Rohstoff-ETCs: "Gold-ETCs bei Zinssenkungen wieder gefragter"


02.02.24 11:07
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Gold bleibt gefragt, Gold-ETCs allerding nicht, so die Deutsche Börse AG.

Schon 2023 sei von Abflüssen aus Gold-ETCs geprägt gewesen, wie diese Woche auch die Branchenorganisation World Gold Council berichtet habe. Dieser Trend habe sich in den ersten Wochen des neuen Jahres fortgesetzt. Mobeen Tahir vom Emittenten WisdomTree melde deutliche Abflüsse aus Gold-ETCs für die vergangenen vier Wochen.

Auch Rohstoffanalystin Barbara Lambrecht von der Commerzbank verweise auf die anhaltenden Gold-ETC-Verkäufe. Sie erwarte aber, dass sich das bald ändern werde: "Wir gehen davon aus, dass die Stimmung im weiteren Jahresverlauf drehen wird und institutionelle Investoren ihre Positionen wieder ausbauen werden, sobald die Zinssenkungen in greifbare Nähe rücken", erkläre sie.

Der Goldpreis sei im Januar leicht zurückgegangen und habe am Donnerstagmittag bei 2.041 US-Dollar die Feinunze gelegen, Ende 2023 seien es 2.065 US-Dollar gewesen. Kurz vor Jahresende sei ein neues Allzeithoch von 2.086,48 US-Dollar erreicht worden.

Im Gesamtjahr 2023 sei die Goldnachfrage gegenüber 2022 um 5 Prozent auf 4.448 Tonnen zurückgegangen, wie die Branchenorganisation World Gold Council am Mittwoch in ihrem Jahresbericht bekannt gegeben habe. Fortgesetzt habe sich die Kaufserie der Zentralbanken, sie habe mit 1.037 Tonnen den zweithöchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Dagegen hätten bei ETCs Abflüsse überwogen, vor allem in Europa. Zudem sei die Nachfrage nach Barren und Münzen zurückgegangen. Der weltweite Schmuckmarkt habe sich hingegen als bemerkenswert widerstandsfähig erwiesen.

Viel gehandelt werde weiterhin Xetra-Gold, ebenso Gold-ETCs von Xtrackers (ISIN DE000A2T5DZ1 / WKN A2T5DZ; ISIN DE000A1EK0G3 / WKN A1EK0G), Invesco und iShares. Viel um gehe aber auch in Silberpreis-Trackern wie dem WisdomTree Physical Silver. Der Bestand an Xetra-Gold sei weiter leicht zurückgegangen und liege aktuell bei 190 Tonnen, Ende 2023 seien es 199 Tonnen gewesen, Ende 2022 noch 231 Tonnen.

Mehr Bewegung gebe es aktuell im Ölpreis. Das Barrel der Nordseesorte Brent koste momentan 81 US-Dollar, im Tief Mitte Dezember seien es noch 73 US-Dollar gewesen. "Die Luftangriffe der USA und des Vereinigten Königreichs auf Ziele der Huthi im Jemen haben die Befürchtung geweckt, dass eine Eskalation des Konflikts den Ölfluss über wichtige Engpässe im Handel weiter beeinträchtigen könnte", bemerke Tahir.

Auch Lambrecht verweise auf die Lage im Nahen Osten: "Derzeit sind es vor allem die geopolitischen Risiken, welche den Preis unterstützen." Auf der Nachfrageseite sei das Bild hingegen gemischt. Die Wirtschaft in Europa bereite weiterhin Sorgen, positiv sei allerdings die deutliche Absenkung des Mindestreservesatzes in China. Die Bank gehe daher davon aus, dass der Ölpreis auf aktuellem Niveau verharren werde - außer die Lage im Roten Meer spitze sich weiter zu.

Auch Energie-ETCs hätten laut WisdomTree in den vergangenen vier Wochen auf den Verkaufslisten gestanden, wenn auch nicht im großen Stil. Hohe Umsätze würden immer wieder der WisdomTree Brent Crude Oil und der WisdomTree WTI Crude Oil aufweisen, aber auch Short- und gehebelte Produkte wie der WisdomTree Brent Crude Oil 3x Daily Short und der WisdomTree WTI Crude Oil 1x Daily Short.

Die Industriemetallpreise seien in diesem Jahr zuerst gesunken, dann sei es wieder aufwärts gegangen. "Die Hoffnung auf eine schnellere Belebung von Chinas Wirtschaft hat die Preise deutlich steigen lassen", stelle Lambrecht fest. Die Anfälligkeit für neue Rückschläge sei aber wohl noch groß. "Die Industriemetallpreise dürften vor dem Hintergrund der fragilen Konjunktur im ersten Quartal unter stärkeren Schwankungen seitwärts tendieren." Im ETC-Handel würden Industriemetalle keine große Rolle spielen, nennenswerte Umsätze würden allenfalls der WisdomTree Industrial Metals und der WisdomTree Copper aufweisen. (Ausgabe vom 01.02.2024) (02.02.2024/fc/a/e)