Eurizon Fund - Bond High Yield: Europäischer High-Yield-Markt im Vergleich zu den USA besser positioniert - Fondsanalyse


20.06.22 13:00
Eurizon Asset Management

Luxembourg (www.fondscheck.de) - Die Anleihe-Märkte stehen weltweit unter Druck, so die Experten von Eurizon Asset Management.

Der Druck der erhöhten Inflation dürfte die Notenbanken veranlassen, die Zinsen spürbar anzuheben, die FED habe am vergangenen Mittwoch einen entscheidenden Schritt in diese Richtung gemacht. An den Anleihe-Märkten werde dies bereits eingepreist, während es auch bereits zu umfangreichen Mittelabflüssen gekommen sei.

Raffaella Tommaselli, Managerin des 3,55 Milliarden Euro schweren Eurizon Fund - Bond High Yield (per 31.05.2022), beschreibe die aktuelle Lage am Markt für Hochzins-Anleihen und wie sie mit ihrem Fonds darauf reagiert habe.

Raffaella, sehen Sie angesichts des aktuellen Wirtschaftsklimas irgendwelche Lichtblicke für den langfristigen Investor auf dem europäischen Hochzins-Anleihemarkt im Vergleich zum US-High-Yield-Anleihemarkt?

Raffaella Tommaselli: In einer Zeit, in der eine Rezession erwartet wird, gefolgt von einem Anstieg der Ausfallraten, ist der europäische High-Yield-Markt aufgrund des höheren Anteils an hoch bewerteten BB-Unternehmen im Vergleich zum US-Markt besser positioniert.

Hochzins-Anleihen schneiden in der Regel in wirtschaftlichen Erholungsphasen gut ab. Zu Beginn dieses Jahres schienen die meisten westlichen Märkte in Bezug auf das Wachstum optimistisch zu sein, aber die Performance verflüchtigte sich aufgrund großer Sorgen über Inflation und geopolitische Spannungen. Hat sich dies geändert, oder wie sehen Sie das Potenzial heute?

Tommaselli: Wir beobachten, dass die Zentralbanken in der ganzen Welt aufgrund der anhaltend hohen Inflationsrate eine zurückhaltende Haltung einnehmen, und der Markt muss sich mit dieser veränderten Einstellung auseinander setzen. Wir müssen uns auf eine Zeit mit höheren Zinsen und weniger Liquidität im System einstellen.

Die Vereinigten Staaten scheinen sich in einer Wachstumsphase zu befinden. In Europa scheinen die Wachstumsprognosen günstiger zu sein, aber eine Rezession ist noch nicht in Sicht. Geben die aktuellen Ausfallquoten Aufschluss darüber, was die Anleger erwarten können?

Tommaselli: Der Markt preist bereits einen Anstieg der Ausfallquote über einen Zeitraum von zwölf Monaten bei Unternehmen mit einem BB-Rating ein, während Unternehmen mit einem niedrigeren Rating weiterhin einer erhöhten Rezessionswahrscheinlichkeit ausgesetzt sind.

Welche Art von Wertpapieren oder Sektoren bevorzugen Sie derzeit?

Tommaselli: Wir bevorzugen besser bewertete Unternehmen gegenüber Single B und CCC, zudem Dienstleistungen und andere weniger zyklische Sektoren gegenüber zyklischen Unternehmen, weiterhin Finanzwerte, die theoretisch in einem Umfeld steigender Zinsen profitieren sollten, und Unternehmen mit Preissetzungsmacht, die in der Lage sind, Preissteigerungen an die Kunden weiterzugeben.

Viele Unternehmen haben die Corona-Krise genutzt, um sich Geld zu leihen - sind sie jetzt in einer besseren oder schlechteren Situation?

Tommaselli: Viele Unternehmen haben das "Corona-Krisenhilfspaket" genutzt, um Schulden vorzeitig zu refinanzieren und so die "Fälligkeitsmauer" in die Zukunft zu verschieben, sodass jetzt nur noch sehr wenige Unternehmen kurzfristigen Liquiditätskrisen ausgesetzt sein dürften.

Inwiefern ist Ihr Fonds, der Eurizon Fund - Bond High Yield, vom Inflationsanstieg und dem Krieg in Europa betroffen und wie gehen Sie damit um?

Tommaselli: Betrachtet man die Aufteilung des Euro-High-Yield-Marktes, so gibt es mehrere Sektoren, die von den steigenden Rohstoffpreisen negativ betroffen sind. Während im US-High-Yield-Markt Öl und Rohstoffe immer noch einen großen Prozentsatz des Index ausmachen, macht der Rohstoffsektor im Euro-High-Yield-Markt weniger als 5% des Index aus. Hier sind jedoch viele Unternehmen, vor allem im Verpackungs- und Einzelhandelssektor, von den steigenden Rohstoffpreisen negativ betroffen. In unseren Fonds haben wir versucht, das Engagement in jenen Sektoren zu reduzieren, die aufgrund steigender Inputkosten eine schrumpfende EBITDA-Marge aufweisen, insbesondere die am stärksten fremdfinanzierten Sektoren mit geringer Preismacht.

EZB-Präsidentin Lagarde deutete kürzlich erste Zinserhöhungen und weitere Schritte danach an. Wie könnte sich dies auf den europäischen Hochzinssektor auswirken?

Tommaselli: Der europäische Hypothekenmarkt hat mit einer Ausweitung um mehr als 150 Basispunkte im bisherigen Jahresverlauf bereits einen Richtungswechsel der EZB-Politik vorweggenommen. Steigende Zinssätze wirken sich auf den Markt für Hochzinsanleihen zumindest in zweierlei Hinsicht aus - einerseits in steigenden Finanzierungskosten für Unternehmen, die ihre Fälligkeiten auf dem Markt refinanzieren müssen - auch wenn die meisten Unternehmen ihre Fälligkeiten in den letzten zwei Jahren bereits vorzeitig refinanziert haben -, was zu einer Verschlechterung des Zinsdeckungsgrads führen wird, und andererseits in einer Enttäuschung der Anleger gegenüber der Anlageklasse der festverzinslichen Wertpapiere - und wir haben am Markt bereits enorme Abflüsse gesehen. (20.06.2022/fc/a/f)