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13.05.22 15:20
Rohstoff-ETCs: Rohstoff-Index auf Rekordniveau - Gas besonders teuer
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Rohstoffe bleiben überwiegend teuer, so die Deutsche Börse AG.

Der WisdomTree Broad Commodities (ISIN DE000A0KRKC6 / WKN A0KRKC), der den gesamten Markt für Rohstoffe abbilde, sei zu Monatsbeginn auf ein Rekordhoch gestiegen. Auf Sicht eines Jahres habe er nun um 52 Prozent zugelegt. Während die Ölpreise sich auf hohem, aber nicht rekordhohem Niveau eingependelt hätten, sei Gas auf ein neues Hoch von 9,00 US-Dollar pro MMBtu gestiegen.

Die hohen Rohstoffpreise würden sich erneut in den Inflationsdaten spiegeln. So seien die Verbraucherpreise in den USA im April um 8,3 Prozent im Jahresvergleich gestiegen. Zwar habe sich der Anstieg der Teuerung erstmals seit August 2021 abgeschwächt, jedoch über den Erwartungen gelegen. Allein die Lebensmittelpreise hätten mit einem Anstieg von 9,4 Prozent das höchste Niveau seit 41 Jahren erreicht.

Die FED stelle nun weitere Zinserhöhungen in Aussicht, um die Inflation zu bekämpfen. Damit wachse die Möglichkeit einer Rezession in den USA. Aber auch die EZB müsse reagieren: Sie könnte die Leitzinsen im Juli erstmals erhöhen.

Nach Angaben des Vermögensverwalters WisdomTree habe sich das Gesamtbild der Rohstoffströme im vergangenen Monat etwas uneinheitlicher dargestellt, so hätten die Anleger weiterhin nach breit angelegten Rohstoff-Engagements gesucht, die erhebliche Zuflüsse verzeichnet hätten. "Die jährliche Inflationsrate in den USA lag etwas niedriger als im Vormonat, aber immer noch hoch genug, um die Anleger zu veranlassen, sich abzusichern", teile Mobeen Tahir, Director, Macroeconomic Research and Tactical Solutions bei WisdomTree mit. Da Wachstumswerte aufgrund steigender Zinsen mit Gegenwind zu kämpfen hätten, liege der Schwerpunkt weiterhin auf breit gefächerten Rohstoffen, die Schutz vor Inflation böten.

Bei Industriemetallen habe es in den vergangenen vier Wochen Abflüsse zu verzeichnen gegeben: "Das Preisniveau des Bloomberg Industrial Metals Subindex ist auf das Niveau vor dem Ukraine-Konflikt zurückgefallen. Dies ist nicht besonders überraschend", ordne Tahir ein. Die geopolitische Risikoprämie, die zu Beginn des Konflikts in Industriemetallen eingepreist gewesen sei, habe sich inzwischen verringert, da die Anleger das Risiko eines vollständigen Exportverbots für russische Industriemetalle als relativ gering einschätzten.

"Das soll nicht heißen, dass die Unsicherheit in diesem Sektor verschwunden ist." Der Konflikt dauere an, und es sei schwer vorherzusagen, welche Sanktionen in Zukunft verhängt werden könnten. Dennoch liege der Schwerpunkt bei den Industriemetallen jetzt wieder auf den Fundamentaldaten wie der weltweiten Produktionstätigkeit und der Beschleunigung der Energiewende.

Der Erdgaspreis werde in Dollar und MMBtu angegeben. 1 MMBtu würden 1 million British thermal units bedeuten, welches circa 293.2972 Kilowattstunden entspreche.

Die Zinserhöhung in den USA lasse den Goldpreis auf Monatssicht weiter zurücksetzen. Von seinem Monatshoch bei 2.000 US-Dollar gehe es auf 1.832 US-Dollar hinunter. Im Goldpreis spiegele sich, dass ein weiterer Anstieg der US-Leitzinsen am Markt als hochwahrscheinlich gelte: Das Fed-Watch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group zeige derzeit eine Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent an, dass die FED im Juni die Zinsen um 75 Basispunkte anheben werde.

"Das nun robuste Bestreben der US-Notenbank, durch Leitzinserhöhungen die hohen Inflationsraten in Richtung ihres Inflationsziels von zwei Prozent hin zu senken, sorgte für einen deutlichen Anstieg der Realzinsen", erkläre Michael Blumenroth, Rohstoff- und Devisen-Spezialist der Deutschen Bank. Je höher die Realzinsen seien, desto attraktiver würden US-Staatsanleihen, die ebenso wie Gold gemeinhin als "sichere Häfen" betrachtet würden, relativ zu den Edelmetallen. "Gold wird jedoch weiterhin durch die geopolitischen Unsicherheiten und die anhaltend überraschend hohen Inflationsraten gestützt und handelt deshalb noch etwas höher als zu Jahresbeginn."

Trotz dieser Aussichten bleibe Xetra-Gold (ISIN DE000A0S9GB0 / WKN A0S9GB), das Wertpapier, das mit physischem Gold hinterlegt sei, unter den Top-Titeln der meistgehandelten ETCs an der Börse Frankfurt.

Die Ölpreise seien recht volatil, hätten sich aber von ihren Rekordständen entfernt. Auf Monatssicht notiere Brent nahezu unverändert, seit Jahresbeginn sei die Nordseesorte allerdings um 50 Prozent im Preis gestiegen. WTI sei auf Monatssicht um gut zwei Prozent gestiegen und habe seit Jahresbeginn ebenfalls deutlich zugelegt. Zu den meistgehandelten ETC der Börse Frankfurt gehöre daher nicht überraschend auch der WisdomTree WTI Crude Oil (ISIN DE000A0KRJX4 / WKN A0KRJX).

"Während einerseits die Unsicherheiten aufgrund des Russland-Ukraine-Krieges die Notierungen von Erdölprodukten auf hohem Niveau stützen, haben die fortdauernden Lockdowns in China aufgrund der dortigen Null-Covid-Politik einen gegenteiligen Effekt", erkläre Michael Blumenroth. Die pandemiebedingten Restriktionen in China hätten die Konjunktur und somit die Nachfrage nach Erdöl momentan deutlich gedämpft. Der Verkauf strategischer Erdölreserven der USA und anderer OECD-Länder in Höhe von mehr als einer Million Barrel pro Tag laste zudem ebenso auf den Notierungen wie der in den vergangenen Wochen stark aufwertende US-Dollar, der Erdöl für Nachfrager außerhalb des US-Dollar-Währungsraums weiter verteuere.

"Zwar könnte Russland Erdöl anstatt nach Westeuropa in asiatische Länder wie China oder Indien exportieren. Geplante Sanktionen der USA zum Beispiel gegenüber Unternehmen, die Erdöltankschiffe versichern, könnten jedoch zur Folge haben, dass Erdöl-Exporte mit Tankschiffen von aus Russland weitestgehend unterbunden werden." Die OPEC-Staaten, insbesondere im arabischen Raum, seien momentan nicht geneigt, ihre Produktion zu erhöhen. "Die Erdölpreise könnten somit noch eine Weile auf hohem Niveau bleiben, generell eher seitwärts handeln und je nach Nachrichtenlage mal etwas höher, mal etwas tiefer als 100 US-Dollar je Barrel umgesetzt werden."

Habe US Natural Gas zu Jahresbeginn noch 3,60 US-Dollar pro MMBtu gekostet, habe es Anfang Mai zeitweise 9,00 US-Dollar erreicht, werde aktuell mit 7,37 US-Dollar gehandelt. "Die in dieser Woche erstmals auftretenden Probleme bezüglich der Unterbrechung des Erdgastransits von Russland über die Ukraine Richtung Westeuropa haben prompt für einen deutlichen Anstieg der Terminpreise für europäisches Erdgas gesorgt", ordne Michael Blumenroth die Lage ein. Da es technisch für Russland nicht möglich sei, kurzfristig Erdgas in andere Länder zu exportieren anstatt nach Westeuropa, und die Staaten der europäischen Union gleichzeitig versuchen würden, Erdgas aus anderen Staaten zu importieren, dürfte kurz- bis mittelfristig ein knappes Angebot auf starke Nachfrage treffen. "Ein deutlicher Preisrückgang für Erdgas ist deshalb nicht zu erwarten."

Das Rekordhoch bei Gas schlage sich auch im ETC-Handel nieder, der WisdomTree Natural Gas (ISIN DE000A0KRJ36 / WKN A0KRJ3) gehöre erneut zu den Anleger*innenfavoriten. Nach Angaben von Fabian Wörndl von Lang & Schwarz werde Gas rege gehebelt gehandelt - je nach Marktlage in beide Richtungen. Hier würden Anleger*innen den WisdomTree Natural Gas 3x Daily Leveraged (ISIN IE00BLRPRG98 / WKN A3GL7C) und den WisdomTree Natural Gas 1x Daily Short (ISIN DE000A0V9X41 / WKN A0V9X4) favorisieren.

Die Inflation von 7,4 Prozent im April werde vor allem von Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und Energie in Deutschland getrieben. Mit dem Ukraine-Krieg seien auch Lebensmittel-Rohstoffe erheblich im Preis gestiegen. Weizen sei heute 78 Prozent teurer als vor einem Jahr und ein Prozent teurer als vor einem Monat. Bei Lang & Schwarz würden derzeit auch ETCs auf Nahrungsmittel wie Weizen gekauft, vor allem der WisdomTree Wheat (ISIN E000A0KRJ93/ WKN nicht bekannt).

Die Ukraine liefere 12 Prozent des weltweiten Weizens. Doch die Export-Wege seien versperrt. Nach Angaben der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft könnten derzeit 25 Millionen Tonnen Getreide nicht exportiert werden, weil Infrastruktur zerstört und Häfen blockiert seien. Inzwischen habe die Ukraine den Handel über die Donauhäfen vervierfacht und mehr Getreide auf Schienen transportiert. (Ausgabe vom 12.05.2022) (13.05.2022/fc/a/e)


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