Swisscanto (LU) Equity Fund Sustainable: Klimaschutz - Zeitenwende in den USA


15.09.22 12:30
Swisscanto Invest

Zürich (www.fondscheck.de) - Im Rahmen des "Inflation Reduction Act" stecken die USA in der nächsten Dekade rund 370 Milliarden USD in den Klimaschutz, so Gerhard Wagner, Portfolio Manager des Swisscanto (LU) Equity Fund Sustainable.

Das Ziel bis 2030: Reduktion der CO2-Emissionen um 40 Prozent gegenüber 2005. Dabei würden die USA auf Steueranreize setzen. Gerhard Wagner habe gesagt: "Der "Inflation Reduction Act" ist ein umfangreiches Paket, bei dem - aus unserer Sicht - drei Aspekte hervorzuheben sind. Erstens wirkt die Förderung des Klimaschutzes via sinkender Preise für erneuerbare Energieträger mittelfristig deflationär. Das ist zumindest die Sichtweise der US-Demokraten. Zweitens setzen die USA beim Klimaschutz vor allem auf finanzielle Anreize, zum Beispiel in Form von Steuergutschriften. Europa indes forciert das Marktinstrument der CO2-Bepreisung. Und drittens wird grüner Wasserstoff in den USA aufgrund sehr großzügiger Förderung aller Voraussicht nach günstiger sein als der so genannte blaue oder graue Wasserstoff."

US-Präsident Joe Biden habe im August 2022 seine Unterschrift unter den "Inflation Reduction Act" gesetzt und damit das größte Klimaschutzpaket in der Geschichte der USA auf den Weg gebracht. Gemäß Prognoserechnungen könnten die CO2-Emissionen der USA bis zum Jahr 2030 nun um 40 Prozent gegenüber 2005 gesenkt werden. Ohne dieses Programm wären die CO2-Emissionen aufgrund der bisher bestehenden Klimaschutzbemühungen nur um 25 bis 30 Prozent gesunken. "Dieses Klimaschutzprogramm ist für Joe Biden und die Umwelt somit definitiv ein Erfolg, auch wenn das ursprüngliche Ziel der Biden-Administration, die CO2-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu senken, deutlich verfehlt wird", so Wagner.

Um das US-Klimaschutzprogramm international einzuordnen, helfe ein Vergleich mit den Klima-Bestrebungen der Europäischen Union (EU). Der europäische "Green Deal" ist bei der Senkung der CO2-Emissionen ambitionierter. Die EU habe sich verpflichtet, bis 2030 die CO2- Emissionen gegenüber 1990 um 55 Prozent zu senken. Vor dem Hintergrund der Diskussionen um die so genannte Greenflation, das heiße steigende Energiepreise durch grüne Umwelttechnologien, sei es bemerkenswert, dass die US-Demokraten davon ausgehen würden, dass sich durch Klimaschutz mittelfristig die Inflation beschränken lasse.

Dies scheine auf den ersten Blick merkwürdig, weil der "Inflation Reduction Act" den Ausbau der erneuerbaren Energien mithilfe von Steueranreizen beschleunigen wolle. Wie solle die Inflation mit dem Einsatz von Technologien bekämpft werden, die selbst noch subventioniert werden müssten? Die Antwort laute: Die operativen Kosten der erneuerbaren Energien seien deutlich tiefer als bei fossilen Energieträgern. Dies senke die Gesamtkosten, sobald die Anfangsinvestitionen zum größten Teil abgeschrieben seien. Ob die Inflation jedoch mit diesen Maßnahmen insgesamt reduziert werden könne, werde sich noch zeigen müssen.

Bemerkenswert sei ebenfalls, wie die USA das Klimaschutzziel würden erreichen wollen, nämlich durch Steuergutschriften und Zuschüsse, die wirtschaftlich generell als ineffizient gelten würden. Dagegen gelte der Emissionshandel nach Ansicht der meisten Klima-Ökonomen als das marktfreundlichste Instrument, um Klimaschutz zu erreichen. Darüber hinaus könne beim Emissionshandel ein gesetztes Emissionsziel - zumindest in Theorie - zuverlässig erreicht werden, da die erlaubten CO2-Emissionen vorgegeben würden und der dafür notwendige CO2-Preis aus den sogenannten Vermeidungskosten folge und durch den Markt verhandelt werde.

Der CO2-Preis "sorge" so dafür, dass sich die kosteneffizientesten Umwelttechnologien zuerst durchsetzen würden, die teureren später. Dahinter stecke die Überzeugung, dass der freie Markt die verfügbaren Umwelttechnologien bei einem gegebenen CO2-Preis kosteneffizienter bereitstelle als der Staat. Warum hätten die USA dann nicht ähnlich wie die Europäische Union auf den kosteneffizienten CO2-Emissionshandel gesetzt?

"Nach unserer Einschätzung arbeiten die USA gezielt mit Steuergutschriften, da sie das Ziel verfolgen, bei Schlüsselindustrien im Umweltbereich nicht vom großen Rivalen China abhängig zu sein. Heute wird vor allem der Großteil aller Solarzellen und Batterien für Elektrofahrzeuge in China produziert. Die USA möchten in diesen Zukunftsindustrien unabhängig von China werden. Deswegen gibt es nun großzügige Steuergutschriften, wenn die Wertschöpfung in den USA stattfindet. Protektionismus der heimischen Industrie ist mit Steuergutschriften leichter zu bewerkstelligen als mit dem CO2-Emissionshandel, der grundsätzlich auf freiem Handel beruht", meine Wagner.

Abschließend habe Wagner gesagt: "Steuergutschriften durch den Staat sind zum Teil ineffizient und führen dazu, dass einzelne Technologien großzügiger gefördert werden als andere. Dies wird sich unmittelbar auf die Profitabilität einzelner Unternehmen auswirken. Für Investoreninnen und Investoren offenbart sich hier eine Opportunität. Unter dem Strich lässt sich sicherlich sagen, dass für Unternehmen mit grünen Technologien und Wertschöpfungsketten in den USA durch den "Inflation Reduction Act" ein sehr günstiges Umfeld geschaffen wurde. Unternehmensbeispiele sind der US-amerikanische Solarmodul-Hersteller First Solar, der Brennstoffzellen-Hersteller Plug Power und Albermarle, einer der wichtigsten Hersteller von Lithium-Carbonat und -Hydroxid." (15.09.2022/fc/a/f)





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