Rohstoff-ETCs: (Fast) alles dreht sich um Gas und Öl


29.08.22 09:45
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Energiepreise bleiben der Aufreger am Rohstoffmarkt, so die Deutsche Börse AG.

Der Großhandelspreis für Gas gehe quasi durch die Decke. Jüngster Auslöser sei die Gazprom-Ankündigung gewesen, die Lieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 Ende August für drei Tage zu unterbrechen. Der Öl-Preis sei unterdessen vergangene Woche unter 100 US-Dollar für ein Barrel der Nordseesorte Brent gefallen - ein Sechsmonatstief und das Niveau vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Am Donnerstagmorgen seien es 102 US-Dollar.

Auf Monatssicht überwögen bei Energie-ETCs zwar die Abgaben, wie Mobeen Tahir von WisdomTree berichte. "Durch den Gaspreisanstieg sind die Produkte diese Woche aber sehr gefragt", erkläre Torben Bendt von Lang & Schwarz. Gekauft würden zum Beispiel der WisdomTree Natural Gas 2x Daily Leveraged und der WisdomTree Natural Gas 3x Daily Leveraged. Die würden den Gaspreis mit Hebel 2 und 3 abbilden. Auch gesucht bei Lang & Schwarz sei der WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged, ebenso bei der ICF Bank, wie Jan Duisberg melde.

An der Börse Frankfurt stehe der BNPP Natural Gas auf der Umsatzliste für die vergangenen vier Wochen auf Platz zwei, gleich hinter Xetra Gold. Auf dem dritten Platz folge schon ein Öl-ETC, der WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged. Ein hohes Handelsaufkommen würden auch der WisdomTree Natural Gas 2x Daily Leveraged verzeichnen, das Pendant mit Hebel 3 und der WisdomTree Energy - alles ETCs, die normalerweise eher im Schatten stünden.

Während beim Gaspreis meist mit weiteren Anstiegen gerechnet werde, sehe es beim Ölpreis anders aus. Rohstoffanalystin Barbara Lambrecht von der Commerzbank erwarte keinen deutlichen Ölpreisanstieg mehr. "Zum einen haben sich zu den Rezessionsängsten in den Industrieländern erhebliche Sorgen um Chinas Konjunktur gesellt", erkläre Lambrecht. Zum anderen sei eine Wiederauflage des Atomabkommens mit dem Iran und die Aufhebung der Sanktionen wohl noch nie in so greifbarer Nähe gewesen. Gelinge dies, würden die iranischen Ölexporte stark steigen. "Beide Themen sprechen gegen eine Erholung der Ölpreise."

Auch Dora Borbély von der DekaBank sehe den Ölpreis nicht weiter nach oben klettern: "Sowohl die US-amerikanische als auch die OPEC-Rohölförderung steigen - zwar mit wenig Dynamik - aber recht kontinuierlich an." Für die zweite Jahreshälfte werde keine Ölknappheit auf globaler Ebene erwartet. "Daher rechnen wir im Trend mit einem geringfügig fallenden Ölpreis."

Wieder etwas gestiegen seien die Industriemetallpreise, die zuvor geradezu abgestürzt gewesen seien. Zum Beispiel sei der Kupferpreis innerhalb weniger Wochen von 9.750 auf unter 7.000 US-Dollar die Tonne gefallen, aktuell seien es wieder 8.114 US-Dollar. Die Preise von Nickel und Aluminium hätten sich zumindest stabilisiert. Der WisdomTree Industrial Metals komme jetzt wieder auf ein kleines Plus seit Jahresanfang.

"In den ETC-Flows hat sich die Erholung aber noch nicht niedergeschlagen", erkläre Tahir. Er weise darauf hin, dass wegen der Energiekrise die energieintensive Zink- und Aluminiumproduktion in Europa zurückgefahren werden könnte. "Dadurch könnten Investoren wieder Interesse an Industriemetallen gewinnen." Laut Lambrecht seien die meisten Märkte allerdings ausreichend versorgt. "Die Stimmung an den Industriemetallmärkten dürfte sich daher kaum aufhellen."

Weniger hoch würden die Wellen bei Gold schlagen: Gegenüber dem Vormonat sei der Preis leicht gestiegen, die Feinunze koste am Donnerstagmorgen 1.757 US-Dollar nach 1.681 US-Dollar im Tief im Juli. Im Allzeithoch im März seien es allerdings noch 2.069 US-Dollar gewesen. "Die Aussicht auf eine weitere Straffung der Geldpolitik und einen zumindest bis zum Jahreswechsel festeren US-Dollar lasten auf dem Goldpreis", erkläre Lambrecht. Laut Tahir von WisdomTree hätten Gold-ETCs wegen des jüngsten US-Dollar-Anstiegs die größten Abflüsse unter allen Rohstoff-ETCs verzeichnet.

Dora Borbély von der DekaBank weise darauf hin, dass bereits seit Mitte April die Goldbestände kontinuierlich abgebaut würden. "Allerdings spiegelt das im Vergleich zu den Vorjahren noch immer hohe Niveau dieser physischen Geldbestände die anhaltende Goldhaltungspräferenz der Anleger wider." Daran werde sich in absehbarer Zeit kaum etwas ändern. Dafür seien die Unsicherheiten rund um den Krieg, die Inflation, die Geldpolitik und die globale Konjunkturentwicklung zu hoch. "Daher dürfte der Goldpreis auf hohem Niveau verharren."

Auch der Bestand an Xetra Gold bleibe mit 241 Tonnen hoch. Zum Vergleich: Ende 2021 seien es 237,6 Tonnen gewesen. Anders als der US-Dollar-Goldpreis sei Xetra Gold seit Jahresanfang auch klar im Plus, Folge des starken US-Dollars. Xetra Gold sei - wie immer - auch in den vergangenen vier Wochen meist gehandelter ETC an der Börse Frankfurt gewesen. Hohe Umsätze hätten aber auch der Xtrackers Physical Gold Euro Hedged, der Xtrackers IE Physical Gold und der Invesco Physical Gold (ISIN IE00B579F325 / WKN A1AA5X) aufgewiesen. (Ausgabe vom 25.08.2022) (29.08.2022/fc/a/e)





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