Erweiterte Funktionen

Fondsbranche: Frauenquote in Führungsetagen erschreckend niedrig - Fondsnews


05.08.22 14:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Frauen sind in den Top-Etagen der in Deutschland aktiven Asset Manager nach wie vor nur spärlich vertreten - noch spärlicher als vor einem Jahr, so die Experten von "FONDS professionell".

Zu diesem Ergebnis komme eine aktuelle Studie der Fondsfrauen. Das Karrierenetzwerk habe dafür wie bereits 2021 die Zusammensetzung der Geschäftsleitung in der deutschen Asset-Management-Branche untersucht. Das Resultat sei ernüchternd: Die Frauenquote falle mit im Schnitt 13,7 Prozent erschreckend niedrig aus und liege sogar einen Prozentpunkt unter dem für das Vorjahr ermittelten Wert.

"Das ist insbesondere vor dem Hintergrund enttäuschend, dass viele Asset Manager das Problem von zu wenigen Frauen in der Top-Führungsebene erkannt haben und sagen, dass sie es angehen wollen", würden die Autorinnen der Fondsfrauen-Studie schreiben. Am Ende des Tages würden die Posten dann aber offenbar doch überwiegend männlich besetzt. Dies lasse den Schluss zu, dass die Unternehmen entweder nicht richtig nach Frauen für den Einsatz in Spitzenpositionen suchten oder aber mehr unternehmen müssten, um ihre Personal-Pipeline in Sachen Diversität besser auszubauen.

Für die aktuelle Untersuchung hätten die Fondsfrauen die Führungsetagen aller 116 Fondsgesellschaften unter die Lupe genommen, die zum Stichtag 26. März 2022 Vollmitglied im deutschen Fondsverband BVI gewesen seien. Habe es sich bei einer Gesellschaft um eine GmbH gehandelt, seien alle Mitglieder der Geschäftsführung namentlich erfasst worden, ebenso alle Vorstandsmitglieder einer AG.

Insgesamt würden sich der Studie zufolge in den Top-Führungsgremien der untersuchten Unternehmen 430 Mitglieder befinden, darunter 59 Frauen, was einer Quote von 13,7 Prozent entspreche. Dabei liege die Frauenquote bei den 28 AGs mit 15,2 Prozent höher als bei den 88 GmbHs. Diese würden auf eine durchschnittliche Quote von 13,2 Prozent kommen. "Ein Grund für die etwas höhere Frauenquote könnte darin liegen, dass sich Aktiengesellschaften in einem stärkeren öffentlichen Licht sehen als GmbHs und daher mehr auf sichtbare Governance-Regeln achten", heiße es in der Studie.

Fondsgesellschaften mit ausländischen Wurzeln würden der Untersuchung zufolge zum Teil einen höheren Frauenanteil aufweisen. Dies liege daran, dass in einigen anderen Ländern das Bewusstsein für Gender Diversity bereits stärker entwickelt sei, würden die Autorinnen schreiben. Besonders hoch sei die Frauenquote in der ersten Führungsebene mit 25 Prozent bei Gesellschaften mit Schweizer Background. Es würden in Deutschland vertretene Asset Manager aus angelsächsischen Ländern mit 22,4 Prozent und solche aus nordischen Staaten mit 22,2 Prozent folgen. Bei rein deutschen Gesellschaften hingegen liege die Frauenquote in der Top-Etage im Schnitt bei lediglich 9,2 Prozent.

Damit sich dies ändere, würden mit dem Fondsfrauen Award, der im Herbst verliehen werde, auch in diesem Jahr wieder Frauen, Männer und Unternehmen ausgezeichnet, die sich für mehr Gender Diversity tatkräftig einsetzen würden. Die Fondsfrauen um die Gründerinnen Anne Connelly, Manuela Fröhlich und Anke Dembowski würden den Award bereits zum vierten Mal ausloben.

Verliehen werdeder Preis in vier Kategorien. Den Award "Company of the Year" erhalte ein Unternehmen, das mit einer besonders fortschrittlichen Firmenkultur punkten könne. Mit dem Award "Role Model of the Year" möchte das Netzwerk eine Frau - oder einen Mann - auszeichnen, die oder der sich um das Thema Geschlechtervielfalt verdient gemacht habe. Den Preis "Woman of the Year" erhalte eine Frau, die durch ihre herausragende berufliche Leistung ein Zeichen für andere setze. Und die Gewinnerin der Auszeichnung "Fondsmanagerin des Jahres" sollte eine ausgezeichnete, wettbewerbsfähige Performance aufweisen können.

Unter fondsfrauen-award.com könnten Anleger bis zum 2. September ihre Favoriten nominieren. Einzige Voraussetzung: Alle Nominierten sollten ihren Geschäftsschwerpunkt in Deutschland, Österreich, der Schweiz oder Luxemburg haben und im Asset-Management-Umfeld beziehungsweise der Finanzbranche tätig sein. (News vom 04.08.2022) (05.08.2022/fc/n/s)