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03.02.21 10:30
nordIX Treasury plus Fonds: EZB im Kaufrausch - Wie knapp sind Anleihen wirklich? Fondsanalyse
Universal-Investment-GmbH

Frankfurt (www.fondscheck.de) - Mit dem Beschluss im Dezember 2020, das Ankaufprogramm für europäische Staats- und Unternehmensanleihen um weitere 500 Milliarden Euro aufzustocken, wird die Europäische Zentralbank (EZB) bis März 2022 für unvorstellbare 1,85 Billionen Euro Anleihen erwerben, so die Experten der Universal-Investment-GmbH in ihrer aktuellen Ausgabe von "ChampionsNews".

In der Folge sorge die EZB für eine nie dagewesene Knappheit an Anleihen guter Bonität. Wie könne es in diesem Umfeld dennoch im Fixed-Income-Bereich gelingen, Investorengelder ertragreich anzulegen? Antworten gebe der Hamburger Fixed-Income- und Derivate-Spezialist nordIX. Im Interview würden Claus Tumbrägel, Portfolio Manager, und Ulf Schierhorn, Business Development & Fondsvertrieb, von nordIX, ihre Investmentstrategie am Beispiel des nordIX Treasury plus (ISIN DE000A2DKRH6 / WKN A2DKRH) erläutern.

"ChampionsNews": Herr Schierhorn, wie schaffen Sie es, im derzeitigen Umfeld nicht nur die Fondskosten, sondern auch noch eine Performance von aktuell mehr als 1,3 Prozent p.a. im nordIX Treasury plus zu erzielen?

Ulf Schierhorn: In der Tat ist es so, dass wir angesichts der Renditen für Investment-Grade-Anleihen keine einfache "Buy and Hold"-Strategie fahren können. Vielmehr nutzen wir das gesamte Spektrum an Instrumenten des Anleihemarktes. Wenngleich sich die Zinssätze auf historischen Tiefstständen befinden und die EZB durch ihre massiven Ankaufprogramme Anleihen guter Bonität wie ein Staubsauger aufnimmt: Der Kreditmarkt besitzt auch in diesem Umfeld Ertragspotenziale, insbesondere kann ein aktiver Portfolio Manager von Marktverzerrungen profitieren.

"ChampionsNews": Herr Tumbrägel, welche Investmentstrategie verfolgen Sie beispielsweise beim nordIX Treasury plus?

Claus Tumbrägel: Für den nordIX Treasury plus nutzen wir im Wesentlichen zwei Strategien: Zum einen steigern wir aktiv die Umlaufgeschwindigkeit unserer Assets durch die Nutzung des Primärmarktes und zum anderen erzielen wir Erträge aus der systematischen Ausnutzung von Ineffizienzen und dem Einsatz von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps).

"ChampionsNews": Was bedeutet dies genau?

Tumbrägel: Wir setzten Credit Default Swaps (CDS) in zwei Teilstrategien ein: Wir treten als Sicherungsgeber auf, wenn die zu vereinnahmende Prämie deutlich über dem Credit Spread der Anleihe des entsprechenden Unternehmens liegt. Mit diesen sogenannten positiven Basis-Trades erzielen wir eine höhere Rendite gegenüber einem direkten Investment in eine Anleihe des Referenzunternehmens. Mit den sogenannten Credit Curve Trades nutzen wir Preisunterschiede zwischen CDS desselben Emittenten bei unterschiedlichen Laufzeiten. Bei diesen Transaktionen verkaufen wir den CDS mit längerer Laufzeit und kaufen denjenigen mit kürzerer Laufzeit. Durch den kürzer laufenden CDS ist unser Anleiheportfolio gegen einen Ausfall des Unternehmens geschützt, gleichzeitig erhält der Fonds die höhere Prämie des länger laufenden Instruments.

"ChampionsNews": Herr Schierhorn, Claus Tumbrägel sprach bei der Allokation Ihres Anleiheportfolios davon, dass Sie auch regelmäßig am Primärmarkt aktiv sind. Welchen Stellenwert hat dieses Teilsegment?

Schierhorn: Die Selektion von Neuemissionen ist ein wichtiger Baustein unserer Anlagestrategie. Insbesondere erhöhen wir dadurch den Umlauf unseres BBB-Buckets im Portfolio. Die durchschnittliche Rendite von europäischen Anleihen mit BBB-Rating und einer Laufzeit von fünf Jahren beläuft sich auf nicht einmal 0,10 Prozent, so dass Emittenten am Primärmarkt ein gewisses Extra bieten müssen, um Anleger für neue Transaktionen zu gewinnen. Dieses Extra, das heißt die Neuemissionsprämie, können wir durch unsere schnelle und fundierte Analyse sowie unser aktives Management vereinnahmen. Dabei hilft uns, dass wir in diesem Markt seit über zehn Jahren aktiv sind und über eine hohe Expertise sowie ein solides Netzwerk verfügen.

"ChampionsNews": Welche Sektoren favorisieren Sie aktuell in Ihrem Anlageuniversum und warum?

Tumbrägel: Letztlich segmentieren wir das Universum der Emittenten nach drei Kriterien: Das wichtigste und einfachste ist sicherlich die Erwerbbarkeit einer Anleihe durch die EZB. Das zweite Kriterium ist die systemische Relevanz eines Unternehmens. So erhält beispielsweise eine große europäische Fluggesellschaft eher staatliche Hilfe als ein Hersteller von Frankiermaschinen. Das letzte Kriterium sind aktuell die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf das jeweilige Unternehmen beziehungsweise dessen Branche. Innerhalb dieser drei Kriterien suchen wir den optimalen Sweet Spot. Dies trifft etwa auf die Betreiber großer Flughäfen mit internationalen Drehkreuzen zu. Hier haben wir beispielsweise letztes Jahr in eine Anleihe des irischen Flughafenbetreibers Dublin Airport Authority investiert. Die mit A- bewertete Anleihe hatte eine Laufzeit von zwölf Jahren und kam bei einem Credit Spread von 170 Basispunkten auf eine Rendite von 1,5 Prozent pro Jahr. Ähnlich attraktiv waren die Anleihen des niederländischen Betreibers Schiphol Airport und des französischen Pendants Paris Charles de Gaulle Airport.

"ChampionsNews": Herr Schierhorn, für wen eignet sich der nordIX Treasury plus und mit welchen Erträgen können Investoren rechnen?

Schierhorn: Der nordIX Treasury plus eignet sich als Alternative zu Direktinvestments in Investment-Grade-Anleihen, zum Einsatz als defensives Credit-Produkt oder als Ersatz für "strategische Liquidität". Mit einem Durchschnitts-Rating von mindestens A- und kurzer Zinsbindung bietet der Fonds eine jährliche laufende Rendite von circa 1 Prozent. Die relative, hohe Rendite, die strikten Vorgaben und das aktive Management sind die Basis für unsere nachhaltige Performance, auch in diesem herausfordernden Umfeld.

"ChampionsNews": Herr Tumbrägel, in welcher Kundengruppe ist nordIX besonders erfolgreich und auf welchen Vertriebskanal legen Sie in den kommenden Jahren Ihren Fokus?

Tumbrägel: In der Vergangenheit waren wir hauptsächlich im institutionellen Bereich aktiv. Dieser Erfolg rührt mitunter daher, dass wir als inhabergeführte Fondsboutique unabhängig agieren und spezialisierte Lösungen zur Liquiditätssteuerung abseits des Mainstreams anbieten. Für die kommenden Jahre wollen wir unsere Vertriebsaktivitäten in diesem Bereich beständig ausweiten. Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass unsere Fonds ebenso für viele Privatinvestoren interessant sind. Mit dem erklärten Ziel Wachstum, haben wir daher im letzten Jahr unser Vertriebsteam mit Ulf Schierhorn, Bernd Schultheiß und Thomas Mühlberger verstärkt und größere Räumlichkeiten in der Hamburger Innenstadt bezogen. (Ausgabe 1/2021) (03.02.2021/fc/a/f)



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