Deka lenkt im Streit um "Impact-Rechner" ein - Fondsnews


19.04.21 12:00
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Die DekaBank hat im Streit um ihren "Impact-Rechner" Unterlassungsansprüche der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg "vollumfänglich anerkannt", wie die Konsumentenschützer aus Stuttgart mitteilen, so die Experten von "FONDS professionell".

Das Wertpapierhaus der Sparkassen habe mit dem umstrittenen Online-Tool auf die positiven Wirkungen ihres Publikumsfonds Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien aufmerksam machen wollen. Wer 10.000 Euro investiere, helfe dabei, 6,71 Tonnen Abfall einzusparen oder 42.837 Liter Wasser aufzubereiten - so hätten sich die Angaben interpretieren lassen. Die Verbraucherzentrale habe dies als irreführende Werbung gewertet und die Bank im Februar abgemahnt.

Da die Deka zunächst keine Unterlassungserklärung habe abgeben wollen, sei der Fall vor dem Landgericht Frankfurt gelandet - am 13. April sollte die Verhandlung stattfinden (Az 3-06 O 57/20). Doch dazu sei es nicht gekommen, denn die Bank habe doch noch eingelenkt. "Mit dem Anerkenntnis der Unterlassungsansprüche" sei der Rechtsstreit beendet, teile die Verbraucherzentrale mit.

Die Deka habe ihren "Impact-Rechner" schon im Februar vom Netz genommen und das Gespräch mit der Verbraucherzentrale gesucht, um eine für alle Seiten genehme Gestaltung des Online-Tools auszuarbeiten. Doch die Verbraucherschützer hätten dieses Angebot abgelehnt und auf einer gerichtlichen Klärung bestanden.

Dass die Deka nun die Unterlassungsansprüche anerkannt habe, erkläre sie auf Anfrage des "Handelsblatts" wie folgt: "Auch wenn wir unsere rechtlichen Erfolgsaussichten als gut ansahen, hatten wir kein Interesse, bei einem gesellschaftlich so wichtigen Thema ein gerichtliches Verfahren über mehrere Instanzen zu führen."

Dabei hätte ein Urteil der Branche Orientierung geben können. "Wenn es schon zu einem Rechtsstreit kommt, wäre ein Urteil hilfreich gewesen", sage Roland Kölsch vom FNG-Siegel auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE. "Nun herrscht weiterhin Rechtsunklarheit, wie weit Fondsanbieter bei der Werbung für nachhaltige Anlageprodukte gehen dürfen."

Die Verbraucherzentrale habe in ihrer Klage beanstandet, dass die mit vielen konkreten Zahlen dargestellten Nachhaltigkeitswirkung nur auf Schätzungen beruht habe, was erst auf einer Unterseite erläutert worden sei. Doch das Problem reiche tiefer. Die Konsumentenschützer würden es generell schwierig finden, mit dem "Impact" einer Geldanlage zu werben.

"Wenn in ein Unternehmen investiert wird, das beispielsweise im Verhältnis zu anderen Unternehmen weniger Müll produziert, kann noch keine Rede davon sein, dass diese Differenz dann eingesparter Müll sei", sage Niels Nauhauser, der zuständige Abteilungsleiter der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Erst recht wird diese Einsparung nicht durch den Kauf der Aktien des Unternehmens verursacht".

Eine positive Wirkung lasse sich bei Investitionen in Aktien oder Fonds allenfalls dann erzielen, wenn der daraus resultierende Einfluss als Anteilseigner geltend gemacht werde, um das Unternehmen zum Beispiel zu einer besseren Ökobilanz zu drängen. Dieses Wirkungsversprechen könnten die gängigen, als nachhaltig beworbenen Anlagen jedoch nicht einlösen, so die Verbraucherzentrale.

Stattdessen würden meist verschiedene Unternehmen anhand von Nachhaltigkeitskriterien selektiert. "So mag den Produzenten von Windenergieanlagen zwar eine hohe nachhaltige Wirkung zuzuschreiben sein. Wer deren Aktien kauft, hat allerdings auf die direkte Nachfrage und Produktion von Windenergieanlagen keinen Einfluss." (19.04.2021/fc/n/s)