Ethna-AKTIV-Fonds: 07/2022-Bericht, Rezessionsnarrativ gewinnt weiter an Bedeutung - Fondsanalyse


05.08.22 11:00
ETHENEA

Munsbach (www.fondscheck.de) - Bevor nachfolgend speziell auf den letzten Monat eingegangen wird, macht es mit Blick auf den Ablauf der ersten Jahreshälfte Sinn, kurz einen entsprechenden Rückblick voranzustellen, so Michael Blümke, Senior Portfolio Manager von ETHENEA Independent Investors S.A., im Kommentar zum Ethna-AKTIV.

Vor exakt zehn Jahren habe Mario Draghi, damals Chef der EZB, mit seiner "Whatever it takes"-Rede einen Paradigmenwechsel in der jüngeren Finanzgeschichte eingeleitet. Die Finanzkrise in der europäischen Peripherie sei damit vorerst beendet worden. Heute werden wir mit den Spätfolgen dieser ultralockeren Geldpolitik konfrontiert, so die Experten von ETHENEA. Denn unter anderem liege es an der jahrelangen Niedrig- und sogar Negativzinspolitik, dass die aktuellen Preissteigerungen auf einem Niveau seien, das es seit den 1970er Jahren nicht mehr gegeben habe.

Ihren Kampf für Preisstabilität hätten die Notenbanken auch im letzten Monat fortgesetzt. Während die EZB mit einer Anhebung der Leitzinsen von 50 Basispunkten überrascht und damit die Ära der Negativzinsen beendet habe, habe die FED ihren Leitzins erneut um 0,75% erhöht. Das mache Mario Draghi zum einzigen EZB-Präsidenten, der nie die Zinsen angehoben habe.

Vor dem Hintergrund der erneut aufkommenden Spread-Problematik bei Anleihen aus den europäischen Peripheriestaaten - oder wie es die Notenbanken nennen würden "der mangelhaften Transmission ihrer Geldpolitik in jene Länder" - habe seine Nachfolgerin Christine Lagarde nun beschlossen, entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Die sehr vagen Details zu den TPIs (Transmission Protection Instruments) hätten zwar vorerst die Ausweitung der Spreads von Anleihen der EU-Peripherie gestoppt, jedoch sei der grundsätzliche Effekt auf die Kapitalmärkte und insbesondere die Gemeinschaftswährung nicht mit der Ankündigung Draghis von 2012 vergleichbar.

Da die Experten von ETHENEA eine stärkere geldpolitische Maßnahme erwartet hätten, hätten sie vor der Notenbanksitzung die US-Dollarquote von 20% auf 10% reduziert. Danach sei die Währungsquote aus den angesprochenen Gründen umgehend wieder auf das alte Niveau zurückgeführt worden.

Wie schon im letzten Monatsbericht beschrieben, habe auch im Monat Juli das Rezessionsnarrativ weiter an Bedeutung gewonnen. Sich weiter verschlechternde Frühindikatoren, deutlich fallende Rohstoffpreise und fallende Zinsen am langen Ende, die in den USA sogar dazu geführt hätten, dass die Zinskurve so stark invertiert habe wie seit über zwanzig Jahren nicht mehr, seien zumindest marktseitige Indikatoren für diese Entwicklung. Dennoch hätten die globalen Aktienindices ihre im Mai gestartete Gegenbewegung weiter fortgesetzt und auf Monatssicht einige Prozentpunkte zulegen können. Eine viel beachtete, von der Bank of America durchgeführte Umfrage habe das negative Sentiment bei professionellen Marktteilnehmern offengelegt, was nicht zuletzt als Kontraindikator diente und die Kursbewegung weiter befeuert habe.

Die Experten von ETHENEA würden die erlebte Konsolidierung jedoch weiterhin für eine Bärenmarktrally halten und konsequenterweise die Aktienquote über Indexfutures sogar leicht ins Negative gesenkt. Den Experten von ETHENEA sei zwar bewusst, dass Aktienmarkttiefststände einem Konjunkturtief im Schnitt ca. vier Monate vorauslaufen würden. Jedoch erachten wir die These, dass wir die Tiefststände bei den Aktien bereits gesehen haben, noch nicht für gerechtfertigt, so die Experten von ETHENEA. Neben einigen fundamentalen Faktoren, wie zum Beispiel einer deutlich stärkeren Anpassung der Bewertung, bedarf es einer Versteilerung der Zinskurven, ehe wir ein Ende der Baisse ausrufen, so die Experten von ETHENEA.

Apropos Zinskurve: Im Gegensatz zum Aktienexposure hat uns die Durationspositionierung deutlich mehr Kopfzerbrechen bereitet, so die Experten von ETHENEA. Seit der EZB-Sitzung seien die Zinsen auf beiden Seiten des Atlantiks stärker gefallen als von den Experten von ETHENEA erwartet. Dennoch hätten sich die Experten vorerst zu einem Beibehalten der Position entschieden. Vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Inflation würden sie Bund-/Treasury-Renditen von 1% bzw. 2,75% für nicht sinnvoll erachten. Falls für diese Zinsniveaus die Erwartung eines starken wirtschaftlichen Abschwungs verantwortlich sein sollte, stehe das im klaren Widerspruch zum aktuellen Höhenflug der Aktien. In der Summe würden die Experten von ETHENEA die aktuellen Marktpreise für nicht gerechtfertigt halten. Nachdem "Mr. Market" aber grundsätzlich immer Recht habe, würden die Experten ihre Einschätzungen fortwährend überprüfen, eingehende Markt- und Makrodaten genauestens bewerten und strikt auf das Risikomanagement ihrer doch stark vom Konsens abweichenden Positionen achten. (Ausgabe vom 31.07.2022) (05.08.2022/fc/a/f)






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