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Warum Themenfonds versteckte Risiken bergen können - Fondsnews


04.01.23 13:03
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Ob Biotechnologie, Cloud-Computing oder Elektroautos - Trendthemen liegen in der Gunst der Anleger weit vorn, so die Experten von "FONDS professionell".

So habe sich das europaweit in aktiven Themenfonds und in entsprechenden börsengehandelten Indexfolgern (ETFs) verwaltete Vermögen über die vergangenen vier Jahre auf 283 Milliarden Euro vervierfacht. Dies zeige eine Auswertung des Analysehauses Cerulli Associates. Allerdings würden Branchenbeobachter diesem Investmentweg Risiken bescheinigen. Für manche Fondsmanager könne es gar ein K.-o.-Kriterium sein, wenn sich die Aktie eines Unternehmens einem Trendthema zuordnen lasse.

Zu den Argumenten, die Kritiker ins Feld führen würden, würden die mitunter mangelhafte Diversifikation und geringe Thementreue zählen. Entsprechende Fonds würden häufig einen Trend abbilden, dem nur wenige Aktien zuzurechnen seien, sage Ralf Lochmüller, Gründungspartner und Lenker der Investmentboutique Lupus Alpha.

"Wenn es zu wenige Unternehmen im Zieluniversum gibt, werden oft Titel beigemischt, die nur kleine Umsatzanteile im Thema haben oder etwas Ähnliches tun", so Lochmüller. So führe ein "US Vegan Climate ETF" unter seinen Top-Ten-Holdings fast ausschließlich große Tech-Werte wie Tesla, Nvidia, Google oder Salesforce. "Die qualifizieren sich wohl, weil sie nichts mit Tieren zu tun haben", spotte Lochmüller.

Diese mitunter wilde Zuordnung von Unternehmen zu einem Thema könne sich in einem Portfolio zum handfesten Problem entwickeln. Diese Gefahr beleuchte eine Analyse des Multi-Family-Offices HQ Trust. Portfoliomanager Jan Tachtler habe dafür die zehn am höchsten gewichteten Aktien von 258 Themenfonds und ETFs untersucht. Daraus habe Tachtler eine Hitliste mit Aktien erstellt, die besonders häufig unter den Top-Ten-Titeln zu finden seien. In immerhin 46 Produkten rangiere die Aktie des Labortechnikkonzerns Thermo Fisher Scientific unter den Schwergewichten.

Als wahre Allrounder-Aktie gelte unter den Themenfondsmanagern augenscheinlich der Softwaregigant Microsoft. Der Titel rangiere in 31 Fonds unter den größten zehn Aktien. Das Spektrum reiche dabei von naheliegenden Themen wie "Robotics" und "Big Data & AI" über weiter entfernte Felder wie "Klimawandel" sowie "Future Mobility" bis hin zu "Wasser". "Anleger sollten sich vor dem Kauf eines thematischen Produkts genau über dessen Zusammensetzung informieren", resümiere Tachtler. "Sie könnten sich ansonsten ungewollte Klumpenrisiken einfangen, beispielsweise weil dort Aktien enthalten sind, die bereits in anderen thematischen Produkten hoch gewichtet sind."

Lasse sich ein Unternehmen einem Modethema zurechnen, würden bei manchen Portfoliomanagern sogar schon die Alarmglocken schrillen. "Eine wichtige Rolle nimmt das Ausloten von Risiken im Portfolio ein und ob der Preis einer Aktie diese angemessen widerspiegelt", sage Zehrid Osmani, Leiter des Global-Long-Term-Unconstrained-Teams bei Martin Currie, einer Boutique, die zu Legg Mason gehört habe und mit dem Mutterhaus von Franklin Templeton übernommen worden sei. "Wir achten auch auf thematische Risiken: Ist ein Unternehmen einem bestimmten Themenfokus zugeordnet und kann daraus eine Überbewertung der Aktie entspringen?" In solchen Fällen prüfe das Team besonders genau, ob die Bewertung und die Risiken in einem angemessenen Verhältnis stünden.

"Für uns kann die Zuordnung eines Unternehmens zu einem Trendthema ein Risiko darstellen", betone Osmani. "Wir achten dabei genau auf Überschneidungen: Wenn ein Unternehmen in mehreren Bereichen aktiv ist, die in Mode sind, kann die Bewertung von mehreren Seiten in die Höhe getrieben werden." Das Team durchleuchte das gesamte Unternehmen sowie sein Umfeld: Die Produktions- sowie die Lieferketten. "Wir klopfen im Grunde das gesamte Ökosystem ab", sage Osmani. (News vom 03.01.2023) (04.01.2023/fc/n/s)