Frankfurt (www.fondscheck.de) - Sommerlich leicht geht es laut Händler derzeit im ETF-Geschäft zu, so die Deutsche Börse AG.
"Es ist ferienbedingt deutlich ruhiger geworden", fasse Oliver Kilian von der UniCredit zusammen. Allerdings gebe es auch aktivere Tage. "Bei Aktien-ETFs sehen wir einen Käufermarkt." Dabei konzentrierten sich Anleger zumeist auf Unternehmen der Industriestaaten. "Emerging Markets spielen bei unseren Kunden aktuell kaum eine Rolle."
Zu den Highlights zähle Kilian Positionierungen im S&P 500 und nenne beispielhaft ein Produkt (ISIN IE00B6YX5C33 / WKN A1JULM) von Spyder. Mit 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen habe der Index in der vergangenen Woche abermals ein Plus geschafft und liege mit 3.360 Punkten mittlerweile wieder auf dem Vorkrisen-Niveau. ETFs, die auf dem MSCI USA Socially Responsible Index (ISIN LU1861136247 / WKN A2JSDB) basieren würden, seien ebenfalls in den Depots gelandet. Das gelte auch für den MSCI Europe SRI (ISIN LU1861137484 / WKN A2JSDC). "Nachhaltigkeit ist mittlerweile ein Dauerthema im Kundengespräch."
Aufwärtspotenzial scheinen Anleger ebenfalls in MSCI Europe-Aktien (ISIN LU0274209237 / WKN DBX1ME) zu vermuten, so die Deutsche Börse AG. "Auch hier überwiegen die Zuflüsse." Zu den meist gesuchten Einzelländer-Aktien gehörten FTSE 100-ETFs (ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA) mit britischen Unternehmen.
Investoren positionierten sich nach den Verlusten des NASDAQ 100 der vergangenen Woche wieder verstärkt in entsprechenden Trackern (ISIN DE000A0F5UF5 / WKN A0F5UF). Auch Heucin melde Nettozuflüsse für NASDAQ 100-ETFs (ISIN IE00B53SZB19 / WKN A0YEDL).
Im Fixed Income-Bereich deckten sich Kilians Kunden tendenziell mit hochverzinsten Unternehmensanleihen ein. Gesucht seien Tracker des Markit iBoxx USD Liquid High Yield Capped Index (ISIN IE00BF3N7102 / WKN A2DUCX), der Corporate Bonds mit einem Rating unterhalb Investment Grade enthalte. Die Gewichtung einzelner Emittenten sei aus Gründen der Diversifizierung auf 3 Prozent begrenzt.
Die Verteilung von Risiken auf viele Schultern sei auch aufgrund überproportional steigender Kurse von Technologieaktien zunehmend ein Thema. John Rekenthaler von Morningstar gehe beispielsweise der Frage nach, ob die MAAFAA-Dominanz - damit seien Microsoft, Apple, Amazon, Facebook, zweimal Alphabet gemeint - in Indices wie dem S&P 500 ein Warnsignal sein könnte. Die Top-Zehn Aktien im S&P 500 kämen derzeit auf einen Anteil von gut 27 Prozent, Technologieaktien würden demnach etwas über 23 Prozent ausmachen. Anleger sollten nach Ansicht von Rekenthaler damit rechnen, dass die glamourösen Technologie-Aktien an Bedeutung verlieren könnten. Investoren sollten genau hinsehen, welche Unternehmen sich hinter ihren Indexfonds verbergen und entsprechend breit streuen würden.
Klumpen-Risiken erkennen: Das gelte für alle ETF-Positionen im Depot. Insbesondere in Länderindices mit einer geringen Anzahl an Aktien könnten einzelne Werte oder Sektoren einen unerwünscht großen Einfluss auf die Entwicklung nehmen.
Wie stark die Performance-Unterschiede von Länder-Indices vor dem Hintergrund der weltweiten Pandemie sein könnten, habe die Sutor Bank anhand ausgewählter Portfolios berechnet. In den sechs Monaten von unmittelbar vor der Corona-Krise bis zum 28. Juli reiche die Spanne von minus 1,1 Prozent beim S&P 500 bis minus 23,7 Prozent beim spanischen Ibex.
Auf Sicht von einem Jahr komme der Ibex auf minus 21,6 Prozent. Der schwedische OMX Stockholm schneide in dem Vergleich mit plus 9,1 Prozent am bestem ab und lasse sogar den S&P 500 hinter sich. Sutor unterstreiche, dass der schwedische Index im Gegensatz zum S&P 500 nur einen geringen Technologie-Anteil von 12 Prozent habe. Am stärksten sei der Industriesektor mit etwa 38 Prozent vertreten, gefolgt von Finanzwerten mit 23 Prozent. (Ausgabe vom 11.08.2020) (12.08.2020/fc/a/e)
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