Rohstoff-ETCs: Fallende Preise mit Aussicht auf erneute Wende


07.11.22 14:16
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Die Rohstoffpreise haben sich im Oktober recht unterschiedlich entwickelt, so die Deutsche Börse AG.

Während die Ölpreise und auch die Preise für Industriemetalle gestiegen seien, habe sich die Situation bei Gas entspannt. Gold sei ebenfalls günstiger geworden.

Nach den monatelangen Verteuerungen, die bis zum Spätsommer den breiten Rohstoffmarkt erfasst hätten, seien viele Rohstoffe inzwischen preiswerter als zu Jahresbeginn. Die Hoffnung auf eine niedrigere Inflation erfülle sich damit noch nicht. Die Verbraucherpreise seien im Oktober um 10,4 Prozent gestiegen und damit stärker als erwartet. Im Monatsbericht Oktober gehe die Bundesbank davon aus, dass die Preise hoch bleiben würden, obwohl Entlastungen bei den Energiepreisen in Kraft getreten bzw. angekündigt seien.

Michael Blumenroth von der Deutschen Bank verweise auf die Abhängigkeit der Energiepreise von den konjunkturellen Entwicklungen, vor allem in China: "Die Preisentwicklung in den kommenden Wochen dürfte zu einem großen Teil davon abhängen, inwiefern sich die Rezessionssorgen weiter manifestieren. Diese waren an den Märkten in den vergangenen Wochen mal stärker und mal schwächer eingepreist", kommentiere Blumenroth. Sollte China von der Null-Covid-Politik abrücken, würde dies auf alle Rohstoffprese starke Effekte haben. "Drohen hingegen in chinesischen Industriezentren erneute Lockdowns, dürfte das die Nachfrage nach Metallen und Öl deutlich dämpfen."

Öl der Nordseesorte Brent sei im Monatsvergleich um gut 10 Prozent teurer geworden, wozu vor allem der Anstieg Anfang Oktober beigetragen habe. Mit einem Preis von rund 95 US-Dollar sei der Rohstoff gut 20 Prozent teurer als zu Jahresbeginn.

Ab Dezember würden die meisten EU-Staaten kein Öl mehr aus Russland beziehen. Dann trete das russische Ölembargo in Kraft, ab Februar gelte es auch für russische Dieselexporte. Der Ölmarkt dürfte daher in den kommenden Monaten enger werden. Die Freigabe der strategischen Bestände der USA gleiche lediglich die Produktionskürzungen der OPEC+ aus, kommentiere Michael Ott von der Commerzbank. Auf der anderen Seite bleibe nach Einschätzung von Ott die Nachfrage durch Subventionen und die Substitution von Gas gestützt und relativ zum schwachen Konjunkturtrend robust. "Angesichts der niedrigen Lagerbestände, droht vor diesem Hintergrund ein deutlicher Ölpreisanstieg."

Auch längerfristig sei nach Otts Einschätzung mit hohen Preisen zu rechnen, da das Abschöpfen von "Übergewinnen" sowie Preisbegrenzungen zusätzlich zu den Zielen, Öl, Gas und Kohle zu ersetzen, die Investitionen und damit das Angebot dämpfen würden. "Für Entlastung könnten aber Sanktionslockerungen gegen die beiden Ölschwergewichte Iran und Venezuela sorgen."

Der Gaspreis stehe ebenfalls deutlich höher als zu Beginn des Jahres, sei aber auf Monatssicht deutlich gesunken. Der Dezember-Terminkontrakt für niederländisches Erdgas, Dutch TTF, sei von 176 Euro je Magewattstunde Anfang Oktober auf 116,19 Euro gefallen. Ende August habe er noch 349,87 Euro gekostet.

Mobeen Tahir von WisdomTree melde für die vergangenen Wochen Abflüsse aus Energie-ETCs. Rege sei vor allem der WisdomTree Natural Gas 3x Daily Short Kurs (ISIN IE00B76BRD76 / WKN A1VBKC) gehandelt worden.

Auch die Preise für Industriemetalle seien auf Jahressicht gesunken. Der ETC Wisdom Tree Industrial Metals koste deutlich weniger. Kurzfristig würden sie zum Teil stark schwanken. So sei Kupfer in den vergangenen vier Wochen zwischen 7.370 und 7.850 US-Dollar gehandelt worden und notiere mit rund 7.522 US-Dollar nun 20 Prozent unter dem Preis vom Jahresanfang.

Für die weitere Preisentwicklung der Industriemetalle dürfte nach Ansicht von Blumenroth auch die Entwicklung der Energieversorgung in Europa - vor allem mit Blick auf Erdgas - wegweisend sein.

Tahir von WisdomTree halte es für möglich, dass das Angebot an Industriemetallen in den kommenden Monaten noch knapper werde. "Damit werden spürbare Preisanstiege, wenn sich das makroökonomische Umfeld verbessert, wahrscheinlich." In den vergangenen vier Wochen seien die Abflüsse aus Industriemetall-ETCs moderat gewesen.

Besonders auffallend seien auf Monatssicht die Abflüsse aus Gold-ETCs, die nach Angaben von WisdomTree die Abflüsse aller anderen Rohstoff-ETCs übersteigen würden.

Hohe Umsätze würden auch der INVESCO Physical Gold (ISIN IE00B579F325 / WKN A1AA5X) und der Xtrackers Physical Gold EUR Hedged aufweisen.

Xetra-Gold (ISIN DE000A0S9GB0 / WKN A0S9GB) sei weiterhin der meistgehandelte ETC an der Frankfurter Börse. Mit 236 Tonnen sei der Bestand weiterhin hoch, allerdings in den vergangenen Wochen ebenfalls leicht abgefallen.

Gold, das zu Beginn des Oktobers noch 1.730 US-Dollar gekostet habe, sei zeitweise auf 1.600 US-Dollar gesunken. Blumenroth verweise auf die Entwicklung der Realzinsen, die auf Grund steigender Renditen insbesondere bei US-Staatsanleihen die Edelmetalle Gold und Silber ausbremsen würden. "US-Renditen in Höhe von mehr als 4 Prozent über die Laufzeitkurve hinweg sind eine harte Konkurrenz für die edlen Metalle."

Nach Einschätzung von Tahir habe sich hier der Fokus der Anleger*innen von der anhaltend hohen Inflation auf die straffe Geldpolitik und die Aussicht auf eine Rezession verlagert. Obwohl die Fundamentaldaten in vielen Fällen weiterhin günstig seien, was heiße, dass das Angebot vieler Rohstoffe im Verhältnis zur Nachfrage knapper werde, sei die Nachfrage gesunken. (Ausgabe vom 03.11.2022) (07.11.2022/fc/a/e)