Fondshandel: "Mit unglaublicher Geschwindigkeit"


15.09.22 16:27
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Talfahrt der großen Aktienindices in Europa, Asien und den USA seit Mitte August erfährt im Fondshandel ihre ungebremste Fortsetzung, so die Deutsche Börse AG.

"Wir sehen fast ausschließlich Verkäufe", berichte Matthias Präger von der Baader Bank angesichts der Marktlage. "Die Anleger bleiben verunsichert angesichts der diversen Risiken und trennen sich von ihren Beständen. Inzwischen wurden viele Stopp-Verkäufe ausgelöst." Erneut werde keine Region, keine Branche verschont.

Auch Jan Duisberg von der ICF Bank berichte von überwiegenden Verkäufen. "Mit der Angst vor noch stärkeren und schnelleren Zinserhöhungen wird in glaublicher Geschwindigkeit und in großem Stil verkauft." Die Umsatzaktivität habe vor allem in den vergangenen fünf bis sechs Handelstagen zugelegt.

Die Umsätze seien bei der Baader Bank etwas höher als im Durchschnitt. Vor allem die Inflation und die weiter notwendigen Zinserhöhungen würden auch nach Einschätzung von Präger im Fondsmarkt belastend wirken.

Auf Monatssicht sei der DAX zeitweise um mehr als 1.500 Punkte gefallen, von 13.900 auf zwischenzeitlich 12.400 Punkte. Die Steigerungen aus der schnellen sommerlichen Erholung im Juli und August seien nun ausradiert, beschreibe Präger das Geschehen. Die Marktteilnehmer würden mehrheitlich für die kommende Woche den nächsten großen Zinsschritt der US-Notenbank FED von 75 Basispunkten erwarten, nachdem die Inflationsdaten für August wieder enttäuscht hätten.

Nach Einschätzung der Commerzbank bleibe die Lage angespannt: "Mittelfristig erwarten wir aufgrund der weltweit immer restriktiveren Geldpolitik weiter fallende Aktienkurse", prognostiziere Andreas Hürkamp. Kurzfristig würde aber ein bereits sehr pessimistisches Anlegersentiment mit hohen Short-Positionen auf den S&P 500 die Märkte stützen.

Vor allem bei deutschen, europäischen und internationalen klassischen Aktienfonds würden laut Baader Bank Verkäufe dominieren, wobei der Fokus auf deutschen und europäischen Nebenwerten liege. Auf den Verkaufslisten weit oben seien entsprechend der Allianz Nebenwerte Deutschland,der auf Jahressicht gut ein Drittel, auf Monatssicht gut 8 Prozent verloren habe. Wie schon im Vormonat würden kleinere europäische Werten im Threadneedle (Lux) - European Smaller Companies 1E in der Gunst der Anleger*innen fallen. Präger berichte, dass hingegen der Allianz Vermögensbildung Deutschland A gekauft werde.

Unter den internationalen Fonds-Investments werde der DWS Vermögensbildungsfonds veräußert, der vor allem in große internationale Unternehmen investiere. Zu seinen Top-Positionen würden Alphabet A, Apple, Microsoft, Nestle und Taiwan Semiconductor gehören. Wie im Vormonat werde der Morgan Stanley INVF Global Opportunity abgegeben.

Hingegen würde mit dem terrAssisi Aktien I AMI - P EUR DIS (ISIN DE0009847343 / WKN 984734) in ein Nischenprodukt investiert. Dieser Fonds investiere in Aktien, die den ethischen Grundsätzen des Franziskanerordens im Wesentlichen entsprechen würden, um den Wettbewerb hin zu mehr Kultur-, Sozial- und Umweltverantwortlichkeit zu fördern. Mit einem Minus von 6 Prozent auf Monatssicht und 2,2 Prozent innerhalb eines Jahres verliere der Fonds unterdurchschnittlich.

Bei Duisberg seien hingegen gemischte Fonds gesucht: So sei der Flossbach von Storch Multiple Opportunities II trotz seiner Kursverluste bei guten Umsätzen einer der meistgehandelten Fonds. "Er läuft eigentlich immer gut." Auch der Flossbach von Storch Multiple Opportunities R Abseits solch klassischer Mischfonds-Produkte werde aber nach seiner Einschätzung aktuell sehr genau selektiert, vor allem bei Branchenfonds.

Auch die Nachfrage nach Technologie-Titeln steige Duisberg zufolge. Das schlage sich in attraktiven Umsätzen im BlackRock Global Funds World Technology A2 EUR Acc nieder, der sich auf europäische Techtitel fokussiere, wie in seinem US-Pendant, dem BlackRock Global Funds World Technology A2 US Acc (ISIN LU0056508442 / WKN 974499), den Apple, Microsoft, Tesla, Marvell und Alphabet A dominieren würden.

Auch defensive Fonds seien bei der ICF Bank im Kundenfokus: Gesundheits- und Medizinfonds (ISIN LU0119891520 / WKN 941135) würden gekauft. "Hier sind auch die Umsätze gut", berichte Duisberg aus dem Handel.

Der Wirtschaftskollaps in China als Folge der immer wieder verhängten Lockdowns sorge erneut für unterdurchschnittliche Umsätze mit Fonds, die in der asiatischen Region investiert seien. Allerdings sei hier das Bild weniger einheitlich - Käufe und Verkäufe würden sich bei Präger die Waage halten. Neben dem Robeco Chinese Equities - D EUR ACC (ISIN LU0187077309 / WKN A0CA01) werde der Robeco Asia Pacific Equities Kurs (ISIN LU0084617165 / WKN 988149) aus den Depots genommen.

Von Verkäufen sei der Handel nach Einschätzung von Duisberg überwiegend bei Immobilienfonds geprägt, wenngleich der Verkaufsüberhang moderat sei. Die Liquidität sei in diesem Bereich zwar zurückgegangen, bei einzelnen Titeln werde jedoch das rückläufige Niveau immer wieder zum Einstieg genutzt - etwa beim "Dauerbrenner" Fokus Wohnen Deutschland oder beim SEB ImmoInvest P, der optisch sehr günstig sei, sich aber von seinem Kursrutsch vom Jahresbeginn noch nicht wieder erholt habe.

Verkäufe mache Duisberg beim Grundbesitz Fokus Deutschland aus. Beim UniImmo Global Fonds (ISIN DE0009805556 / WKN 980555) sehe er ebenfalls Abgaben, der Fonds erhole sich aber sukzessive von seinem Einbruch im Juni.

Die Aussicht auf weiter stark steigende Zinsen habe den Handel mit Rentenfonds nur kurzzeitig aufflackern lassen. "Das Interesse ist hier wieder spürbar abgeebbt", fasse Duisberg zusammen. "Wer sich jetzt hier engagiert, holt Stabilität ins Depot und investiert entsprechend defensiv." Renditen gäbe es schließlich nach wie vor kaum - zumal nach Abzug der Inflation. Dieses Anlegerverhalten spiegele sich in marginalen Käufen des DWS Eurorenta und des Allianz Europazins wider - zweier recht konservativer Produkte mit Fokus auf Europa. (15.09.2022/fc/a/f)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
230,07 € 227,137 € 2,933 € +1,29% 28.09./21:59
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0008481763 848176 411,42 € -   €
Werte im Artikel
634,15 plus
+2,81%
77,81 plus
+1,68%
10,69 plus
+1,41%
230,07 plus
+1,29%
59,26 plus
+1,25%
40,19 plus
+0,86%
227,85 plus
+0,78%
47,85 plus
+0,65%
103,73 plus
+0,57%
272,09 plus
+0,43%
178,09 plus
+0,27%
52,79 plus
+0,21%
0,76 plus
0,00%
44,96 minus
-0,13%
56,75 minus
-0,53%
45,02 minus
-0,55%
50,62 minus
-0,64%
51,97 minus
-1,29%
161,67 minus
-3,15%