Frankfurt (www.fondscheck.de) - Neben anhaltenden Rezessionssorgen prägen Ängste um ein komplettes Ausbleiben russischer Gaslieferungen auch den ETF-Handel, so die Deutsche Börse AG.
Ein Streik norwegischer Gas- und Ölarbeiter belaste die Stimmung zusätzlich. Der DAX scheitere zum Wochenauftakt an einem Erholungsversuch und stehe am Dienstag weiter unterhalb der Marke von 13.000 Punkten. Innerhalb einer Woche schwanke er um mehr als 700 Punkte. Dennoch: "Wir sehen insgesamt etwas mehr Abgaben als Käufe, aber die Lage scheint sich zu beruhigen, es gibt einzelne Positionsaufbauten", berichte Frank Mohr von der Société Générale über den ETF-Handel
"Obwohl die Nachrichtenlage nicht dramatisch schlechter geworden ist, sind die Umsätze geringer als sonst", berichte Jan Duisberg von der ICF Bank und verweise auf die Verluste des ersten Halbjahres am Aktienmarkt. So seien für den DAX die schwächsten sechs Monate seit der Finanzkrise 2008 zu verzeichnen. Auffallend sei, dass Anleger*innen eine breitere Produktpalette handeln würden.
Nach Einschätzung von Markus Reinwand von der Helaba seien Anleger*innen für Aktien sehr negativ gestimmt und hätten ihre Positionen reduziert abgebaut. Die Kurse bleibe von erhöhter Volatilität geprägt. Aber: "Die Überbewertung der US-Aktien ist abgebaut, Euro-Titel sind zunehmend attraktiv gepreist."
Einige würden sich auf ihre Lieblingsaktien fokussieren und wieder kaufen: "Unter den Top 10 der getrackten Indices Basiswerte ist kein einziger auf der Verkaufsseite", hebe Mohr hervor. Vor allem US-Titel würden gekauft. "Kurzfristig scheint hier erste Zuversicht zurückzukehren", erkläre Mohr. So hätten US-Aktien mit einem Drittel aller Umsätze das ETF-Geschäft der Société Générale dominiert, während globale Aktien für rund ein Viertel der Umsätze stünden. Bei S&P-ETFs würden Käufe (ISIN IE00B5BMR087 / WKN A0YEDG; ISIN IE00BMTX1Y45 / WKN A2QAJB; IE00BFMXXD54/ WKN A2PFN2) überwiegen. Neben Standardwerten seien NASDAQ-Tracker auf den Kauflisten. Hier werde vor allem der Lyxor Nasdaq-100 (ISIN LU1829221024 / WKN LYX00F) ins Portfolio genommen.
Bei der ICF Bank sei hingegen der DAX (ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01) nach Duisbergs Angaben gefragt.
Der Gaspreis habe mit 5,71 US-Dollar das Niveau von Ende März wieder erreicht. Anfang Juni habe er allerdings noch um 50 Prozent über dem aktuellen Niveau gestanden. Einen einheitlichen Gaspreis gebe es allerdings nicht. Die Preise würden je nachdem schwanken, wo das Erdgas gefördert und wohin es transportiert werde. Deutschland versuche derzeit, mehr Erdgas aus Katar und Norwegen zu beziehen, um womöglich ausbleibende Lieferungen aus Russland zu ersetzen. Doch das sei nicht einfach, weil Förderländer Verträge über mehrere Jahre schließen würden und nur abgeben könnten, was nicht vertraglich anderweitig zugesichert sei.
Duisbergs Kund*innen würden auf fallende Ölpreise setzen und den WisdomTree Brent Crude Oil 3x Daily Short (ISIN IE00BLRPRK35 / WKN A3GL7F), eine dreifach gehebelte Verbriefung des Ölpreises kaufen. Alternative Energien würden mit dem L&G Hydrogen Economy (ISIN IE00BMYDM794 / WKN A2QMAL) ins Depot geholt, der Unternehmen aus der Wasserstoffbranche tracke.
Mehr Käufe als Verkäufe mache Mohr auch bei Technologieaktien aus. So würde der Xtrackers MSCI World Communication Services (ISIN IE00BM67HR47 / WKN A113FK) wie auch der First Trust NASDAQ Cybersecurity (ISIN IE00BF16M727 / WKN A2P4HV) nachgefragt. Bei Duisberg erweise sich der WisdomTree Cloud Computing (ISIN IE00BJGWQN72 / WKN A2PQVE) als Sektor-Favorit.
In Sachen Aktien aus der Gesundheitsbranche würden bei der Société Générale Käufe des iShares Healthcare Innovation (ISIN IE00BYZK4776 / WKN A2PQVE) dominieren.
"Kryptos werden massiv verkauft", berichte Duisberg. So sei der Crypto Basket Index ETP von 21Shares (ISIN CH0445689208 / WKN A2TT3D) ebenso auf den Verkaufslisten wie der Polkadot ETP (ISIN CH0593331561 / WKN A3GPQM) des gleichen Emittenten. Bitcoin als älteste Kryptowährung der Welt pendle derzeit um die Marke von 20.000 US-Dollar. Allein auf Monatssicht habe es ein Drittel seines Wertes verloren. Schnell steigende Zinsen in den USA würden als einer der Hauptfaktoren für die Verkäufe am Kryptomarkt gelten.
Bei festverzinslichen Papieren würden Kund*innen der Société Générale auf Unternehmensanleihen aus Europa, etwa den Amundi Index Euro Corporate SRI (ISIN LU1437018168 / WKN A2ATY6) setzen. Darüber hinaus würden inflationsgeschützte Papiere wieder in die Depots kommen. Mohr sehe hier Nachfrage nach Lyxor Core Global Inflation-Linked 1-10 Years Bond (ISIN LU1910939849 / WKN LYX99B) und nach iShares Inflation Linked Government Bond (ISIN IE00B0M62X26 / WKN A0HGV1). (Ausgabe vom 05.07.2022) (06.07.2022/fc/a/e)
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