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Einbruch beim Fondsabsatz: Anlegern vergeht Appetit - Fondsnews


09.01.23 13:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Unruhe auf dem Börsenparkett hinterlässt deutliche Spuren im europäischen Fondsgeschäft, so die Experten von "FONDS professionell".

Nach Jahren des Booms sei der Nettomittelabsatz deutlich eingebrochen. Anleger hätten von Anfang 2022 bis Ende Oktober unterm Strich 311 Milliarden Euro aus Publikumsfonds abgezogen, habe der Branchenverband EFAMA gemeldet. Im Vorjahr hätten noch Zuflüsse in Höhe von mehr als 630 Milliarden Euro gestanden.

Doch die Flaute sei vor allem auf eine Zurückhaltung der Investoren bei Neuanlagen zurückzuführen und nicht auf eine panikartige Flucht. Dies würden Absatzdaten des Analysehauses Broadridge zu Bruttoabsatz und Anteilsrückgaben für europäische Publikumsfonds zeigen, die "FONDS professionell" exklusiv vorlägen. Demnach habe sich der Bruttoabsatz per Ende Oktober 2022 auf mehr als 578 Milliarden Euro beziffert. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hätten noch Bruttoverkäufe in Höhe von 757 Milliarden Euro gestanden.

Anders sehe das Bild bei den Anteilsrückgaben aus. Hier hätten für die ersten zehn Monate 2022 mit 674 Milliarden Euro keine wesentlich höheren Abzüge als 2021 mit 655 Milliarden Euro gestanden. Das Analysehaus Broadridge stütze seine Untersuchung auf die Absatzdaten von rund 100 Fondsanbietern, meist mit Sitz in Luxemburg und Dublin. Die Daten würden nur den Absatz von Aktien-, Anleihen- sowie Mischfonds zeigen.

"Die Anleger halten sich zurück. Sie stecken kein neues Geld in Fonds, sie ziehen es aber auch nicht ab", kommentiere Chris Chancellor, Geschäftsbereichsleiter bei Broadridge, die Ergebnisse. "Im Frühjahr 2020 war eine Panik zu spüren - davon ist derzeit nichts zu bemerken." Mit der Ausbreitung der Corona-Pandemie seien allein im März 2020 die Rücknahmen auf über 100 Milliarden Euro hochgeschnellt. Zwar seien die Bruttozuflüsse weitgehend stabil geblieben, aber der Abverkauf an Fondsanteilen habe der Branche in dem Monat Nettomittelabzüge in Höhe von 60 Milliarden Euro beschert.

Im Frühjahr 2020 habe sich die Lage recht rasch wieder beruhigt. Die Kaufzurückhaltung der Investoren schien sich im Jahresverlauf 2022 jedoch zu verfestigen, so die Experten von "FONDS professionell". Hätten Investoren im Januar noch fast 68 Milliarden Euro brutto in Fonds gesteckt, sei die Kauflaune nach einer Spitze im März mit 78 Milliarden Euro auf 48 Milliarden Euro im Oktober abgeflaut.

Die Rücknahmen wiederum hätten im Januar bei 65 Milliarden Euro rangiert, im April fast 88 Milliarden erreicht und seien auf zuletzt 60 Milliarden Euro zurückgegangen. "Die Branche schaut meist auf die Nettomittelflüsse", erläutere Chancellor. "Der Blick auf den Bruttoabsatz und die Rücknahmen offenbart jedoch ein umfassenderes Bild." (09.01.2023/fc/n/s)