Frankfurt (www.fondscheck.de) - Niedrigere Kurse gleich gute Einstiegsgelegenheit? So scheinen viele zu denken, so die Deutsche Börse AG.
"Trotz der schwachen Aktienmärkte konnten wir deutlich mehr Käufe als Verkäufe feststellen, bei gleich bleibenden Umsätzen", berichte Holger Heinrich von der Baader Bank. Der DAX sei nach Erreichen des neuen Allzeithochs von 16.524 Punkten Ende Juli deutlich gefallen, am Dienstagmittag seien es nur noch 15.810 Punkte gewesen. Auch die US-Märkte hätten verloren.
Im ETF-Handel drehe sich das Meiste weiter um Aktien aus den USA und weltweit. Etwa melde Fabian Wörndl von Lang & Schwarz anhaltend hohe Nachfrage nach MSCI World- und S&P 500-ETFs. Heinrich zufolge seien im Bereich der US-Aktien vor allem S&P 500-Tracker gefragt, auch in der Minimum Volatility-Variante. "Im internationalen Bereich rücken immer mehr die relativ neuen Invesco FTSE All World-ETFs (ISIN IE0000QLH0G6 / WKN A3D7QY, ISIN IE000716YHJ7 / WKN A3D7QX) in den Fokus", stelle der Händler fest. Darüber hinaus seien auch wieder MSCI World-ETFs mit ESG-Filter gesucht, etwa der Amundi MSCI World ESG Leaders (ISIN IE00016PSX47 / WKN ETF049). Die Invesco FTSE All-World-ETFs - einer ausschüttend, einer thesaurierend, ein weiterer währungsgesichert (ISIN IE0006VDD4K1 / WKN A3EC3H) - seien im Juni aufgelegt worden und würden Aktien von 4.100 großen und mittelgroßen Unternehmen aus 25 Industrie- und 24 Schwellenländern abbilden.
Auffällig viele Käufe sehe Wörndl zudem für ETFs mit Zugang zu südkoreanischen Aktien, etwa den Xtrackers MSCI Korea (ISIN LU0292100046 / WKN DBX1K2). Seit Jahresanfang komme der auf ein Kursplus von 10,6 Prozent, auf Dreijahressicht seien es allerdings nur 3,6 Prozent im Jahr.
Im Handel mit Branchen-ETFs gehe derzeit viel um in Banken-Indexfonds, etwa im iShares EURO STOXX Banks 30-15 (ISIN DE0006289309 / WKN 628930) und im iShares S&P U.S. Banks (ISIN IE00BD3V0B10 / WKN A2JHXR). Beide hätten sich nach dem kräftigen Kursrücksetzer im Zuge der Silicon Valley Bank-Pleite im März erholt. Seit Jahresanfang komme der Tracker europäischer Banken auf ein Kursplus von 23 Prozent, der für US-amerikanische Banken hingegen auf ein Minus von 15 Prozent. Heinrich zufolge würden viele darüber hinaus auf den US-Konsumsektor setzen, etwa mit S&P Consumer Discretionary-ETFs.
Daneben würden Geldmarkt-Produkte ziehen: Lang & Schwarz sehe viele Käufe für den Xtrackers II Euro Overnight Rate Swap (ISIN LU0290358497 / WKN DBX0AN). Der habe mittlerweile 2,1 Milliarden Euro eingesammelt. Auf immerhin 789 Millionen Euro komme der ebenfalls umsatzstarke Lyxor Euro Overnight Return (ISIN FR0010510800 / WKN LYX0B6).
Wieder gestiegen sei laut Wörndl die Nachfrage nach Gas-ETCs. Schwerpunkt seien der WisdomTree Natural Gas 3x Daily Leveraged (ISIN IE00BLRPRG98 / WKN A3GL7C) und der WisdomTree Natural Gas 3x Daily Short (ISIN IE00B76BRD76 / WKN A1VBKC), mit dem mit Hebel 3 auf steigende beziehungsweise fallende Preise gesetzt werden könne. "Der Handel geht in beide Richtungen." Der für Europa relevante Terminkontrakt für niederländisches Erdgas (Dutch TTF) liege weiter bei niedrigen 29,30 Euro, vergangenen Sommer seien es kurzzeitig über 300 Euro/MWh gewesen.
Im Juli sei das Anlagevolumen in Aktien-ETFs in Europa erstmals überhaupt über die Marke von 1 Billion Euro geklettert, wie das Münchner ETF-Analyse- und Handelshaus Crossflow melde. Bei den Zuflüssen hätten allerdings abermals Anleihe-ETFs mit 8,1 Milliarden Euro die Nase vorn gehabt, 7,2 Milliarden Euro seien in Aktien-ETFs geflossen. "Beim Blick auf die Zahlen fällt insbesondere die homogene Verteilung der neuen Gelder in Anleihe-ETFs mit unterschiedlichen Währungen auf, also US-Dollar, Euro und Pfund", erkläre Crossflow. Auf US-Dollar-Seite seien vor allem kurzlaufende US-Staats- sowie Investment Grade-Unternehmensanleihen nachgefragt gewesen, auf Euro-Seite eher Geldmarkt-Produkte und High Yield-Unternehmensanleihen. Im Aktienbereich hätten speziell US-Aktien Zuspruch gefunden, gefolgt von globalen Aktien. Aus europäischen Aktien seien hingegen erneut Gelder abgeflossen, wenn auch weniger als im Juni. (Ausgabe vom 08.08.2023) (09.08.2023/fc/a/e)
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