Wellington: "Wir werden gezielt die großen Maklerpools ansprechen"


19.09.22 13:30
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Marco Näder, Head of Fund Buyer Business bei Wellington Asset Management, im Gespräch mit "FONDS professionell ONLINE" über die Pläne der Fondsgesellschaft auf dem deutschen Wholesale-Markt, neue Zielgruppen und die Frage, mit welchen Produkten sie dort punkten möchte:

Wellington Asset Management sei eine der ältesten Fondsgesellschaften der Welt. Sie sei 1933 gegründet worden, die Wurzeln würden aber noch weiter zurückreichen. Wellington-Gründer Walter Morgan habe bereits 1928 den "Industrial and Power Securities Co." gestartet, den ältesten Investmentfonds der Welt, der 1935 in Wellington Fund umbenannt worden sei. Die Firma sei seit Ende der 1990er Jahre auch in Deutschland präsent, seit 2011 unterhalte sie ein Büro in Frankfurt. Bislang hätten institutionelle Anleger im Fokus gestanden, nun möchte der Asset Manager auch im Retailbereich durchstarten. Wie das gelingen solle, erläutere Marco Näder, Head of Fund Buyer Business Wellington Deutschland, im Gespräch mit "FONDS professionell ONLINE".

Herr Näder, vor ein paar Wochen kam die Meldung, dass Wellington seine Bürofläche in Frankfurt verdoppelt hat. Offenbar war es zuletzt etwas beengt gewesen. Wie groß ist das deutsche Team denn nun?

Marco Näder: Stimmt, wir sind ein Stockwerk nach oben gezogen, um endlich mehr Platz zu haben - das haben wir auch gebührend mit einem Investmentforum gefeiert. Wir sind in Frankfurt mittlerweile ein 15 Kollegen starkes Sales- und Marketing-Team - ohne Compliance- oder andere Bereiche. Davon konzentrieren sich neun Kollegen auf institutionelle Anleger und sechs auf Wohlesale-Kunden, das gesamte Wellington-Deutschland-Team wird Ende des Jahres 25 Mann stark sein.

Der Wholesale-Bereich heißt bei Wellington übrigens Global Wealth Management und wurde hierzulande in den vergangenen sieben Jahren von Christian Betzel aufgebaut. Im April vergangenen Jahres bin ich selber nach 15 Jahren bei Fidelity zu Wellington gewechselt, um das deutsche Wholesale-Geschäft strategisch auszubauen. Zudem werden wir von zwei Relationship-Analysts unterstützt sowie einer Kollegin, die sich im Hintergrund um die Verträge und alle organisatorischen Belange kümmert.

Wenn Sie von Wholesale reden, welche Kundengruppen sprechen Sie genau an?

Näder: Im Fokus stehen einerseits Dachfondsmanager und Vermögensverwalter sowie andererseits Distributions-Banken, Privatbanken und die Private-Banking-Bereiche der Sparkassen und Volksbanken. Wir sprechen zudem auch gezielt die großen Maklerpools an, was unsere konsequente Ausdehnung der Kundensegmente widerspiegelt.

Das hört sich durchaus nach einer Vertriebsoffensive an.

Näder: Wir möchten wachsen und versuchen daher, den Rückenwind, den wir bei institutionellen Investoren haben, auch im Geschäft mit Privatanlegern zu nutzen. Das Ziel von Wellington ist es aber nicht, eine echte Retailmarke zu werden. Wir werden im Marketing zwar etwas lauter, aber sicher nicht wie andere Asset Manager eine Marke für Privatanleger aufbauen und dafür unzählige Euro ins Marketing stecken. Die Gesellschaft kommt aus dem institutionellen Bereich, was grundsätzlich auch so bleiben soll. Daher suchen wir gezielt Partner im Wholsesale-Bereich, die von der Qualität unserer Produkte überzeugt sind.

Wie viele Wellington-Fonds sind in Deutschland denn für Privatanleger zugänglich?

Näder: Wir haben circa 70 UCITS-Fonds plus alternative Anlagelösungen im Angebot. Es werden immer wieder Fonds frühzeitig geschlossen, was seinen Grund in der Struktur Wellingtons hat.

Das müssen Sie genauer erklären…

Näder: Wellington ist im Besitz von im Moment 192 Partnern, die eine gemeinschaftliche "Partnerkultur" leben. Das spiegelt sich auch auf Ebene der Fonds und deren Vertrieb wider. Ich beschreibe Wellington immer als eine der größten Boutiquen der Welt. Die leitenden Fondsmanager, die meist auch an der Firma beteiligt sind, entscheiden mit ihren Kollegen ähnlich wie Investmentboutiquen selbstständig nicht nur über die Anlagestrategie, sondern auch darüber, wie diese an die Kunden vermarktet wird. Daher kann es immer wieder passieren, dass ein Portfolio zeitweilig oder sogar ganz geschlossen wird, um die Chance auf Alpha für Anleger zu bewahren. Das ist bei Asset Managern, die stärker vom Vertrieb gesteuert werden, anders.

Sie haben aber dennoch eine ausreichend große Zahl an Produkten zur Auswahl. Treten Sie mit der gesamten Palette an oder suchen Sie sich bestimmte Fokus-Themen aus?

Näder: Wir könnten tatsächlich als "Vollsortimenter" auftreten, tun das aber nicht. Vielmehr analysieren wir, welche Produkte gut ins Finanzmarkt- oder regulatorische Umfeld passen, mit denen wir uns zudem vom Markt differenzieren können. Mit einem Fonds auf europäische Aktien muss ich Banken nicht kommen, da existieren schon genug Angebote.

Das stimmt. Aber mit welchen Produkten soll diese Differenzierung gelingen?

Näder: Im Rentenbereich bieten wir beispielsweise den Wellington Euro High Yield Bond Fund, der von Konstantin Leidman gemanagt wird. Wir nutzen das Produkt, um generell auf das Thema Hochzinsanleihen aufmerksam zu machen. Dann haben wir den Bereich Alternatives, wo wir unter anderem an das Klimathema mit einer marktneutralen Aktienstrategie herangehen.

Darf ich einhaken? Wie sieht diese marktneutrale Strategie aus?

Näder: Wir suchen bestimmte Unternehmen aus, die im Bereich Klimaschutz tätig sind. Bei denen, von denen wir überzeugt sind, gehen wir long. Diejenigen, bei denen uns diese Überzeugung fehlt, shorten wir. Wir managen aber auch einen Long-only-Klimafonds, der bei uns ebenfalls im Fokus steht. Ferner haben wir unsere "Stewardship-Familie".

Mit welchen "Familienmitgliedern"?

Näder: Das sind Aktienfonds wie der rund 200 Millionen Euro schwere Global Stewards und der erst kürzlich lancierte European Stewards, die sogenannte ESG-Leader-Konzepte umsetzen, also auf die Vorreiter in punkto Nachhaltigkeit aus verschiedenen Branchen setzen. Und last but not least haben wir den Enduring Assets Fund, der auf das Thema Dekarbonisierung in der Energiegewinnung setzt und in Branchen wie Transport, Versorger, Infrastruktur oder Energieerzeugung investiert.

Firmen in diesem Bereich sind aber nicht unbedingt nachhaltig unterwegs…

Näder: Richtig, hier können wir aber helfen, dass sich das ändert - also einen "Impact" generieren. Nehmen Sie die Kohle- oder nuklearbezogene Energiewirtschaft. Wir sind der Meinung, dass diese Unternehmen ihre Geschäftsmodelle radikal ändern müssen. Hier möchten wir unsere Kraft als Kapitalgeber nutzen, um echte Verbesserungen durch Voting und Engagement zu bewirken.

Wir danken für das Gespräch. (Ausgabe vom 16.09.2022) (19.09.2022/fc/a/f)






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