Rohstoff-ETCs: Es geht runter


22.07.22 10:25
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Auch wenn es sich noch nicht in niedrigeren Inflationsraten niederschlägt: Die Rohstoffpreise sind zuletzt gesunken, die meisten zumindest, so die Deutsche Börse AG.

"Die Rezessionssorgen haben sich mittlerweile auch in den Rohstoffpreisen niedergeschlagen", stelle Mobeen Tahir von WisdomTree fest.

Das mache auch der Kurs des den ganzen Rohstoffmarkt abbildenden WisdomTree Broad Commodities deutlich: Der sei seit dem Mehrjahreshoch im Juni um 12 Prozent gefallen. Nach deutlichen Nettozuflüssen in den vergangenen zwei Jahren melde Emittent WisdomTree nun ganz klar Abflüsse aus marktbereiten ETCs.

Besonders die Preise von Industriemetallen hätten kräftig nachgegeben. Der Kupferpreis sei innerhalb weniger Wochen von 9.750 auf aktuell 7.258 US-Dollar die Tonne gesunken. Andere Notierungen - etwa die von Aluminium oder Nickel - seien schon länger im Abwärtstrend. Zu den allgemeinen Rezessionsängsten hätten sich zuletzt Sorgen über erneute Corona-Beschränkungen in China gesellt.

"Inzwischen sind alle Industriemetallpreise seit Jahresbeginn im Minus", stelle Rohstoffanalystin Barbara Lambrecht von der Commerzbank fest. "Anders als am Ölmarkt gibt hier die Angebotsseite kaum Unterstützung." Vielmehr seien fast überall die Märkte zuletzt ausreichend versorgt gewesen. Am Kupfermarkt habe das Angebot in den ersten vier Monaten laut Zahlen der International Copper Study Group die Nachfrage um fast 100.000 Tonnen übertroffen. "In den kommenden Monaten dürfte wohl eine konjunkturbedingte Verlangsamung der Nachfrage einen Angebotsüberschuss sichern." Das werde den Kupferpreis wohl weiter unter Druck setzen, zumal auch der feste US-Dollar belaste.

WisdomTree melde Abflüsse aus Industriemetall-ETCs, wenn auch in kleinem Umfang. An der Börse Frankfurt hätten in den vergangenen vier Wochen vor allem der WisdomTree Industrial Metals und der WisdomTree Copper hohe Umsätze aufgewiesen.

Auch der Goldpreis habe nachgegeben - trotz hoher Inflation und Rezessionssorgen. Am Donnerstagmorgen koste die Feinunze nur noch 1.688 US-Dollar. Im Allzeithoch im März seien es noch 2.069 US-Dollar gewesen. "Gold leidet unter dem sehr starken US-Dollar und den Zinserhöhungen in den USA", stelle Tahir fest. Der Grund: Ein starker US-Dollar verteuere Gold-Investments für Anleger*innen aus anderen Regionen. Zudem würden höhere Zinsen die zinslose Goldanlage uninteressanter machen. Der Bestand an Xetra Gold bleibe mit knapp 243 Tonnen aber hohem Niveau. Zum Vergleich: Ende 2021 seien es 237,6 Tonnen gewesen.

Torben Bendt von Lang & Schwarz berichte von einer anhaltend hohen Nachfrage nach Edelmetall-ETCs, etwa dem WisdomTree Physical Precious Metals. Insgesamt würden sich Anleger*innen WisdomTree zufolge aber von Gold-ETCs trennen.

Meist gehandeltes Produkt an der Börse Frankfurt bleibe Xetra Gold. Hohe Umsätze hätten aber auch der Xtrackers Physical Gold EUR Hedged, der iShares Physical Gold und der INVESCO Physical Gold (ISIN IE00B579F325 / WKN A1AA5X) aufgewiesen. Auffällig viel um sei zudem in Silber-ETCs wie dem WisdomTree Physical Silver und dem WisdomTree Silver 3x Daily Short gegangen. Der Silberpreis habe vergangene Woche ein Zweijahrestief von 18,12 Dollar je Feinunze markiert.

Laut DekaBank würden Rezessionssorgen und hohe Inflationsraten tendenziell die Goldnachfrage und damit auch die Goldnotierung stützen. "Doch auf Sicht der kommenden Monate dürfte der Goldpreis zunächst noch unter der geldpolitischen Straffung - insbesondere seitens der US-Notenbank FED - leiden", erkläre Analystin Dora Borbély. Die Bank sehe den Goldpreis in sechs Monaten immerhin bei 1.775 US-Dollar.

Auch Öl sei nicht mehr ganz so teuer. Der Preis liege aktuell bei 103,57 US-Dollar für ein Barrel Brent, vergangene Woche seien es kurzzeitig sogar weniger als 100 US-Dollar gewesen. Grund sei auch hier die befürchtete Rezession, die die Nachfrage abwürgen dürfte. "Die Talfahrt dürfte sich fortsetzen, denn die Rezessionsängste werden wohl vorerst nicht nachlassen", kommentiere Lambrecht. Dazu passe, dass die Internationale Energieagentur zumindest für dieses Jahr von einem spürbar besser versorgten Markt ausgehe. "Sie hat nicht nur die Nachfrageprognosen nach unten genommen, sondern ist auch für das Angebot optimistischer."

Auch Energie-ETCs seien unter dem Strich verkauft worden, wie die Zahlen von WisdomTree zeigen würden. An der Börse Frankfurt habe der WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged besonders hohe Umsätze aufgewiesen, ebenso der WisdomTree WTI Crude Oil. Was Gas-ETCs angehe, hätten der WisdomTree Natural Gas 3x Daily Leveraged und der WisdomTree Natural Gas im Fokus gestanden. (Ausgabe vom 21.07.2022) (22.07.2022/fc/a/e)