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04.07.23 12:40
Infrastrukturinvestitionen in erneuerbare Energien - mehr Chance als Risiko

London (www.fondscheck.de) - Innerhalb des Infrastrukturuniversums sind erneuerbare Energien einer der am schnellsten wachsenden Bereiche, so Karin Kaiser, Leiterin Schroders Greencoat Deutschland.

Das liege auch an den regulatorischen Rahmenbedingungen, die im vergangenen Jahr einen Schub erlebt hätten (z.B. mit dem REPowerEU-Plan in der Europäischen Union und dem Inflation Reduction Act in den USA).

Investitionen in die Energiewende würden mit vielen Vorteilen punkten. Dies gelte vor allem für die Betriebskosten - denn Sonne und Wind per se würden nichts kosten. Ebenso seien die Cashflows weitestgehend vorhersehbar und relativ unempfindlich gegenüber dem Konjunkturzyklus. Beides könne sich bei einer Rezession als wertvoll erweisen.

Darüber hinaus sei ein gewisser, vom Umsatzmodell abhängiger Inflationsschutz möglich. Mehr vertraglich fixierte Einnahmen würden ein niedrigeres, aber sichereres Ertragsprofil bedeuten. Mehr Einnahmen vom börslichen Handel würden ein höheres, aber variableres Ertragsprofil bedeuten. Viele gängige Subventionsmodelle in Europa seien in der Vergangenheit vertraglich explizit an die Inflation gebunden gewesen. Doch auch ohne staatliche Unterstützung könnten Wind- oder Solarparks langfristige Verträge mit kreditwürdigen Vertragspartnern eingehen und ihren Strom für zehn bis 15 Jahre zu einem garantierten, teils inflationsgebundenen Preis verkaufen.

Außerhalb dieser Modelle werde der Strom auf dem freien Markt verkauft, der von den zukünftigen Strompreisen abhängig sei. Aufgrund der Kopplung der Energiepreise an die Inflation bleibe ein impliziter Zusammenhang bestehen, welcher sich im vergangenen Jahr besonders deutlich gezeigt habe, als Energiepreise Haupttreiber der Inflation gewesen seien.

Überdies würden Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien oft für den über ihre Lebensdauer erwirtschafteten Cashflow gehalten (Buy-and-Hold). Die kurzfristige Volatilität der Bewertungen habe daher, auch in einem steigenden Zinsumfeld, weniger Einfluss auf die langfristigen Renditen der Investor:innen.

Zu guter Letzt sollte man im gesamten Bereich der Energiewende den "First-Mover-Vorteil" nicht unterschätzen. So sei es ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Investitionen in "neue" Bereiche des Infrastrukturmarktes wesentlich riskanter seien als Investitionen in bewährte und erprobte Bereiche. Dies könne zwar durchaus zutreffen, jedoch seien im Infrastrukturbereich viele "neue" Investitionsbereiche eher ungewohnt als riskant. In vielen Fällen handle es sich um bewährte Technologien, die entweder auf neue Art und Weise oder in einem bisher nicht kommerzialisierten Umfang eingesetzt würden.

Für längerfristig orientierte Investor:innen könne dies ein profitables Missverständnis sein. Neuere Technologien könnten neue Risiken und vertragliche/regulatorische Strukturen bedeuten. Für viele Investor:innen reiche das aus, um die Finger davon zu lassen. Diejenigen, die über die richtigen technischen Kenntnisse verfügen würden und in der Lage seien, die mit der Technologie und den vertraglichen/regulatorischen Strukturen verbundenen Risiken sachkundig einzuschätzen, könnten sich einen Vorsprung verschaffen und damit gleichzeitig zum Klimaschutz beitragen.

Worauf sollten Investor:innen also achten? Bei nachhaltigen Infrastrukturinvestments komme es noch mehr als bei anderen Bereichen des Segments auf ein umfassendes Detailwissen an. Daher sei bei der Wahl des Infrastrukturmanagers darauf zu achten, dass dieser möglichst auf erneuerbare Energien spezialisiert sei und er sie nicht nur neben anderen Bereichen mitverwalte. Ebenso sei eine hohe technische Kompetenz förderlich.

Auch sollte man laufende Projekte den Entwicklungsprojekten vorziehen, weil Letztere komplexer und mit einem höheren Investitionsrisiko verbunden seien.

Investor:innen sollten darüber hinaus die regulatorischen Rahmenbedingungen im Blick haben, die sich schnell ändern könnten. Letztes Jahr habe die EU-Kommission zunächst strengere Regeln für Artikel-9-Fonds angekündigt, letztlich seien die aber doch nicht so streng wie erwartet ausgefallen. Ohne Frage wäre es wünschenswert, wenn perspektivisch mehr Transparenz einkehre, ohne die Regulatorik dabei immer weiter zu verkomplizieren. Bis dahin werde es für Investor:innen aber essenziell sein, bei der Auswahl entsprechender Produkte genau hinzuschauen, inwieweit diese bestimmte Nachhaltigkeitsziele verfolgen würden. (04.07.2023/fc/n/s)


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