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Analyse: Diese ETFs stehen vor einer Renaissance


11.01.23 13:17
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Investoren finden wieder verstärkt Gefallen an Smart-Beta- und Faktor-Strategien im Mantel eines börsengehandelten Indexfonds (ETFs). Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung der auf das Asset Management spezialisierten Analysegesellschaft Cerulli Associates, berichten die Experten von "FONDS professionell".

Das wirtschaftliche Umfeld mit geringem oder negativem Wachstum in Verbindung mit stagnierenden Löhnen und höherer Inflation habe die Bedingungen für Smart-Beta-Ansätze verbessert, die auf Fundamentaldaten wie Value oder Dividenden basieren würden, so die Analysten des Hauses.

In der Vergangenheit hätten ETFs, deren zugrundeliegende Indices nicht nach der Marktkapitalisierung, sondern nach alternativen Merkmalen zusammengesetzt und gewichtet würden, als große Wachstumshoffnung der Branche gegolten. Zuletzt hätten aber Themenfonds und nachhaltige Ansätze größere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gleichwohl sei es auch immer wieder zu Auflagen von Strategien gekommen, die Faktoren wie Substanzwerte oder Wachstumstitel abbilden oder auf starke Dividendenzahler setzen würden.

Das verwaltete Vermögen von Fonds, die auf Fundamentaldaten fußen würden, habe sich zuletzt stabiler entwickelt als das von traditionellen Strategien, würden nun die Experten von Cerulli berichten. So hätten europäische Smart-Beta-ETFs per Ende November 2022 ein Vermögen von 93,7 Milliarden Euro verwaltet, verglichen mit 102,1 Milliarden Euro im Dezember 2021. Die monatlichen Nettozuflüsse in Value-ETFs in Europa hätten im Oktober 2022 15,1 Milliarden Euro erreicht und damit nicht weit von den 15,8 Milliarden Euro im Dezember 2021 entfernt gelegen.

"Value-Strategien schnitten 2022 besser ab als traditionelle, nach der Marktkapitalisierung gewichtete Strategien", so Fabrizio Zumbo, der das europäische Asset and Wealth Management Research bei Cerulli Associates leite. Die Outperformance sei vor allem auf die Übergewichtung von Energietiteln zurückzuführen. "Qualitätsstrategien wiederum schnitten 2022 schlechter ab als Value-Ansätze, aber da sie sich in Rezessionen tendenziell besser schlagen, könnten sie 2023 höhere Erträge erzielen."

Der europäische Markt für Smart-Beta-Fonds sei im Vergleich zu seinem US-amerikanischen Pendant noch klein. In den nächsten ein bis zwei Jahren würden die Emittenten von Smart-Beta-ETFs jedoch mit einen Anstieg des Volumens in den europäischen Märkten rechnen, so die Cerulli-Analysten. "Das Smart-Beta-Wachstum in Europa wird davon abhängen, wie sich faktorbasierte Strategien angesichts der Herausforderungen des Jahres 2023 bewähren und ob diese Leistung ausreicht, um weiter Anlegergeld anzuziehen", folgere Zumbo. (Ausgabe vom 10.01.2023) (11.01.2023/fc/a/e)