Rohstoff-ETCs: Gold-Anleger verlieren die Geduld


16.04.21 11:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Gold bleibt günstig: Innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres hat der Goldpreis um 10 Prozent nachgegeben, das was der schlechteste Jahresstart seit 1982, so die Deutsche Börse AG.

Der aktuelle Stand von 1.747 US-Dollar am Donnerstagmorgen ergebe gegenüber dem Rekordstand von 2.069 US-Dollar vom vergangenen August sogar ein Minus von fast 16 Prozent.

"2020 haben fallende Anleiherenditen, die US-Dollar-Schwäche und eine positive Stimmung für Gold dem Edelmetall geholfen, jetzt hat sich das alles gedreht", stelle Mobeen Tahir von WisdomTree fest. Und die Inflation sei immer noch niedrig. "Da überrascht es nicht, dass sich die Anlegerstimmung abgekühlt hat." Kurzfristig werde sich nach Einschätzung von Tahir daran wohl nichts ändern. "Defensive Anlagen wie Gold sind in einem - wenn auch moderaten Aufschwung - wohl nicht gefragt." Doch Gold habe seine stabilisierenden Eigenschaften im Frühjahr 2020 unter Beweis stellen können. "Daher behält Gold strategisch seinen festen Platz in den Portfolios."

Anleger seien davon derzeit aber offenbar nicht so überzeugt, die Abflüsse aus Gold-ETCs im großen Stil würden sich fortsetzen, wie Tahir berichte. Gold-ETCs würden umsatzstärkste ETCs an der Börse Frankfurt bleiben. Ganz oben auf der Umsatzliste stehe weiter Xetra-Gold. Der Bestand von Xetra-Gold liege mit 224 Tonnen auf hohem Niveau. Rege gehandelt worden seien in den vergangenen vier Wochen außerdem der Xtrackers Physical Gold mit und ohne Währungssicherung (ISIN DE000A1EK0G3 / WKN A1EK0G; ISIN DE000A1E0HR8 / WKN A1E0HR), der WisdomTree Physical Swiss Gold Individual Securities (ISIN DE000A1DCTL3 / WKN A1DCTL) und Amundi Physical Gold.

Auch Silber verharre nach dem Anstieg von 12 US-Dollar im März 2020 bis auf 29 US-Dollar in diesem Februar im Korrekturmodus. Hohe Umsätze würden der WisdomTree Physical Silver Individual Securities (ISIN DE000A0N62F2 / WKN A0N62F) und der Xtrackers Physical Silver aufweisen.

Am Ölmarkt sei vorerst Ruhe eingekehrt. Der Preis für den schon totgesagten Rohstoff sei von 23 US-Dollar im April 2020 bis auf kurzzeitig 70 US-Dollar Mitte März 2021 gestiegen. Zuletzt habe er sich um 65 US-Dollar pro Barrel eingependelt, am Donnerstagmorgen seien es 66,34 US-Dollar gewesen.

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) habe am Dienstag bekannt gegeben, dass sie nun doch mit einer stärkeren Nachfrage nach Rohöl in diesem Jahr rechne. Am Mittwoch habe auch die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Schätzungen erhöht. Die Impfungen kämen in Fahrt und die Weltwirtschaft gewinne an Schwung, habe im Monatsbericht der IEA geheißen. "Ein Rückgang des Preises für ein Barrel Brent-Öl unter 60 US-Dollar ist nicht zu erwarten", meine Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank. Dafür fehle das Angebot, denn die Schieferölproduktion in den USA stagniere bestenfalls und liege weiterhin deutlich unter dem Niveau von Anfang 2020.

Die Abflüsse aus Öl-ETCs würden WisdomTree zufolge aber anhalten. Umsatzstärkster Öl-ETC sei in den vergangenen Wochen der gehebelte WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily Leveraged gewesen.

Auch die Rally der Industriemetallpreise sei ausgelaufen. Viele von ihnen hätten vor kurzem Mehrjahreshochs erreicht, etwa Kupfer. Weiter verteuert habe sich Aluminium. "Das liegt an der Kombination von niedrigem Angebot und steigender Nachfrage", bemerke Tahir. "Aluminium hat vielfache Einsatzmöglichkeiten, von Verbraucherprodukten wie Lebensmittelverpackungen und Elektronikartikeln bis hin zu Transportmitteln."

Fritsch von der Commerzbank erwarte für die kommenden Monate keinen spürbaren Rückgang der Metallpreise. "Denn in China hat gerade die Bausaison begonnen, die als nachfragestarke Zeit gilt und bis in den Sommer andauert." Industriemetall-ETCs hätten weiter auf den Einkaufslisten gestanden, wie WisdomTree feststelle, etwa der WisdomTree Copper und der WisdomTree Industrial Metals. (Ausgabe vom 15.04.2021) (16.04.2021/fc/a/e)





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