Anleiheinvestoren suchen Diversifikation und Flexibilität in Zeiten steigender Zinsen - fünf Ideen


13.09.22 11:30
Lazard Asset Management

Delaware (www.fondscheck.de) - In nur wenigen Monaten haben die Märkte für festverzinsliche Wertpapiere einen echten Paradigmenwechsel vollzogen: Mit Ausnahme des Geldmarktes sind Negativzinsen in Europa verschwunden, so die Experten von Lazard Asset Management.

Habe die Rendite 10-jähriger spanischer Anleihen im Dezember 2021 noch bei 0,3 Prozent gelegen, sei sie im Juni 2022 auf über 3 Prozent gestiegen. Doch wenn die Zinsen steigen würden, sinke der Wert der umlaufenden Wertpapiere, so dass Anleger in Staatsanleihen mit langer Laufzeit seit Jahresbeginn im Durchschnitt mehr als 8,7% ihres Wertes verloren hätten. Um die besten Chancen an den Rentenmärkten zu nutzen, müssten Anleger flexibel auf die veränderten Bedingungen reagieren. Dieser Ansicht ist Éléonore Bunel, Leiterin des Rentenmanagements bei Lazard Frères Gestion in Paris und Portfoliomanagerin/Analystin des Lazard Credit Opportunities Fund (ISIN FR0010230490 / WKN nicht bekannt). Im Folgenden zeige sie fünf Strategien auf, die Anleger angesichts hoher Inflation und steigender Zinsen aktuell verfolgen könnten.

Nr. 1: Anleihen mit negativer Sensitivität gegenüber Marktzinsen

"Durch den Aufbau eines Anleihenportfolios mit ,negativer Sensitivität‘ ist es möglich, direkt von steigenden Zinsen zu profitieren", sage Éléonore Bunel. Durch die umgekehrte Korrelation führe jeder Zinsanstieg zu einem Wertzuwachs, während sich ein Zinsrückgang nachteilig auswirke. "Angesichts stark gestiegener Inflationsraten und einer strafferen Geldpolitik durch die Zentralbanken erscheint uns eine solche Strategie sinnvoll", sage die Expertin.

Nr. 2: Inflationsgeschützte Anleihen

Das derzeitige Umfeld sei zudem ideal für Investitionen in inflationsgeschützte Wertpapiere, so genannte "Inflation-Linker". "Gerade deutsche inflationsgeschützte Staatsanleihen bieten ein interessantes Profil, da das Land von der Inflationsbewegung besonders betroffen ist und gleichzeitig einen der wichtigsten Emittenten dieser Art von Wertpapieren auf dem europäischen Markt darstellt", so Bunel.

Nr. 3: Kurzlaufende Hochzinsanleihen

Hochzinsanleihen seien aus Sicht der Expertin ebenfalls interessant: "High Yield-Anleihen sind sicherlich risikoreicher als Investment Grade-Anleihen, bieten aber auch attraktivere Renditen", wisse Bunel. Die Risiken seien zudem moderat geblieben. Die Ausfallquote bei hochverzinslichen Unternehmen sei weiterhin sehr niedrig und habe Ende Juni 2022 laut Moody's in Europa bei nur 1,7 Prozent über 12 Monate gelegen. Angesichts der hohen Inflation sei es jedoch wichtig, Wertpapiere mit kurzer Laufzeit zu bevorzugen, die nicht sehr anfällig für das Risiko steigender Zinsen seien. Bunel merke an: "Auch einige Investment Grade-Papiere erhalten nach dem jüngsten Zinsanstieg allmählich wieder ein attraktives Profil."

Nr. 4: Nachranganleihen

Neben hochverzinslichen Wertpapieren würden Bunel und ihr Team auch auf das Segment der nachrangigen Finanztitel (AT1, Tier 2) setzen, dabei aber vorsichtig bleiben. Diese von europäischen Banken begebenen Wertpapiere würden aus Sicht der Expertin eine attraktive Rendite bieten, die bei 8-9 Prozent p.a. liegen könne (Stand: 28. Juni). "Europäische Banken haben ein sehr geringes Ausfallrisiko, da sie gut kapitalisiert sind", sage Bunel. "Allerdings reagieren diese Wertpapiere empfindlich auf die Ausweitung von Risikoprämien, was bedeutet, dass sie in einem diversifizierten Anleihenportfolio angemessen gewichtet werden sollten."

Nr. 5: Flexibilität bei der Vermögensallokation

Letztlich erfordere die rasche Veränderung der Wirtschaftslage aus Sicht der Anlageexpertin vor allem die Fähigkeit, flexibel zu sein. "Die Zinssensitivität eines Portfolios zu steuern, bedeutet, seine Duration je nach Veränderung der wirtschaftlichen Erwartungen rasch erhöhen oder verringern zu können", betone Bunel. Die Asset Allokation im Portfolio müsse ebenfalls sehr flexibel bleiben, um das Gewicht der volatilsten Titel in Stressphasen zu begrenzen und es in Zeiten des Marktvertrauens zu erhöhen. Diese Beweglichkeit könne auch durch ein Über- oder Untergewicht gegenüber bestimmten Währungen ausgeübt werden.

"Diese verschiedenen Strategien ergänzen sich und ermöglichen den Aufbau eines diversifizierten Portfolios mit dem Ziel, von den besten Marktchancen zu profitieren", so Bunel. (13.09.2022/fc/a/f)