Smarte Idee, dennoch erfolglos: Plattformökonomie-Fonds gescheitert - Fondsnews


15.11.23 11:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - The Original Platform Fund wird Ende Januar 2024 auf den Fonds Global Favourites verschmolzen, so die Experten von "FONDS professionell".

Das gehe aus einer Anlegerinformation der Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliege. Damit verschwinde ein Fonds vom Markt, mit dem Anleger vom rasanten Boom der "Plattformökonomie" rund um Geschäftsmodelle wie Amazon profitieren sollten.

Initiiert habe den Fonds Holger Schmidt, der es als Blogger ("Netzökonom") und Speaker zu einiger Bekanntheit gebracht habe. Schmidt habe zur digitalen Transformation geforscht und gelehrt und einen "Plattform-Index" entwickelt - aus diesem Projekt sei letztlich der Fonds hervorgegangen. Zuvor habe Schmidt den digitalen Wandel als Wirtschaftsredakteur verfolgt, vor allem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Dort arbeite er seit Kurzem wieder als Redaktionsleiter.

Nur gut zwei Jahre nach Auflage des Fonds sei klar, dass das Konzept nicht aufgegangen sei. Anleger der ersten Stunden hätten rund 25 Prozent ihres Einsatzes verloren. Mittlerweile sei das Fondsvolumen auf bloß noch 1,6 Millionen Euro geschrumpft.

Schmidt nenne auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mehrere Faktoren für das Scheitern des Produkts, darunter den massiven Zinsanstieg, der Wachstumswerte stark belastet habe. Getroffen worden seien insbesondere Geschäftsmodelle, die noch nicht sonderlich profitabel gewesen seien. "Schlussendlich hat die aktuelle starke Divergenz in der Wertentwicklung der 'Magnificent 7' im Vergleich zu Small- und Mid-Caps das Übrige dazu beigetragen", so Schmidt. Mit den "glorreichen Sieben" spiele er auf die großen US-Techkonzerne rund um NVIDIA, Microsoft und Co. an, deren Aktien das Börsengeschehen im bisherigen Jahresverlauf fast im Alleingang bestimmt hätten. "Als Fazit bleibt festzuhalten, dass wir seit der Fondsauflage sicherlich keinen Rückenwind für unsere Strategie hatten", meine Schmidt. "Von der Plattformidee sind wir jedoch weiterhin überzeugt."

Und warum sei es nicht gelungen, ein relevantes Fondsvolumen einzuwerben? "Wir hatten viele gute Gespräche mit potenziellen Investoren, haben es aber leider oft - trotz großer Zustimmung zur Investmentstrategie - nur auf die 'Watchlist' geschafft", berichte der Fondsinitiator. "Investiert haben die wenigsten." Seiner Beobachtung zufolge würden die meisten Selektoren und Anlageentscheider weiterhin eher prozyklisch agieren. "Es gibt nur eine Handvoll antizyklische Investoren, die tatsächlich auch den Mut haben, gegen den Trend zu investieren."

Aufgehen werde der Fonds nun im Global Favourites, der einen Value-Ansatz verfolge - auf den ersten Blick also eine völlig andere Anlagestrategie. Der Wunsch der verbliebenen Investoren sei es gewesen, den Fonds nicht aufzulösen, sondern auf ein anderes Sondervermögen zu verschmelzen, erläutere Schmidt. "Wir haben unterschiedliche Optionen geprüft und gemeinsam mit den Investoren den Global Favourites selektiert. Wir freuen uns, dass die verantwortliche KVG HANSAINVEST dies ermöglicht hat."

Würde es Schmidt nochmal wagen, einen Fonds zu initiieren? Aktuell geplant sei das nicht, versichere er, ausschließen möchte er es aber nicht. "Denn die Relevanz der Plattformökonomie bleibt auch im KI-Zeitalter erhalten, was sich gut am Wandel von OpenAI zur KI-Plattform beobachten lässt", so Schmidt. "Die Überlegenheit der Plattformen bleibt bestehen und wird die Techaktien auch künftig prägen."

Viele Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe seien nach der Bereinigung attraktiv bewertet. Es sei absehbar, dass sich diese Werte künftig gut entwickeln dürften. Schmidt: "Die Gesetze des Marktes haben uns aber leider nicht die Zeit gegeben, unsere Strategie zu beweisen." (15.11.2023/fc/n/s)





hier klicken zur Chartansicht

Werte im Artikel
-    plus
0,00%