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19.06.20 11:30
Wirecard-Desaster wird für manche Fondsmanager zum Problem - Fondsnews

Wien (www.fondscheck.de) - Das Drama um den Payment-Spezialisten Wirecard geht auch in der heutigen Börsensitzung weiter, so die Experten von "FONDS professionell".

Nachdem gestern (18. Juni) die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY mitgeteilt habe, dass über die Existenz von Wirecard-Guthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro - das entspreche rund einem Viertel der Bilanzsumme - keine ausreichenden Prüfnachweise vorlägen, sei die Aktie des einst gefeierten DAX-Unternehmens im Donnerstagshandel bereits um rund 70 Prozent abgestürzt. Gegen 10 Uhr am Freitag habe das Papier noch einmal rund die Hälfte seines Kurswerts verloren und kurz vor Mittag bei nur noch 22 Euro notiert.

Der in seiner Dimension für ein DAX-Mitglied nahezu beispiellose Absturz (nur der Anteilschein der Hypo Real Estate sei zu Beginn der Finanzkrise im Spätsommer 2008 noch stärker eingeknickt) bringe nicht nur ETFs und Indexfonds, sondern auch manchen aktiven Fondsmanager, der auf Wirecard gesetzt habe, erheblich ins Schwitzen.

Zu den größten Anteilseignern gehöre beispielsweise Nicolas Walewski, der zuletzt mit knapp 10 Prozent des von ihm gemanagten Alken European Opportunities (ISIN LU0235308482 / WKN A0H06Q) in Wirecard investiert gewesen sei. Am meisten über die Kursentwicklung geärgert haben dürften sich aber die Strategen der Goldman Sachs-Gruppe, die laut offiziellen Angaben zur Aktionärsstruktur von Wirecard noch rund 16 Prozent der Stimmrechtsanteile halten würden. Auch andere Finanzriesen wie Morgan Stanley, Société Générale und BlackRock seien demnach mit Anteilen von jeweils mehr als 5 Prozent nach wie vor engagiert. Bei den beiden Letzteren hänge das unter anderem damit zusammen, dass entsprechende Indexfonds - beispielsweise solche der BlackRock-Tochter iShares - gar nicht anders könnten, als ihre Anteile zu halten. Um den deutschen Leitindex DAX nachzubilden, müssten sie eben auch Wirecard-Aktien im Portfolio haben.

Groß ist die Aufregung auch bei aktiven Fondsmanagern hierzulande, so die Experten von "FONDS professionell". "Wir sind fassungslos", habe zum Beispiel Ingo Speich, Leiter des Bereichs für gute Unternehmensführung bei der Deka, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" erklärt. Auch in der aktuellen Situation habe sich wieder gezeigt, dass den Ankündigungen von Wirecard keine Taten folgen würden. Ein personeller Neuanfang sei nun dringender denn je, so Speich, der bereits im Mai den Rücktritt von Vorstandschef Markus Braun gefordert habe.

Andere würden die Flucht nach vorne antreten. Union Investment zum Beispiel habe nach Angaben des "Handelsblatts" seine Wirecard-Anteile mittlerweile abgestoßen. Das Unternehmen habe erst im Februar seine Stimmrechtsanteile ausgebaut. Zuletzt habe der Fondsanbieter aus Frankfurt seine Position aber schon wieder verkleinert und insgesamt nur noch gut 3 Prozent an dem Zahlungsdienstleister gehalten.

Auch die DWS sei um "Schadensbegrenzung" gegenüber ihren Anlegern bemüht gewesen. Noch Ende vergangenen Jahres habe das Haus seine Wirecard-Gewichtung in hauseigenen Portfolios wie dem DWS Investa (ISIN DE0008474008 / WKN 847400) sowie dem DWS Aktienstrategie Deutschland (ISIN DE000DWS2EA5 / WKN DWS2EA) deutlich erhört und sogar die meldepflichtige Beteiligungsschwelle von 5 Prozent an dem Zahlungsdienstleister überschritten.

Doch jetzt hätten auch die DWS-Manager offenbar kalte Füße bekommen und in einer offiziellen Mitteilung wissen lassen, dass man über die letzten Monate die treuhänderisch gehaltene Position in Wirecard-Aktien sukzessive reduziert habe. "Per Marktschluss 17. Juni 2020 hatte die DWS ihre Position bereits um circa 60 Prozent reduziert", heiße es darin. Aktuell halte man keine materiellen Positionen in aktiv gemanagten Fonds mehr. Die DWS wie im Übrigen auch Union Investment hätten zudem bereits am Donnerstabend angekündigt, man wolle die Einleitung rechtlicher Schritte gegen die Wirecard AG prüfen. (19.06.2020/fc/n/s)


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