ETF-Handel: "Fast alles US- und globale ETFs"


16.11.22 10:36
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die kräftige Kurserholung an den Aktienmärkten kann Anleger*innen noch nicht ganz aus der Reserve locken, so die Deutsche Börse AG.

"Wir sehen noch viel Zurückhaltung", berichte Leif Österwind von Lang & Schwarz. "Nicht jeder glaubt an die Jahresendrally." Auch Frank Mohr von der Société Générale melde nur einen leichten Käuferüberhang. "Es ist aber sehr viel los, die Umsätze sind deutlich gestiegen."

Der DAX stehe am Dienstagmittag bei 14.288 Punkten. Damit habe sich der Index seit seinem Jahrestief Ende September um mehr als 20 Prozent erholt. Der Dow Jones komme nur auf 17 Prozent, der NASDAQ 100 seit dem jüngsten Tief auf 11 Prozent.

Was Aktien-ETFs angehe, setze sich dennoch der Trend der Vorwochen fort. "Die Musik spielt in US- und globalen Aktien, und zwar nochmals mehr als sonst", erkläre Mohr. Diese hätten vergangene Woche 70 Prozent der Umsätze ausgemacht. Fast alle Top-Ten-Produkte auf der Umsatzliste seien US- und MSCI World-ETFs. "Das liegt wohl an den Zwischenwahlen in den USA und den vielen Nachrichten von dort."

Nur 8 Prozent der Umsätze seien laut Mohr auf europäische Aktien entfallen - mit Zu- und Abflüssen gleichermaßen. Für deutsche Aktien melde er einen kleinen Käuferüberhang.

Auch Chinas Aktien hätten sich zuletzt etwas erholt, und mit ihnen entsprechende ETFs. Auslöser seien erste zaghafte Schritte in Richtung Lockerung der Corona-Maßnahmen. Auch das jüngst verkündete Paket zur Stützung des Immobiliensektors spiele eine Rolle, ebenso die Entspannungssignale im Verhältnis zwischen China und den USA auf dem G20-Gipfel auf Bali.

Zulegen könnten zum Beispiel der iShares MSCI China, der Lyxor MSCI China (ISIN LU1841731745 / WKN LYX0YW) und der Xtrackers CSI300 Swap (ISIN LU0779800910 / WKN DBX0M2). Im ETF-Geschäft der Société Générale würden chinesische Aktien-ETFs Mohr zufolge aber kaum eine Rolle spielen.

Sehr gut nachgefragt sei laut Österwind die Halbleiterbranche. "Warren Buffet steigt mit seinem Investmentfonds Berkshire Hathaway mit mehreren Milliarden US-Dollar bei Taiwans Chipherstellers Taiwan Semiconductor ein", erkläre er.

Halbleiter-ETFs wie der iShares MSCI Global Semiconductors (ISIN IE000I8KRLL9 / WKN A3CVRA), der VanEck Semiconductor (ISIN IE00BMC38736 / WKN A2QC5J) oder auch der Lyxor MSCI Semiconductor ESG Filtered (ISIN LU1900066033 / WKN LYX018) hätten deutlich zugelegt. In diesem Jahr gehöre die Branche allerdings zu den Schlusslichtern: Der dem iShares-ETF zugrunde liegende Branchenindex mit dem sperrigen Namen "MSCI ACWI IMI Semiconductors & Semiconductor Equipment ESG Screened Select Capped" komme seit Jahresanfang auf ein Minus von 40 Prozent, der marktbreite MSCI ACWI IMI hingegen nur auf minus 21 Prozent. Auf Dreijahressicht habe der Index für die extrem schwankungsanfällige Branche mit 14,7 Prozent im Jahr aber klar die Nase vorn gegenüber dem marktbreiten Index mit 4,8 Prozent.

Mohr zufolge gelte der Fokus derzeit den Branchen Gesundheit, Energie, Grundstoffe und Technologie. Überall hätten die Käufe dominiert. Klare Zuflüsse registriere er zum Beispiel für den iShares MSCI World Health Care Sector (ISIN IE00BJ5JNZ06 / WKN A2PHCD), den Lyxor NYSE Arca Gold BUGS und den iShares Gold Producers, beide mit Aktien von Goldproduzenten, sowie den INVESCO KBW Nasdaq Fintech (ISIN IE00BYMS5W68 / WKN A2DHWJ).

Auch einige Themen-ETFs würden derzeit gut ankommen, wie Mohr ergänze, konkret zu den Themen Cyber Security, Klima und sauberes Wasser. Als Beispiele nenne er den WisdomTree Cybersecurity, den iClima Smart Energy (ISIN IE00BLCH4S17 / WKN A2QQVZ) und den L&G Clean Water.

Im Geschäft mit Anleihen-ETFs stünden laut Mohr nachhaltige, auf Euro lautende Floating Rate Bonds von Unternehmen (ISIN LU1681041114 / WKN A2H585) auf den Einkaufslisten, ebenso Investment Grade-Staatsanleihen auf Euro. Dagegen sei der ComStage Bund-Future Short (ISIN LU0530119774 / WKN ETF562) aus den Portfolios geflogen. Mit dem könne auf die inverse Kursentwicklung des Euro-Bund-Future gesetzt und damit von einem Zinsanstieg profitiert werden.

Sehr beliebt seien derzeit auch US-Staatsanleihen. Das Analysehaus Morningstar schätze, dass in den ersten neun Monaten des Jahres spezialisierte aktive und passive Fonds in dieser Anlageklasse in Europa über 25 Milliarden Euro eingesammelt hätten - ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Sara Silano von Morningstar nenne zwei Gründe dafür: Die russische Invasion in der Ukraine mit einer Flucht in sichere Häfen und die geldpolitischen Unterschiede zwischen den USA und anderen Regionen.

"Mit der Rückkehr der US-Anleihesätze auf ein Niveau von über 3,5 Prozent können Staatsanleihen nicht nur eine Quelle der Diversifizierung innerhalb der Portfolios sein", ergänze Nicolò Bragazza, Senior Investment Analyst bei Morningstar Investment Management. "Sie liefern auch Erträge, die bis vor einem Jahr nur durch Investitionen in viel riskantere Unternehmens- oder High Yield-Papiere zu erzielen gewesen wären."

Von Kryptowährungs-ETNs wollten Anleger*innen Österwind zufolge derzeit nichts wissen. "Der Abwärtssog hält an, es werden Positionen glattgestellt, Neupositionierungen sehen wir nicht." Die Kryptobörse FTX, eine der größten am Markt, habe vergangene Woche Insolvenz angemeldet. Am Wochenende hätten Meldungen über mysteriöse Geldabflüsse bei FTX für zusätzliche Verunsicherung gesorgt. "Am Kryptomarkt hat es schon oft geknallt, aber nie wurde das Vertrauen in den Märkten so erschüttert wie jetzt", habe Madeline Hume von Morningstar kommentiert. Der Bitcoin sei am 15. November 2022 zu 16.759 US-Dollar gehandelt worden - vor fast genau einem Jahr sei noch ein Allzeithoch von 68.764 US-Dollar erreicht worden.

Österwind melde hohe Umsätze mit Krypto-ETNs mit einem deutlichen Verkaufsüberhang. Stark betroffen sei etwa der 21Shares Bitcoin. "Insgesamt werden am Markt weitere Kursrückgänge erwartet." (Ausgabe vom 15.11.2022) (16.11.2022/fc/a/e)





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