HANSAgold und HANSAwerte-Fonds: Gold im Klammergriff des US-Dollar


01.06.22 11:00
SIGNAL IDUNA AM

Hamburg (www.fondscheck.de) - Das Jahr 2022 hat bislang reichlich Impulse bereitgehalten, sich mit Edelmetallen, allen voran den klassischen Krisenmetallen Gold und Silber, einzudecken - leider, so Nico Baumbach, der im Fonds- und Portfoliomanagement der SIGNAL IDUNA Asset Management tätig ist und unter anderem den Goldfonds HANSAgold und den Edelmetall-Mischfonds HANSAwerte verantwortet.

Der Überfall Russlands auf die Ukraine sei sicherlich am präsentesten. Doch dieser Krieg verstärke auch andere Effekte: Die reduzierten Getreide- und Energieexporte würden die Preise an den Märkten treiben und mittelbar zu Knappheit in den ärmsten Ländern dieser Welt führen, zuvorderst in Afrika. Die zusätzlich aufkommende Not werde bestehende Migrationsbewegungen verstärken. Die Versuche westlicher Regierungen, ihrer Wahlbevölkerung durch Steuersenkungen und Subventionen eine Absenkung des Lebensstandards zu ersparen, die mit der flächigen Inflation einhergehe, würden scheitern. Sie würden aber die Staatsverschuldung steigern und der grassierenden Inflation keinen Einhalt bieten.

Dass Gold in den ersten Monaten dieses Jahres dennoch keine neuen Rekordhochs erklommen habe und aktuell nur leicht höher als zu Jahresbeginn stehe, hänge an der begonnenen Zinswende in den USA. Denn während Gold für viele Privatanleger - ob nun in Europa, Asien oder den USA - ein nahezu konkurrenzloses Krisenmetall bleibe, sei es für viele Großanleger lediglich eine Möglichkeit unter vielen; wenngleich Gold als diversifizierender Portfoliobaustein auch unabhängig von aktuellen Krisen seinen Wert habe.

In den zurückliegenden zinsfreien oder gar durch negative Zinsen gekennzeichneten Jahren sei Gold für diese Großanleger gleichwohl ein Hafen gewesen, der hinsichtlich seiner fehlenden regelmäßigen Erträge nicht schlechter, teilweise sogar besser dagestanden habe als die Rentenmärkte für Euro- und US-Dollar-Titel. Das habe sich radikal geändert: Wo noch vor einigen Monaten ein Billionen-Volumen verzinslicher Wertpapiere im negativen Bereich notiert habe, bekämen Anleger für 10-jährige US-Treasuries wieder über 2,5 Prozent und für Bundesanleihen nahezu 1 Prozent. Auch im 2-jährigen Bereich lägen die Zinsen wieder im Plus.

Plötzlich müsse das Halten von Gold wieder mit dem Verzicht auf Zinsen bezahlt werden. In der Abwägung mit den eingangs beschriebenen Risiken scheinen einige Anleger dazu nicht mehr bereit, so Nico Baumbach von SIGNAL IDUNA Asset Management. Dies gelte umso mehr, als man sich auch an Angst gewöhnen könne. Insofern verbreite ein drei Monate währender Krieg nicht mehr dieselbe Unruhe wie ein drei Tage alter Krieg. Das sei für die menschliche Psyche normal und für die eigene Funktionsfähigkeit eine positive Eigenschaft. Aber es reduziere die akute Nachfrage nach Rettungsankern wie Gold.

Erschwerend komme hinzu, dass der US-Dollar in den vergangenen Wochen massiv gewonnen habe. Denn während die FED die Zinswende nicht nur angekündigt, sondern in Form von Leitzinsanhebungen auch geliefert habe, würden sich EZB-Vertreter noch auf die rein verbale Schiene beschränken. Im Ergebnis sei der US-Dollar die attraktivere Anlagewährung. Für einen in Euro rechnenden Anleger sollte allerdings weniger der offizielle, in US-Dollar angegebene Preis der Feinunze relevant sein, sondern der in Euro umgerechnete. Dieser notiere seit Jahresbeginn deutlich im Plus - weil eben der Anstieg des US-Dollar das Gold zusätzlich verteuert habe.

Anleger sollten so oder so Gold - und in seinem Schlepptau das Silber - nicht zu früh abschreiben. Ein Blick zurück, beispielsweise in die 70er Jahre, zeige, dass in Phasen steigender Preise bei zugleich schrumpfender Wirtschaft die beiden Metalle - neben fossilen Energieträgern - zu den Gewinnern gezählt hätten. Und eben eine solche Phase würden viele Ökonomen für die nahe Zukunft voraussagen. Dass die USA einen Exportstopp für das heimische Erdöl zu diskutieren beginnen würden, passe - leider - genau in dieses Bild, das sich privat niemand wünschen werde, das aber eben dafür spreche, sich weiterhin breit aufzustellen. Denn dass die neuen Renditeniveaus dies- und jenseits des Atlantiks ausreichen sollten, um Anlegern eine positiven Realverzinsung zu sichern, knüpfe an die Erwartung an, dass die Inflationsraten binnen Jahresfrist auf Niveaus von unter 3 Prozent zurückfallen würden. Diese Erwartung aber enthalte reichlich Hoffnung - insbesondere nämlich auf ein wie auch immer geartetes, absehbares Ende des Ukraine-Krieges. Bleibe dieses Ende aus, werde die Inflation hoch bleiben.

Dafür spreche auch, dass die globalen Lieferketten noch immer haken und zudem aus westlicher Sicht neu sortiert werden sollten: Nicht nur mit Blick auf Russland, sondern auch mit Blick auf China. Das aber dürfte angesichts des Netzes, das mit der weltgrößten Exportnation deutlich engmaschiger geknüpft sei als mit Russland, sowohl für die USA als auch für Europa mit noch flächigeren Preissteigerungen einhergehen würden.

Die Minenbetreiber auf diesem Globus würden von diesen Neuorientierungen vergleichsweise unbehelligt bleiben. Zwar habe die Londoner Edelmetallbörse LME begonnen, russisches Palladium zu besteuern. Doch seien andere bekannte Lagerstätten nicht in der Lage, den Bedarf zu decken. Ergo treibe das lediglich die Preise. Und wenn die Inflation neben den Energie- auch die Personalkosten treiben sollte, hätten Minenbetreiber es vergleichsweise leicht, auch das in Form von Preiserhöhungen weiterzugeben.

Minenaktien würden also ein Kauf bleiben - auch und weil es nicht nur im weiteren Jahresverlauf sinnvoll sein werde, Edelmetalle und dabei zuvorderst Gold im eigenen Portfolio zu halten. Zwar würde sich Nico Baumbach von SIGNAL IDUNA Asset Management persönlich über eine Welt freuen, in der es keinen Bedarf mehr für diesen materiellen Rettungsanker gebe. Aber auf diesen Tag werde man mit Blick auf die Irrationalität aggressiver Autokraten noch sehr, sehr lange warten müssen. (01.06.2022/fc/a/f)






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