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Analysen - ETF
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22.06.16 08:50
ETF-Handel: Erste Wiedereinsteiger
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Zwei Tage vor dem Brexit-Referendum geben Meinungsumfragen über "Go" oder "Stay" der Briten weiter den Takt an den Aktienmärkten vor, so die Deutsche Börse AG.

Am gestrigen Montag sei der DAX um fast 3,5 Prozent auf 9.962 Punkte nach oben nach Meldungen über eine wachsende Ablehnung des Brexit geklettert. Am Dienstagmittag notiere der DAX quasi unverändert bei 9.961 Zählern. "Die Stimmung hat sich wieder aufgehellt", kommentiere Marco Salaorno von der Société Générale.

Für die vergangene Woche ergebe sich aber ein gemischtes Bild, zum Teil hätten Abflüsse dominiert, zum Teil schon wieder Zuflüsse. Bei der Commerzbank hätten sich Sascha Cronemeyer zufolge Käufe und Verkäufe auf Wochensicht die Waage gehalten. "Wir sehen angesichts der Abstimmung am Donnerstag deutlich mehr Abgaben, in Aktien und Anleihen", berichte hingegen Florian Lenhard von der Unicredit Group.

Salaorno melde für Freitag und Montag wieder gestiegenes Interesse. "Insgesamt fiel die Rückkehr in den Markt aber verhalten aus." Die Unsicherheit sei einfach noch zu hoch. "Heute kamen wieder zwei Umfragen heraus, die eine mit einem Sieg der EU-Befürworter, die andere mit einem Sieg der Brexit-Anhänger."

Das Handelsaufkommen sei wieder gestiegen: Die Commerzbank melde 30.000 Trades für die vergangene Woche. "Das hat auch mit dem großen Verfallstag an den Terminbörsen am Freitag zu tun", meine Cronemeyer. Auch Lenhard zufolge seien die Umsätze wieder angestiegen.

Laut Cronemeyer hätten Anleger die Marktverwerfungen am Freitag für einen Einstieg in DAX-Tracker (ISIN DE0005933931 / WKN 593393; ISIN LU0378438732 / WKN ETF001; ISIN LU0274211480 / WKN DBX1DA) genutzt. Auch bei MSCI World-ETFs (ISIN LU0274208692 / WKN DBX1MW) hätten Anleger zugegriffen, bei Anteilen an EURO STOXX 50- (ISIN DE0005933956 / WKN 593395; ISIN IE0008471009 / WKN 935927) und STOXX Europe 600-ETFs (ISIN DE0002635307 / WKN 263530) habe es hingegen Käufe und Verkäufe gegeben. Unicredit melde unterdessen überwiegend Abflüsse aus Aktien-ETFs, vor allem aus US-amerikanischen Aktien.

"Unsere Anleger haben sich auf Wochenbasis überwiegend long positioniert", erkläre Marcel Sattler von der ICF Bank. Bei DAX- (ISIN DE000ETFL011 / WKN ETFL01; ISIN DE000ETFL060 / WKN ETFL06; ISIN DE000ETFL235 / WKN ETFL23) sowie MDAX-Trackern (ISIN DE000ETFL441 / WKN ETFL44) habe das Verhältnis bei 80 zu 20 Prozent zu Gunsten der Käufer gelegen. "Die jüngsten Umfragen zum Brexit und damit verbunden der Anstieg des DAX am gestrigen Tag bestätigten die Anleger in ihrer Meinung."

Sehr hoch seien auch die Umsätze mit Short-ETFs ausgefallen, etwa mit ShortDAX- (ISIN LU0292106241 / WKN DBX1DS) und Short EURO STOXX 50-Indexfonds (ISIN LU0292106753 / WKN DBX1SS), wie Cronemeyer außerdem feststelle. "Die finden sich sogar auf unserer Top Ten-Liste. Es war eben eine sehr trading-affine Woche." Auch auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage stünden beide Short-ETFs weit oben.

Ohne große Auswirkungen sei die Entscheidung des Indexanbieters MSCI geblieben, chinesische A-Aktien der Shanghai oder Shenzhen Stock Exchange vorerst nicht in seine Indices einzubeziehen. "Da die Aufnahme nur verschoben wurde, war es ein Non-Event", bemerke Salaorno. Unabhängig davon sei der chinesische Markt gestiegen, und ETF-Anleger hätten zugegriffen.

Angesichts des alles dominierenden Brexit-Themas würden Branchen derzeit kaum eine Rolle spielen - nur die, für die das Referendum von Bedeutung sei: Der Finanzsektor in der gesamten EU und die britische Immobilienbranche. Weit oben auf der Umsatzliste der Börse Frankfurt für die vergangenen fünf Handelstage stehe einmal mehr der iShares EURO STOXX Banks (ISIN DE0006289309 / WKN 628930). Hier hätten nach drei Wochen Abgaben zuletzt wieder die Zuflüsse überwogen, wie Commerzbank und Société Générale feststellen würden. Der ETF habe Ende Mai noch 11,13 Euro gekostet, vergangenen Donnerstag seien es dann nur noch 9,22 gewesen, aktuell seien es wieder 10,20 Euro.

Ebenfalls in den Portfolios seien Cronemeyer zufolge Grundstoff-ETFs (ISIN DE000A0F5UK5 / WKN A0F5UK) gelandet, während Immobilien-ETFs (ISIN DE000A0Q4R44 / WKN A0Q4R4) abgestoßen worden seien, Salaorno berichte dagegen von Zuflüssen in ETFs mit Telekommunikationsunternehmen und der britischen Immobilienbranche. "Hier wird wohl auch auf den Sieg der EU-Befürworter gesetzt."

Am Anleihemarkt sei es ein Novum gewesen: Am vergangenen Dienstag, also vor genau einer Woche, sei die Rendite zehnjähriger deutscher Staatanleihen erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik in den Negativbereich gerutscht. Zum Teil habe sich die Beliebtheit der deutschen Langläufer im ETF-Markt gezeigt, es seien aber auch schon Gewinne mitgenommen worden. "Der Trend geht schon wieder in Richtung High Yield", meine etwa Salaorno. Auch im Anleihebereich sei gerne spekuliert worden, wie Lenhard beobachtet habe, etwa mit dem Lyxor Double Short Bund (ISIN FR0010869578 / WKN LYX0FW). "Es geht rein und raus, den einen Tag wird gekauft, den anderen verkauft." (Ausgabe vom 21.06.2016) (22.06.2016/fc/a/e)



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