ETFs: Märkte bleiben schwankungsanfällig


22.06.22 14:41
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Anleger trennen sich von Aktien-ETFs, vor allem von Welt- und US-Portfolios, so die Deutsche Börse AG.

Und würden gefragte Titel der Vergangenheit wie Energie- oder Technologie-Unternehmen meiden. Gesucht seien dagegen Dividenden- und Value-Strategien.

Die anhaltenden Rezessions- und Zinssorgen würden auch den ETF-Handel weiter prägen. Der DAX könne sich am Dienstag deutlich über 13.000 Punkten stabilisieren, innerhalb einer Woche sei er um mehr als 500 Punkte geschwankt.

"Wir haben deutlich mehr Verkäufe als Käufe gesehen, aber keinerlei Panik", berichte Frank Mohr von der Société Générale. Maurice Touma von Lang & Schwarz beobachtet allerdings atypisches Verhalten: "Normalerweise werden Rücksetzer gern zum Nachkaufen genutzt, diesmal überwiegen Verkäufe."

Holger Heinrich von der Baader Bank erkläre mit Blick auf die vergangenen Handelstage: "Nach bemerkenswert viel Volatilität hat sich die Lage wieder beruhigt." Doch die Lage sei fragil. "Der Fokus liegt vor allem auf den Entscheidungen der Notenbanken zur Bekämpfung der Inflation." Ihr Tun werde weiter die Marktlage prägen. "Die bewegten Zeiten sind nicht vorbei."

"Neue Welle der Volatilität"

Das sehe auch Hubert Heuclin von der BNP Paribas so: "Die Welt der Finanzmärkte ist in Aufruhr, und das aus gutem Grund", fasse Heuclin zusammen. Die Marktteilnehmer würden erwarten, dass die FED bis zum Jahresende Zinsschritte in Höhe von 50 bis 75 Basispunkten fortsetzen werde, aber nicht stärker. Das habe einen umfassenden Dominoeffekt: "Machen Sie sich auf eine neue Volatilitätswelle bei Renten, Währungen und Aktien gefasst", kommentiere Heuclin. Nach einem so starken und weitreichenden Ausverkauf an den Märkten werde es jedoch nicht viele gute Nachrichten brauchen, um die Kurse wieder steigen zu lassen.

Aktien-ETFs: Welt-Tracker überwiegend raus aus Depots

Bei der Baader Bank würden große Aktien-ETFs wie der MSCI World stark verkauft. "Das ist immer so, wenn die Aktien im ETF fallen, zumal ein Großteil aus US-Titeln besteht", sage Heinrich. Vor allem die seien in den vergangenen Wochen gesunken. Sicherheit habe derzeit Vorrang. So werde in ETFs mit Dividenden- und Value-Strategien umgeschichtet. Toumas Kunden würden ebenfalls den MSCI World und andere große Indices aus den Depots nehmen. "Das zeigt, dass hier aktuell wenig Vertrauen besteht."

Bei Mohr würden globale Aktien wie auch US-Titel verkauft zugunsten europäischer Werte. Allerdings stelle Mohr lediglich einen leichten Kaufüberhang für Aktientracker des alten Kontinents fest, etwa beim MSCI Europe Value Factor von Amundi oder beim Lyxor CAC-40. Verkäufe registriere er hingegen beim Invesco EQQQ Nasdaq-100 und bei Standardwerten. Hier würden vor allem der Invesco S&P 500 (ISIN IE0032077012 / WKN 801498) und der Lyxor S&P 500 veräußert. Auch bei deutschen Aktien gäbe es einen leichten Verkaufsüberhang.

"Schwellenländer-Aktien sind in diesem Jahr nicht ganz so stark zurückgegangen wie die der Industrieländer", kommentiere Heuclin. Das werde sich jedoch in den kommenden 18 Monaten ändern, wenn eine aggressive Straffung der Geldpolitik die großen Volkswirtschaften in eine Rezession führe.

Sektoren: Energietitel nicht mehr gefragt

Unter den einzelnen Sektoren würden selbst die verkauft, die in den vergangenen Wochen überwiegend gefragt gewesen seien, erkläre Mohr, darunter der Energiesektor. So werde der iShares Oil & Gas Exploration & Production aus den Depots genommen. Der Kurs sei seit Jahresbeginn um 34,9 Prozent gestiegen.

Auch Touma berichte von Abflüssen im Energie- bzw. Erdgassektor: So würde der WisdomTree Natural Gas 3x Daily verkauft. "Bis vor Kurzem wurden starke Kursrücksetzer hier zum Einstieg genutzt, jetzt hat sich das Bild gewendet", berichte Touma.

Mehr Verkäufe als Käufe mache Mohr auch bei Technologieaktien aus. So würden seine Kunden den iShares Automation & Robotics wie auch den Invesco CoinShares Global Blockchain verkaufen.

Was Finanztitel angehe, würden bei der Société Générale Verkäufe dominieren, etwa des breit angelegten Lyxor STOXX Europe 600 Banks.

Nachgefragt seien bei Lang & Schwarz Technologietitel und Aktien aus dem Nachhaltigkeitssektor im iShares Global Clean Energy.

Kunden der BNP Paribas würden auch einzelne Themen und Branchen nachfragen. Sie würden z.B. Anteile am iShares Listed Private Equity und am KraneShares CSI China Internet (ISIN IE00BFXR7892 / WKN A2PBU9) kaufen.

Kryptos: Ohne Tendenz

Der zeitweise Kursrutsch des Bitcoin unter die Marke von 20.000 US-Dollar habe keine Verkaufswelle ausgelöst. "Alle Coins werden bei uns gehandelt, ge- und verkauft", berichte vTouma. Grundsätzlich würde ein Kursrutsch des Bitcoin häufig zum spekulativen, kurzfristigen Einstieg genutzt. Es gäbe derzeit aber keine klare Richtung.

Fixed Income: Selektiv mehr Nachfrage

Zu den meistgehandelten Werten der BNP Paribas würden diesmal auch Anleihen-ETFs zählen. Hier würden vor allem US-Staatspapiere mit mittlerer Laufzeit (ISIN IE00B3VWN518 / WKN A0X8SJ) und US-Unternehmensanleihen in die Depots gelegt. Verkäufe würden hingegen den Handel mit europäischen Unternehmensanleihen prägen. So werde der iShares Core EUR Corp Bond verkauft.

Etwas höhere Umsatzanteile, die aber nicht überzubewerten seien, registriere Mohr bei Anleihen-ETFs. Langlaufende Staatsanleihen etwa aus den USA (ISIN IE00BSKRJZ44 / WKN A12HL9) stünden ebenso auf den Verkaufslisten wie inflationsgeschützte Anleihen (ISIN LU1390062245 / WKN LYX0U6). Corporate Bonds würden hingegen selektiv gekauft, zum Beispiel der Amundi Index Euro Corporate SRI 0-3Y.

Von hoher Nachfrage berichte auch Touma, jedoch ohne klare Tendenzen. (Ausgabe vom 21.06.2022) (22.06.2022/fc/a/e)






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