Erweiterte Funktionen

ESG-Präferenzen: So stufen die Asset Manager ihre Fonds ein - Fondsnews


02.08.22 14:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Ab sofort müssen Finanzberater ihre Kunden fragen, ob und wenn ja wie sie Nachhaltigkeitsaspekte bei der Geldanlage berücksichtigt wissen wollen, so die Experten von "FONDS professionell".

Doch gebe es überhaupt genügend Produkte, um diese Wünsche zu erfüllen? FONDS professionell ONLINE zeige die Ergebnisse einer ersten Morningstar-Erhebung.

Noch lägen für längst nicht alle Fonds die Angaben vor, die Banken und andere Finanzvertriebe benötigen würden, um einen Abgleich mit den Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden vorzunehmen. Zu diesem Ergebnis komme eine Studie des Datenanbieters Morningstar.

Das Analysehaus habe das neue European ESG Template (EET) für Tausende Fonds ausgewertet. Mit diesem freiwilligen Standarddokument würden die Asset Manager unter anderem Details ihrer ESG-Strategie offenlegen. Das sei die Grundlage dafür, dass Finanzberater ihrer neuen Pflicht nachkommen könnten, die Wünsche ihrer Kunden mit Blick auf Nachhaltigkeitsaspekte bei der Geldanlage zu berücksichtigen.

Die Analyse mit dem Stichtag 18. Juli 2022 stütze sich auf die Daten von 70.580 Anteilsklassen von Fonds, die in Europa vertrieben würden. Das entspreche Morningstar zufolge 43 Prozent des Gesamtmarktes. Die Anteilsklassen würden zu 10.316 Fonds gehören. 4.297 davon seien gemäß Artikel 8 der Offenlegungsverordnung (SFDR) eingestuft worden und würden in der Branche damit als "hellgrün" gelten, 556 würden unter den strengeren, "dunkelgrünen" Artikel 9 fallen.

Für 9.379 Fonds seien im EET die für die Nachhaltigkeitspräferenzabfrage relevanten Felder ausgefüllt worden. In 51,7 Prozent der Fälle handele es sich dabei um Artikel-8/9-Produkte. Über den Gesamtmarkt hinweg seien zuletzt nur 35,4 Prozent aller Fonds gemäß dieser beiden Artikel eingestuft worden. Das weise Morningstar zufolge darauf hin, dass die Anbieter ihre Artikel-8/9-Fonds bei der Erstellung der EETs mit Priorität behandelt hätten.

Der europäische Gesetzgeber führe drei Kategorien von Produkten ein, die für Anleger mit Nachhaltigkeitspräferenzen geeignet sein könnten. Sie könnten einen Mindestanteil an nachhaltigen Investitionen vorsehen - entweder gemäß der Umwelttaxonomie oder im Sinne der SFDR - oder "nachteilige Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren" (Principal Adverse Impacts, PAIs) berücksichtigen.

Der Morningstar-Analyse zufolge würden 43 Prozent der untersuchten Artikel-8/9-Produkte Angaben zur PAI-Berücksichtigung machen. 47 Prozent würden einen Mindestanteil nachhaltiger Investitionen im Sinne der SFDR angeben, 27 Prozent würden sich auf eine Mindestquote taxonomiekonformer Investments festlegen. Das bestätige die Erwartung, dass sich die Anbieter mit der Taxonomie-Quote am schwersten tun würden, schließlich seien erst Teile dieses EU-weiten Klassifizierungssystems fertig.

Auf den ersten Blick schüre das Ergebnis die Hoffnung, dass Anlageberater eine ausreichend große Auswahl hätten, um die ESG-Präferenzen ihrer Kunden erfüllen zu können. Allerdings heiße die Tatsache, dass eine Mindestquote nachhaltiger Investments angegeben worden sei, keinesfalls, dass diese sonderlich hoch liege. Jeder dritte Fonds, der einen SFDR-Mindestanteil angebe, beziffere diesen nämlich auf null Prozent. Bei weiteren 36 Prozent liege die Quote unter 20 Prozent, nur knapp ein Fünftel verpflichte sich zu einem Anteil über 40 Prozent. Das lasse das Universum möglicher Fonds, die für nachhaltig motivierte Anleger in Frage kommen würden, deutlich schrumpfen.

Betrachte man nur die Artikel-9-Produkte, sehe das Bild etwas grüner aus: Gut 60 Prozent dieser Fonds würden eine SFDR-Quote über 40 Prozent angeben. Bei 2,3 Prozent liege der Mindestanteil über 90 Prozent. Hier komme jedoch erschwerend hinzu, dass es keine einheitlichen Vorgaben gebe, wie diese Quote zu berechnen sei, was für Anlageberater eine echte Herausforderung sei.

Stelle man nun nicht auf die nachhaltigen Investments gemäß SFDR ab, sondern auf die Taxonomie, so schrumpfe die Zahl der Produkte weiter. Wie erwähnt würden nur 27 Prozent der Artikel-8/9-Fonds überhaupt einen Mindestanteil taxonomiekonformer Investments angeben. Von diesen wiederum würden 90 Prozent der Fonds diese Quote auf null beziffern. Acht Prozent würden sich auf einen Anteil zwischen null und zehn Prozent festlegen. Kein einziger wage eine Quote über 60 Prozent.

Morningstar verweise darauf, dass viele Anbieter ihre Taxonomiekonformität erst 2023 offenlegen würden, wenn die benötigten Daten seitens der Unternehmen vorlägen. Das Analysehaus betone außerdem, dass die EU-Wertpapieraufsicht ESMA die Asset Manager zu einem konservativen Umgang mit der Quote dränge. Die Aufseher würden es beispielsweise verbieten, mit Blick auf die Taxonomiekonformität mit Schätzungen zu arbeiten. (02.08.2022/fc/n/s)