung: 4,73%

Der Weggang einzelner Fondsmanager sei nicht immer ein valides Verkaufsargument für einen Fonds. Dies verdeutliche der AXA Euro Credit Total Return. Nach dem Abschied von Jean-Marc Frelet und Ismael Lecanu hätten 2023 Benoit de Laval und Boutainne Dexoinne, die mehr als 13 beziehungsweise 20 Jahre Erfahrung im Anleihebereich vorweisen würden, den Fonds übernommen.

AXA IM verwalte über 221 Milliarden Euro in Unternehmensanleihen, wovon rund eine Milliarde in diesem 2015 aufgelegten und flexibel gemanagten Fonds liege. Er könne bis zu 50 Prozent Hochzinsanleihen beimischen und das Zinsrisiko (Duration: -2 bis +6 Jahre) aktiv steuern. Bestimmt werde die Positionierung durch einen detaillierten Prozess, bei dem die Attraktivität einzelner Marktsegmente regelmäßig anhand des globalen makroökonomischen Umfelds, der Bewertung, der Risikoaufschläge, des Sentiments und anderer technischer Faktoren beurteilt werde. Zur Titelselektion habe das Management Zugriff auf 40 Kreditanalysten, die sich mit den Emittenten befassen und die Anleihen Risikoprofilen zuordnen würden. Die Einschätzung der Branchen obliege den Fondsmanagern, die ebenfalls Analysefunktionen übernehmen würden.

Finanzwerte und Immobilientitel stünden aktuell stärker im Fokus als zyklische Unternehmen. Mit dem institutionalisierten Ansatz sei es AXA gelungen, das Zinsrisiko im Jahr 2021 und zum Teil auch 2022 erfolgreich zu managen. Auch das beherzte Zugreifen bei Hochzinsanleihen 2022 habe zu einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung geführt. Aktuell seien die Risikoaufschläge für Hochzinsanleihen und zyklische Werte weniger attraktiv als in den Vorjahren, weshalb der Fonds defensiver positioniert sei und Hochzinsanleihen mit 25 Prozent niedriger gewichtet seien als in den Vorjahren.

Dieser Fonds beweise, dass Anleger bei einem gut strukturierten Investmentprozess nicht immer Angst vor Managerwechseln zu haben brauchen würden. Auch das neue Team biete Anlegern ein Investment, das sich den makroökonomischen Gegebenheiten anpasse und vor allem auch das Damoklesschwert Zinsänderungsrisiko im Griff habe. (News vom 06.03.2024) (07.03.2024/fc/n/s)


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