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"Retailgeschäft wird ETFs einen weiteren Schub bringen" - ETF-News


16.01.23 13:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Das US-Haus Franklin Templeton startete vor mehr als fünf Jahren sein ETF-Geschäft, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Kalifornier wollten den Bereich deutlich ausbauen, kündige Caroline Baron, Leiterin des ETF-Vertriebs in Europa, an. Dabei solle der Vertrieb an Privatanleger helfen.

Das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) werde durch das zunehmende Interesse von Privatanlegern beflügelt werden. "Ich erwarte, dass das Retailgeschäft einen weiteren Schub bringen wird", habe Caroline Baron, Leiterin des ETF-Vertriebs in Europa, Nahost und Afrika (EMEA) der Fondsgesellschaft Franklin Templeton, im Gespräch mit "FONDS professionell" gesagt. Insbesondere in Deutschland habe dieses Feld an Fahrt gewonnen. "Deutschland kann sich zu einem Vorbild für andere Länder entwickeln", habe Baron ergänzt. "Der Appetit auf ETFs wächst."

Der einst vorwiegend aktive Asset Manager aus dem kalifornischen San Mateo sei vor mehr als fünf Jahren ins Terrain der ETFs vorgestoßen. "Das Geschäft bauten wir vom Reißbrett aus völlig neu auf", berichte Baron. "Wir bauten zunächst das Team und die Infrastruktur auf", so die Vertriebsleiterin. "Dies benötigte zwar eine gewisse Anlaufzeit. Letztendlich war der Schritt jedoch von Erfolg gekrönt." Das Haus habe neue Kompetenzen ergänzt und Mitarbeiter hinzugewonnen. Zuletzt habe das Haus seine Plattform umbenannt.

"Im Laufe der Zeit nahmen die Kunden Franklin Templeton als ETF-Anbieter wahr", führe die Vertriebsleiterin aus. Weltweit erreiche das Haus mit seinen ETFs ein Volumen von zwölf Milliarden US-Dollar. "Dies wollen wir auf 50 Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren steigern", so Baron. "ETFs spielen eine Schlüsselrolle in der Strategie von Franklin Templeton." Zum Vergleich: Die ETF-Sparte iShares des Branchenprimus BlackRock habe per Ende September 2022 2,6 Billionen US-Dollar verwaltet.

Franklin Templeton konzentriere sich angesichts des weitgehend aufgeteilten Marktes auf bestimmte Nischen. Eine davon seien Indices, die nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach alternativen Maßstäben gewichtet seien, sogenannte Smart-Beta-Ansätze. "Smart Beta stellt eine gute Option für Kunden dar, auf den Wellen der Märkte mitzureiten, zugleich aber die Risiken abzuschwächen", meine Baron. "Smart Beta kann noch sehr viel mehr geben." Immer mehr Akteure würden es nutzen, um ihre Strategien zu ergänzen.

Besonderes Potenzial sehe die Marktkennerin bei Renten-ETFs mit Komponenten des aktiven Managements. "Investoren standen bei Anleihen vor einer undurchsichtigen Welt", erläutere Baron. "ETFs halfen, diesen Schleier etwas zu lüften." Um die an herkömmlichen Indices orientierten Anleihen-ETFs ranke sich Kritik wegen der Ungleichgewichte und der nicht so cleveren Auswahl. "Aktive Anleihen-ETFs können hingegen bessere Ergebnisse für Kunden erzielen, da sie gegenüber den nach Marktkapitalisierung gewichteten Indices mehr Flexibilität bieten können."

Aber auch bei herkömmlichen Indexfolgern sehe das Haus unbesetzte Bereiche. "Trotz des Wachstums der Branche bleiben immer noch Felder, die noch gar nicht so gut abgedeckt oder bei denen die ETFs recht teuer sind", berichte Baron. "Ein Beispiel sind Schwellenländer. Diese zählten stets zu den Stärken von Franklin Templeton." Daher decke das Haus diese Nischen mit klassischen Index-ETFs ab.

Als weiteres Wachstumsfeld sehe Baron nachhaltige Investments. "ESG ist mehr als nur ein Trend. Es ist die neue Art und Weise des Investierens", so die Franklin-Templeton-Managerin. "Dies eröffnet weiteren Raum für Innovationen." Ein weiteres Feld seien Modellportfolios. "Bislang liefern ETFs häufig nur einzelne Bausteine für ein Portfolio", erläutere die Vertriebsleiterin. "Die Entwicklung von Gesamtlösungen für die Komposition eines Portfolios wird an Bedeutung gewinnen, insbesondere bei Retailkunden."

Gleichwohl sei der ETF-Vertrieb an Privatanleger in Europa schwieriger als etwa in Nordamerika, räume Baron ein. "Gewiss hatte es der US-Markt in mancherlei Hinsicht etwas einfacher", führe die Managerin aus. "Europäische Investoren sind in Finanzfragen nicht ganz so erfahren wie amerikanische, da sie sich nicht so ausführlich um eine kapitalmarktbezogene Altersvorsorge kümmern müssen." Aber auch in Europa nehme die Zahl der unabhängigen Berater zu. "Die ETF-Anbieter passen sich an die Gegebenheiten des europäischen Marktes an."

Das Wachstum bei ETFs sehe Baron generell noch lange nicht ausgeschöpft. "Wir stehen immer noch am Beginn eines Boom-Marktes", so die Franklin-Templeton-Expertin. "Neue Akteure werden eintreten und neue Produkte und Ideen aufkommen." ETFs würden immer noch lediglich zehn Prozent des Investmentfondsmarkts ausmachen. "Das ist ein Wassertropfen im Ozean", meine Baron. "ETFs trotzten Pandemie und Krieg." Sie hätten sich als solide Vehikel erwiesen und hätten alle Bedenken, etwa mit Blick auf die Liquidität, ausräumen können. (16.01.2023/fc/n/e)