Biotech-Fondsmanager: "Versuchen Sie das lieber nicht zu Hause" - Fondsnews


08.12.23 13:34
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Andy Acker, Fondsmanager bei Janus Henderson, hat mit Biotech und Gesundheit in den vergangenen Jahren die Vergleichsindices outperformt, so die Experten von "FONDS professionell".

Das sei nicht einfach - viele Biotechnologie-Fonds würden scheitern. Warum das so sei und was Anleger beachten müssten, erkläre Acker im Interview.

Der US-Amerikaner Andy Acker sei seit 2007 für den auf Gesundheit spezialisierten Global Life Sciences Fund von Janus Henderson verantwortlich sowie für den Ende 2018 aufgelegten Horizon Biotechnology Fund und für eine Biotech-Hedgefonds-Strategie. Dabei habe er eine gute Hand bewiesen: Unter seiner Leitung habe der Life Sciences Fund im Durchschnitt jedes Jahr um 500 Basispunkte besser als der MSCI World performt. Und die junge Biotech-Strategie habe in ihrem fünfjährigen Bestehen jährlich fast 17 Prozent Rendite geliefert, während es im NASDAQ-Biotech-Index 5,7 Prozent gewesen seien.

Biotech und Gesundheit würden für Investoren als extrem anspruchsvoll gelten: Neue Therapien würden zwar Milliardengewinne versprechen, in der Realität hätten solche Investments in den vergangenen Jahren aber oft mit Milliardenverlusten geendet - viele Biotech-Fonds würden überhaupt scheitern. Anleger müssten verstehen, "dass Gesundheit und Biotechnologie die am wenigsten effizienten Sektoren am gesamten Markt sind", habe Acker in einem Interview gesagt. In keinem anderen Investmentbereich seien die Renditeunterschiede zwischen Gewinnern und Verlierern so hoch, und nirgendwo sonst sei es so wichtig, die Verlierer zu vermeiden, die bei Publikation negativer Studien oft innerhalb eines Tages einen Großteil ihres Wertes einbüßen könnten.

Der Grund warum so viele Biotech-Investments scheitern würden, liege darin, dass Investoren die klinischen und ökonomischen Risiken bei der Entwicklung von Arzneimitteln nicht verstünden. "90 Prozent der Medikamente, die in die Humanstudien gehen, schaffen es nicht auf den Markt", so Acker. "Wir sagen immer: 'Versuchen Sie das lieber nicht zu Hause!'."

Das Portfoliomanagement von Janus Henderson bestehe aus einem Team von Ärzten und Wissenschaftlern, die "bis hinunter zur molekularen Ebene" verstünden, wie die in Entwicklung stehenden Medikamente funktionieren würden. Gleichzeitig lege man einen Fokus auf Medikamente, deren Entwicklung bereits fortgeschrittener sei (Phase-III-Zulassungsstudien). In diesen Stadien liege die Erfolgschance nicht mehr bei nur eins zu zehn, sondern bei rund 50 Prozent. Und unter diesen wiederum könne ein erfahrenes Team jene herauskristallisieren, die eine erhöhte Erfolgswahrscheinlichkeit von vielleicht 70 bis 80 Prozent hätten. "Wenn wir in 70 Prozent der Fälle richtigliegen statt nur zu 50 Prozent, können wir dauerhaft Mehrwert schaffen", so Acker. Sein Team gehe zu einem kleinen Teil auch in Unternehmen, die noch nicht an der Börse seien, und sei zum Beispiel früh in den Covid-19-Impfstoffhersteller Biontech investiert gewesen, als die Pandemie noch kein Thema gewesen sei.

Auf Einschätzungen des Marktes, ob ein Medikament erfolgreich werde oder nicht, dürfe man nicht vertrauen, warne Acker. Er und Co-Portfoliomanager Dan Lyons hätten im Laufe ihrer Tätigkeit errechnet, dass die Wall-Street-Schätzungen zum kommerziellen Erfolg zu 90 Prozent falsch seien - entweder übertrieben hoch oder viel zu niedrig. Acker und Lyons würden zum Beispiel Medikamente bevorzugen, die von Medizinern, Patienten und Geldgebern unterstützt würden. Habe nur eine dieser Gruppen Bedenken, sei der Launch oft enttäuschend. "An diesem Punkt entscheidet sich, ob eine Arznei Milliardengewinne bringt oder das Unternehmen sogar pleitegehen könnte", so Acker.

2023 dürfte hinsichtlich der neu zugelassenen Therapien ein Rekordjahr mit bis zu 80 bewilligten Medikamenten in den USA werden. Die Chancen für Anleger seien momentan hoch: Im Jahr 2000 habe es nur zwei Biotech-Blockbuster mit insgesamt fünf Milliarden US-Dollar Umsatz gegeben. Vergangenes Jahr seien es 117 gewesen, die gemeinsam über 465 Milliarden Dollar eingespielt hätten. (News vom 07.12.2023) (08.12.2023/fc/n/s)