ETF-Ausblick 2023: Risikoarm in ein anspruchsvolles neues Jahr


04.01.23 11:31
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Zum Jahreswechsel gehen ETF-Anleger*innen wenig Risiko ein, so die Deutsche Börse AG.

Die Verkaufslisten seien länger als die Kaufseiten. Dennoch schaue die Branche optimistisch nach vorn. Einige positive Trends aus dem alten Jahr dürften ihre Fortsetzung finden - sowohl bei Sektoren wie auch Produkten. So würden Anleihe-ETFs im Umfeld steigender Zinsen im Fokus bleiben, während der regionale Blick nach Asien gerichtet werde. Nachhaltigkeit bleibe fester Bestandteil im Branchenmix. Im Jahresverlauf seien aber neue Blickwinkel denkbar.

Das Thema Energie als eines der wichtigsten des alten Jahres gehöre zunächst auch 2023 zu den Weiterläufern: "Mit den hohen Energiepreisen erwarten wir weiterhin eine Fokussierung der Anleger*innen auf dieses Segment", berichte Andreas Schröer von Lang & Schwarz. Im Jahresverlauf seien dann je nach Marktlage Sektorrotationen denkbar. "Eine Rückkehr der Techwerte, insbesondere der Halbleiterwerte ist nicht ausgeschlossen." Dann könnten ETFs wie der VanEck Semiconductor (ISIN IE00BMC38736 / WKN A2QC5J) wieder stärker gefragt sein. Aktuell hielten sich die Investor*innen hier aber noch zurück.

Je nach Entwicklung der Corona-Politik in Asien könnte diese Region laut Lang & Schwarz interessant werden. "Dann könnte ein ETF mit chinesischen Aktien Sinn machen", erkläre Schröer und verweise auf einen der großen ETFs für diese Region, den iShares MSCI China, der auf Jahressicht fast ein Viertel an Wert verloren habe.

Auch Amundi sei zuversichtlich für die asiatische Region. Vincent Mortier und Matteo Germano würden für 2023 eine allmähliche Wiederöffnung Chinas erwarten. "Wir bleiben neutral und sind bereit, wieder einzusteigen, wenn die fundamentalen Gewinndaten und das Wirtschaftswachstum besser bewertbar sind."

Tracker, die schon 2022 Zuspruch gefunden hätten, dürften weiter gefragt sein: "Produktseitig erwarten wir, dass sich der Trend zu gehebelten ETFs und ETPs, den wir schon Ende 2022 beobachtet haben, fortsetzt." Schröer berichte, dass der WisdomTree NASDAQ 100 3x Daily Short bei Lang &S Schwarz zu den meistgehandelten Produkten zähle.

"Wir sehen außerdem, dass die Volumen bei Sparplänen zulegen", berichte Schröer weiter. "Diesen Trend haben wir auch Anfang 2022 gesehen." Dass die Marktteilnehmer*innen investiert bleiben würden, zeige, dass sie längerfristig orientiert seien. "Das ist ein gutes Zeichen."

Auch Frank Mohr von der Société Générale berichte von Wachstum bei den Sparplänen. Sein Haus erwarte ebenfalls eine Fortsetzung. "Wir glauben, dass wir hier im Jahr 2023 und darüber hinaus Zuflüsse sehen werden."

Darüber hinaus gehe die Société Générale von weiter steigenden allgemeinen Marktzinsen mit entsprechenden Auswirkungen für Anleihen-ETFs aus. "Wir erwarten ein Rentenjahr 2023, weil wieder Zinsen gezahlt werden." Anleihe-Tracker würden eine wichtige Rolle spielen, die Aufmerksamkeit richte sich dabei vor allem auf die Entscheidungen der US-Notenbank FED. Es komme für die Anleger*innen aber nach wie vor darauf an, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Rendite und Risiko zu finden.

Dass Anleihen attraktiv bleiben würden, solange die Zinsdiskussionen anhalten würden, sei weitgehend Marktkonsens. "Anleihen sind wieder im Kommen, die Marktbewertungen werden attraktiver, und ein Schwenk der FED in der ersten Jahreshälfte könnte interessante Einstiegspunkte schaffen", würden Mortier und Germano kommentieren.

Aktien würden nach Mohrs Einschätzung aber nach wie vor den ETF-Handel dominieren. "Auch nach einem schwierigen Aktienjahr 2022 werden Aktien die Hauptrolle am ETF-Markt spielen." Dabei bleibe nach Mohrs Erwartung Nachhaltigkeit ein Thema. "Das ist kein Modetrend. Wir sehen zum Beispiel beim MSCI World, dass bereits rund ein Drittel davon als ESG-Variante nachgefragt wird." Mit steigenden Energiepreisen würden zwar auch Öl- und Gas-ETCs nach Angaben von Mohr gefragt bleiben. Aber der Trend zu mehr Nachhaltigkeit fördere im Energiesektor Investitionen. Auch das Verbraucherverhalten sei als Trend wahrnehmbar: "Hier können die Nachholeffekte und die überwundenen Schocks in der Autoindustrie oder Reisebranche eine Rolle spielen."

Insgesamt würden die Händler ein gutes Jahr für die ETF-Branche erwarten, auch wenn es zunächst turbulent weitergehen dürfte. "2023 wird ein Jahr der zwei Geschwindigkeiten sein, mit vielen Risiken, auf die man achten sollte", würden Mortier und Germano zusammenfassen. Auf der Aktienseite seien die Gewinnerwartungen in den USA angesichts zweier Einflussfaktoren - Wachstumsverlangsamung und weiterhin erstarkender Dollar - immer noch hoch. In Europa sei die Lage ebenfalls schwierig, hier müssten sich die Gewinnspannen der Unternehmen und der Konsum verbessern. Amundi vermute daher Chancen mit Value-Titeln, Qualität, Dividenden und kleinen Unternehmen, insbesondere aus den USA.

Im aktuellen Tagesgeschäft würden sich steigende Kurse bei niedrigen Volumen fortsetzen. Schröer berichte, dass selbst die latente Erholung der Tech-Werte den ETF-Handel zuletzt nicht habe stimulieren können. "Anleger haben die Risiken komplett herausgenommen." Mohr berichte von 60 Prozent des Volumens im Vergleich zum regulären Handel. "Es gibt einen leichten Verkaufsüberhang, der selbst vor den globalen Indextrackern, die 55 Prozent der Umsätze ausmachen, nicht Halt macht." Aber auch europäische Aktien-Tracker würden verkauft, was sich vor allem im iShares Core EURO STOXX 50 bemerkbar mache.

Von den Sektoren-ETFs werde zuallererst Technologie abgestoßen. "Passend zur Marktsituation wird hier überwiegend verkauft", fasse Mohr zusammen. Der großvolumige iShares Digital Security sei deshalb auf den Verkauflisten. In den zweitstärksten Sektor, Gesundheit, fließe hingegen Kapital, was dem iShares Healthcare Innovation und dem Xtrackers MSCI World Health Care zugute komme. Auch Energie sei auf der Kaufseite. Führend sei hier der SPDR MSCI Europe Energy mit Fokus auf Europa.

In jeder Marktlage sei allerdings das Thema der erneuerbaren Energien das meistgehandelte in seinem Haus, berichte Mohr weiter. "Selbst in einer verhaltenen Handelswoche wie aktuell ist der iShares Global Clean Energy stark gehandelt." Der ETF (ISIN IE00B1XNHC34 / WKN A0MW0M) sei mit Ausbruch des Ukraine-Krieges im Februar 2022 auf 8,45 Euro gesunken und daraufhin bis Mitte August auf 13,36 Euro gestiegen. Auf Jahressicht stehe ein Plus von einem Prozent, über drei Jahre von gut 76 Prozent.

In einem ruhigen Handel mit Renten-Trackern steche das Interesse an Staatsanleihen statt Unternehmenstiteln hervor. "Wir sehen, dass sich die Nachfrage auf längere Laufzeiten von US-Staatsanleihen und europäischen Papieren konzentriert", berichte Mohr. Gekauft würden der Lyxor Core US Treasury 10+Y (ISIN LU1407890620 / WKN LYX0Z9) und der Amundi US Treasury 7-10 Y (Acc) EUR-Hedged (ISIN LU2153616169 / WKN A2P22R). Mit Fokus Europa seien kürzere Laufzeiten gefragt, sodass hier der Eurozone Government Bond 1-3 Y (ISIN LU0290356871 / WKN DBX0AD) ins Depot genommen werde. (Ausgabe vom 03.01.2023) (04.01.2023/fc/a/e)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
20,835 € 20,68 € 0,155 € +0,75% 27.01./17:36
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
IE00BMC38736 A2QC5J 24,56 € 16,16 €
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