Ethna-AKTIV-Fonds: 12/2022-Bericht, 2023 wird von volatilen Risikomärkten geprägt sein - Fondsanalyse


06.01.23 09:35
ETHENEA

Munsbach (www.fondscheck.de) - Aus heutiger Sicht kaum zu glauben: Noch vor zwölf Monaten notierten die globalen Aktienindices auf oder nahe ihren Allzeithöchstständen, so Michael Blümke, Senior Portfolio Manager von ETHENEA Independent Investors S.A., im Kommentar zum Ethna-AKTIV.

Die Zehnjahreszinsen in Deutschland hätten noch negativ und vergleichbare US-Papiere bei knapp 1,5 Prozent rentiert. Wir beobachteten zwar schon damals eine Diskrepanz zwischen einem zeitlich noch jungen Wirtschaftszyklus, schon exorbitant hohen Bewertungen und einer bereits sehr fortgeschrittenen Geld- und Fiskalpolitik, erwarteten aber immer noch eine Phase überdurchschnittlichen Wachstums, so die Experten von ETHENEA. Diese Annahme sei jedoch schnell durch verschiedene Entwicklungen zunichte gemacht worden. Einerseits habe die Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Russland zu einem konventionellen Krieg mit all seinen negativen Auswirkungen eskaliert, nicht zuletzt für die Energieversorgung Europas. Andererseits habe die Nulltoleranzpolitik der Chinesen im Umgang mit dem Coronavirus nicht nur zu einer Fortsetzung von Lieferengpässen für den Rest der Welt geführt, sondern auch zu einer massiven Wachstumsverlangsamung im Reich der Mitte.

Gleichzeitig habe eine seit Jahrzehnten nicht mehr gesehene Inflation jenseits der 10 Prozent-Marke zu einem Umdenken bei den westlichen Zentralbanken geführt. Von einer eher abwartenden Haltung noch im Jahr 2021 sei man fast nahtlos in eine Phase der rigorosen Inflationsbekämpfung übergegangen. Das habe nicht nur zu rapiden Zinsanhebungen geführt, sondern auch das Ende der unsagbaren Negativ-/Niedrigzinsphase eingeläutet. Lange unterschätzt, aber ein eigentlich ganz klar definiertes Ziel dieser Politik sei eine deutliche Reduktion der Nachfrage gewesen, um die Preise zu stabilisieren. Neben den notwendigen zinsinduzierten Bewertungsanpassungen, insbesondere bei den mit viel Fantasie bepreisten Wachstumstiteln, habe auch ein Regimewechsel bezüglich der Assetklassenkorrelation stattgefunden. Resultat sei ein sogenannter perfekter Sturm für zumindest in der Theorie gut diversifizierte Multi-Asset-Produkte gewesen; in der Praxis hätten Verluste sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen verbucht werden müssen. Zudem hätten die in den letzten zehn Jahren so oft erlebten v-förmigen Erholungen an den Risikomärkten dieses Mal nicht stattgefunden. Stattdessen habe sich der Investor mit einem anhaltenden Bärenmarkt konfrontiert gesehen, der immer wieder mit aggressiven, aber letztlich scheiternden Rallyversuchen aufgewartet habe.

Für das Management des Ethna-AKTIV sei dieses Umfeld natürlich auch sehr herausfordernd gewesen. Jedoch bot diese Krise auch die Chance, die oft zitierten Eigenschaften unseres Ansatzes - Aktivität, Flexibilität und Risikomanagement - positiv unter Beweis zu stellen, so die Experten von ETHENEA. Auch wenn am Ende des Jahres immer noch ein Verlust zu Buche stehe, könne positiv herausgestellt werden, dass die getroffenen Maßnahmen dazu beigetragen hätten, sowohl die Volatilität als auch den Wertverlust zu minimieren. Besonders geholfen habe in diesem Zusammenhang, dass die Kreditqualität des Anleihenportfolios schon vor Beginn des letzten Jahres angehoben worden sei und die Zinssensitivität des Portfolios rechtzeitig gesichert und zeitweise sogar aggressiv übersichert worden sei. Damit habe der Ethna-AKTIV in einem der schlechtesten Anleihenjahre seit Jahrzehnten sogar einen leicht positiven Performancebeitrag seines Fixed-Income-Segments verbuchen können.

Zusätzlich hätten die Experten von ETHENEA die Kursrückgänge genutzt, um das Anleihenportfolio zu attraktiveren Niveaus sukzessive auszubauen - ein entscheidender Schritt für ansprechende Erträge in kommenden Jahren. Ebenfalls leicht positiv gewesen sei der Beitrag von der Währungsseite. Hier müsse jedoch angemerkt werden, dass die stark positive Meinung der Experten von ETHENEA zum und Positionierung im US-Dollar bis Ende September in der Spitze sogar über drei Prozent Performance generiert habe. Jedoch wurde dies durch die überaus starke und von uns nicht antizipierte Abwertung des Greenbacks im letzten Quartal fast komplett zunichtegemacht, so die Experten von ETHENEA. Leicht über dem Marktniveau liege der Performancebeitrag auf der Aktienseite. Zwar sei die hohe Aktienquote vom Jahresanfang schnell an das Krisenumfeld angepasst worden, jedoch habe mit taktischen Maßnahmen, die durchaus ergriffen worden seien, kein weiteres Alpha erzeugt werden können.

Die im Jahresverlauf herbeigeführte breitere Diversifizierung des zugrunde liegenden Basisportfolios (25 Prozent) habe sich vor dem Hintergrund der hohen Volatilität als richtiger Schritt erwiesen. Alles in allem habe die Vermeidung der größten Stolpersteine 2022 dazu geführt, dass gegenüber den allgemeinen, tief negativ rentierenden globalen Märkten ein nur moderater Verlust entstanden sei und damit die Voraussetzung geschaffen worden sei, um in der längerfristigen Betrachtung eine attraktive Rendite zu generieren.

Nach vorne blickend, stelle sich das wirtschaftliche Umfeld immer noch sehr fragil dar. Die restriktive Politik der westlichen Notenbanken entfalte langsam aber sicher ihre entschleunigende Wirkung. Bei der Frage, ob wir in naher Zukunft eine Rezession erleben werden, scheinen sich die Analysten noch nie so einig gewesen zu sein wie jetzt, so die Experten von ETHENEA. Allein diese Feststellung mahne zur Vorsicht im positiven Sinne. Nach dem Thema Inflationshöhepunkt sei es nun das Rezessionsnarrativ, das die Märkte umtreibe. Interessanterweise preise der US-amerikanische Rentenmarkt mit der Invertierung der Zinskurve dieses Risiko um einiges höher ein als der Aktienmarkt.

Mit Blick auf die Märkte im Jahr 2023 stehe neben den Wirtschaftsdaten aber auch wieder die Politik der Notenbank im Fokus. Auf keinen Fall solle die Stopp-and-Go-Politik der 70er Jahre wiederholt werden. Auch auf die Gefahr hin, dass die Wirtschaft überproportional belastet werde, werde man weiter konsequent über ein erhöhtes Zinsniveau die Inflation bekämpfen. Im Gegensatz zu den letzten Quartalen werde jetzt jedoch mehr auf die Inflation bei Dienstleistungen als bei Waren abgezielt. Für die Risikomärkte bedeute dies, dass das Überschreiten des Inflationshöhepunkts wahrscheinlich unterstützend wirke, die Wachstumssorgen aber gleichzeitig einer überdurchschnittlichen Aufwertung Grenzen setzen würden.

In der Konsequenz leiten wir für uns ab, dass es - solange es nicht mehr Klarheit über ein Ende des wirtschaftlichen Abschwungs gibt - bei hoher Volatilität und wahrscheinlich seitwärts tendierenden Aktienmärkten bleibt, so die Experten von ETHENEA. Dadurch dürften sich an den Rändern der erwarteten Kursbewegungen immer wieder interessante Handlungsmöglichkeiten ergeben. Tendenziell müsse man sich aber vor Augen halten, dass angesichts der vielen Belastungsfaktoren schon vieles eingepreist sei und positive Überraschungen nicht auszuschließen seien. Im Anleihenbereich stelle sich die Situation etwas anders dar. Deutlich gestiegene Risikoaufschläge und nicht zu erwartende Überraschungen von der Zinsfront lassen uns für Anleihen recht optimistisch ins neue Jahr gehen, so die Experten von ETHENEA. Aus diesen Gründen würden die Experten von ETHENEA mit einer neutralen Aktienquote von 18 Prozent, einem weiter im Ausbau befindlichen Fixed-Income-Portfolio (64 Prozent, davon noch 46 Prozent Staatsanleihen) und einer USD-Quote von 15 Prozent in dieses Jahr starten. (Ausgabe vom 31.12.2022) (06.01.2023/fc/a/f)






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