ESMA-Studie: Inflation und Kosten nagen unerbittlich an Fondserträgen


20.01.23 12:15
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die Gebühren von Investmentfonds belasten nach wie vor die Erträge von Privatanlegern, berichten die Experten von "FONDS professionell".

Zusehends würden auch die steigenden Teuerungsraten die Einnahmen schmälern. Zu diesem Ergebnis komme die EU-Finanzmarktaufsicht ESMA in ihrer jährlichen Studie zu den Kosten von Finanzprodukten für Retailanleger. Demnach seien zwar die laufenden Kosten von Aktien-, Anleihen- sowie Mischfonds 2021 gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Doch dafür beginne die Inflation, die Einnahmen zu schmälern.

"Die Anleger sind mit einem Umfeld großer wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Inflation und relativ niedriger Marktperformance konfrontiert", lasse sich die ESMA-Vorsitzende Verena Ross in einer Mitteilung zitieren. "In diesem Zusammenhang geben die hohen Kosten bestimmter Anlageprodukte, insbesondere für Kleinanleger, Anlass zur Sorge über die tatsächlichen Anlageergebnisse." Die Auswertung der Behörde beziehe sich wohlgemerkt erst auf das Jahr 2021. Der große Teuerungsschub des Jahres 2022 sei in den Daten noch nicht erfasst.

So seien die Gebühren von Aktien-UCITS auf Jahressicht um acht Basispunkte auf im Schnitt 1,4 Prozent gesunken, bei Anleihen- und Mischfonds jeweils um fünf Basispunkte auf 0,91 beziehungsweise 1,45 Prozent. Habe sich die Inflation 2020 nur mit rund 1,5 Prozent bemerkbar gemacht, sei der Einfluss der Teuerung 2021 schon auf rund drei Prozent gesprungen.

"Nach mehr als einem Jahrzehnt niedriger Inflation hat der jüngste Anstieg des Preisniveaus begonnen, die Renditen der Anleger zu belasten", würden die ESMA-Analysten vorrechnen. "Zusätzlich zu den durchschnittlichen Fondsgebühren von 3.000 Euro, die für eine Anlage von 10.000 Euro über zehn Jahre gezahlt werden, verlieren die Anleger in der Regel 2.000 Euro aufgrund der Inflation, wodurch der Nettowert dieser Anlage auf 16.500 Euro sinkt."

Weiterhin bestätige die Analyse die Ergebnisse früherer Jahre, dass nachhaltige Fonds in der Regel günstiger seien als Vehikel, die keine ESG-Kriterien befolgen würden. Eine Ausnahme würden börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf Aktien darstellen. Hier seien die ESG-Varianten mit laufenden Kosten von im Schnitt 0,6 Prozent etwas teurer als nicht-nachhaltige ETFs mit 0,4 Prozent. Einen mitunter konstatierten Öko-Aufschlag für nachhaltige Investmentprodukte scheine es also nicht zu geben.

Gleichwohl passe die Preisentwicklung bei ESG-Fonds in das allgemeine Marktbild. Denn neu aufgelegte Fonds seien der ESMA wie auch anderen Branchenbeobachtern zufolge in den vergangenen Jahren günstiger als die am Markt bestehenden. Da nachhaltige Fonds tendenziell jünger seien, würden sie meist auch geringere Gebühren aufweisen. Obendrein hätten nachhaltige Fonds auf Sicht von drei Jahren überwiegend die nicht-nachhaltige Konkurrenz übertroffen. Zumindest hätten ESG-Aktien- und ESG-Mischfonds besser abgeschnitten. Lediglich nachhaltige Rentenfonds hätten hinter den nicht-nachhaltigen Pendants hinterhergehinkt. (20.01.2023/fc/n/s)