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Ein widerstandsfähiges Jahr für europäische ETFs


13.01.23 09:28
State Street Global Advisors

Boston (www.fondscheck.de) - ETFs verzeichneten im Jahr 2022 Nettozuflüsse in Höhe von mehr als 88 Milliarden US-Dollar, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen "SPDR Strategie Espresso".

Trotz des herausfordernden Hintergrunds von erhöhter Inflation, geldpolitischer Straffung und Krieg in der Ukraine hätten Aktien-ETFs 59 Milliarden US-Dollar zugelegt. Obwohl die Renditen an allen Märkten gestiegen seien, hätten festverzinsliche ETFs 32 Milliarden US-Dollar angezogen, was auch auf die risikoarme Investitionsstimmung und die Tatsache zurückzuführen sei, dass Anleger die neue Renditealternative zu Aktien in Betracht gezogen hätten. Unterdessen hätten Rohstoffe Nettoabflüsse in Höhe von 4,8 Mrd. USD verzeichnet, die vor allem durch Abflüsse aus breit gefächerten Rohstoffpositionen (-3,2 Mrd. USD) und Edelmetallen (-1,0 Mrd. USD) verursacht worden seien.

Die Entwicklung der Zuflüsse in börsengehandelte Fonds habe die Wertentwicklung und die Marktstimmung während des gesamten Jahres widergespiegelt, wobei die Inflation als dominierende Kraft die Märkte angetrieben habe. Der Anstieg der Inflation auf ein 40-Jahres-Hoch habe die US-Notenbank (FED) zu einem energischen Schritt und einer viermaligen Anhebung des Leitzinses um 75 Basispunkte zwischen Juni und November letzten Jahres veranlasst. Vor 2022 habe es seit 1994 keine einzige Anhebung um 75 Basispunkte gegeben.

Nach einem starken Januar 2022 und gedämpften, aber immer noch positiven Zuflüssen in den Folgemonaten hätten europäische ETFs im Juli Nettoabflüsse in Höhe von vier Milliarden US-Dollar verzeichnet. Zu diesem Zeitpunkt habe die US-Notenbank zum zweiten Mal in Folge den Leitzins um 75 Basispunkte angehoben, was die Anleiherenditen in die Höhe getrieben und die Aktien in eine Baisse geschickt habe, die sich fast bis zum Jahresende fortgesetzt habe. Insgesamt sei es im dritten Quartal zu Nettoabflüssen bei den in Europa domizilierten börsengehandelten Fonds gekommen, insbesondere bei Aktien- und Rohstoffanlagen. Nach der unerwartet niedrigen US-Verbraucherpreisinflation am 10. November seien die Anleger jedoch sowohl in Aktien als auch in festverzinsliche Anlagen zurückgekehrt und hätten 9,2 Mrd. USD bzw. 8,2 Mrd. USD eingesammelt, um das Jahr mit einer positiveren Note zu beenden.

Globale Engagements hätten die Aktienströme im Jahr 2022 dominiert und 36 Milliarden US-Dollar gesammelt - oder mehr als 50 Prozent aller Aktienströme. Auch in die USA und die Schwellenländer seien netto 18 Mrd. bzw. 12 Mrd. US-Dollar geflossen. Anleger hätten sich von europäischen Aktien abgewandt, die im vergangenen Jahr 7,7 Mrd. US-Dollar verloren hätten. Die Region sei durch den Krieg in der Ukraine, die hohe Inflation und eine stärkere geldpolitische Straffung als ursprünglich erwartet stark beeinträchtigt worden.

Mit Ausnahme des Energiesektors hätten alle Sektoren im vergangenen Jahr eine negative Performance aufgewiesen. In diesem Zusammenhang hätten Anleger defensive Sektoren wie das Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter bevorzugt, die im vergangenen Jahr 1,8 Mrd. US-Dollar bzw. 1,4 Mrd. US-Dollar eingenommen hätten. Die stärksten Abflüsse hätten im vergangenen Jahr die Finanzwerte verzeichnet, die insgesamt 3,6 Mrd. US-Dollar verloren hätten.

Inmitten des risikoarmen Umfelds hätten sowohl Staatsanleihen als auch Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating Nettomittelzuflüsse verzeichnet, die sich im Jahr 2022 auf fast 17 Milliarden bzw. 15 Milliarden US-Dollar belaufen hätten. Anleger hätten sich weiterhin vorsichtig verhalten und Engagements mit höherer Qualität wie US- und Euro-Treasuries sowie Investment-Grade-Unternehmensfonds bevorzugt.

US-Treasuries seien im Jahr 2022 mit Zuflüssen von mehr als 15 Mrd. US-Dollar die am stärksten nachgefragte Strategie für festverzinsliche Wertpapiere gewesen. In Anbetracht der hohen Zinsvolatilität schienen die Anleger die Risiken unter Unsicherheit gerne zu tragen, so die Experten von State Street Global Advisors.

Auf der anderen Seite sei es zu Nettoverkäufen von Schwellenländeranleihen gekommen, vor allem durch Abflüsse aus China-Anleihe-ETFs, die fast die gesamten Zuflüsse des Jahres 2021 in Höhe von 10 Mrd. US-Dollar zunichtegemacht hätten. Die Lockerung der COVID-Beschränkungen sowie Maßnahmen zur Stabilisierung des Immobiliensektors hätten zu einem positiveren Ausblick für die chinesische Wirtschaft und möglicherweise zu einem allmählichen Stimmungsumschwung der Anleger gegenüber chinesischen Vermögenswerten geführt. Da sich die Inflationserwartungen wieder dem langfristigen Durchschnitt angenähert hätten und die 10-Jahres-Breakeven-Inflation zwischen zwei Prozent und 2,5 Prozent gelegen habe, hätten inflationsgeschützte Engagements Nettoabflüsse in Höhe von 5,2 Mrd. US-Dollar verzeichnet, da Anleger für die meiste Zeit des Jahres eine Inflationswende in der zweiten Jahreshälfte 2022 und 2023 erwartet hätten. (Ausgabe vom 12.01.2023) (13.01.2023/fc/a/e)