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02.07.20 11:00
Comgest Growth Japan-Fonds: Warum Japans Familienunternehmen nicht zu unterschätzen sind
Comgest

Paris (www.fondscheck.de) - Japans institutionelle Anleger kehren nach zwei Jahrzehnten der Zurückhaltung an ihren Heimatmarkt zurück und investieren verstärkt in japanische Aktien, so Richard Kaye, Portfoliomanager des Comgest Growth Japan (ISIN IE0004767087 / WKN 631026) bei Comgest.

Vor diesem Hintergrund würden sogenannte permanente Start-ups immer mehr in den Fokus rücken und im Anlage-Universum von Nippon an Relevanz gewinnen.

Japan beheimate die ältesten Unternehmen der Welt und weise zudem die höchste Konzentration an großen Familienunternehmen rund um den Globus auf. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sei ein Drittel aller börsennotierten Unternehmen Nippons in der ein oder anderen Weise von Familien geführt worden. Daran habe sich bis heute nichts geändert. Dass in Japan so viele Unternehmen in Familienbesitz seien, lasse sich dadurch erklären, dass seine Industrialisierung noch nicht sehr lange zurückliege. In diesem Fahrwasser sei einerseits eine von Familienunternehmen getragene Industrie- und Dienstleistungsinfrastruktur entstanden, die eine enge Symbiose mit staatsnahen Unternehmen eingegangen sei. Durch diese Struktur sei das Land in die wirtschaftliche Moderne katapultiert worden. Andererseits sei Japans Wirtschaftswunder der 1970er Jahre noch so jung, dass viele Firmengründer aus dieser Zeit nach wie vor am Ruder seien. Diesen Unternehmen sollten Anleger besondere Aufmerksamkeit schenken - vielleicht mehr, als sie es derzeit tun würden.

Weltweit würden die Experten viele Firmen im Mehrheitsbesitz oder unter der Kontrolle von Familien beobachten, die besonderen Wert auf eine hohe Übereinstimmung mit den Interessen ihrer Aktionäre legen würden. In dem Japan-Portfolio der Experten seien solche Anlageideen stark vertreten. Sie würden etwa ein Drittel der Bestände der Experten ausmachen und erheblich zur langfristigen Performance des Fonds beitragen. Beispiele seien unter anderem Fast Retailing, Hikari Tsushin, Nidec, Keyence, Softbank, Pan Pacific, Nihon M&A, Hoya, Obic, Zozo, Peptidream, Kobe Bussan und Sushiro.

Diese inzwischen etablierten Firmen würden sich aus Sicht der Experten durch eine Neugründer-Mentalität auszeichnen. Daraus würden eine starke Kapitaldisziplin und langfristige Denkweise, sowie die Suche nach einzigartigen Geschäftsmöglichkeiten resultieren. Sie seien im Grunde Start-ups, die lediglich etwas in die Jahre gekommen seien. Sie würden die Sprache der Aktionäre sprechen, weil sie von einem Großaktionär geführt würden. Da sie nicht nur ihr Vermögen, sondern auch ihr Herzblut einbringen würden, sei die Rendite sicherlich wichtig. Noch wichtiger aber sei für sie das langfristige Überleben. "ESG"-Ziele hätten sie schon lange verfolgt, bevor es darauf spezialisierte Anlageprodukte gegeben habe, denn sie würden eine nachhaltige, gesellschaftliche Aufgabe erfüllen.

Ein Paradebeispiel sei Hoya Corporation, das seine Kernkompetenz in der Glasverarbeitung zu einer nahezu marktbeherrschenden Stellung bei Glassubstraten für Festplatten und Fotomasken für Halbleiter ausgebaut habe. Das in der Glasherstellung tätige Familienunternehmen sei nach dem zweiten Weltkrieg durch die Zusammenarbeit beim Bau von Gebäuden für die amerikanische Besatzungsbehörde landesweit bekannt worden. Nicht nur seine Bereitschaft, das traditionelle Kristallwaren- und Kamerageschäft zu verkaufen, an dem viele andere japanische Unternehmen trotz Verlusten festhalten würden, spiegele die Flexibilität und das schon fast unerbittliche Streben nach Rendite wider.

Auch der Aufbau einer auf Kontaktlinsen spezialisierten Einzelhandelskette sei dafür ein gutes Beispiel. Diese profitiere zwar vom Renommee des Unternehmens in der Augenoptik, verkaufe aber Linsen anderer Anbieter, weil das rentabler sei. Auf die Frage an Hiroshi Suzuki, Aktionär und langjähriger CEO von Hoya, welche Geschäftszweige er behalte und warum, antworte dieser lehrbuchhaft: "Das Unternehmen gehört nicht mir. Jedes Geschäft kann in die Jahre kommen, und wir müssen ständig darüber nachdenken, was wir verkaufen und was wir behalten." Die Worte würden aus keinem Buch stammen, sondern vielmehr ausdrücken, wie Hiroshi Suzuki wirklich über die Schnittstellen des Unternehmens denke.

Hikari Tsushin, einer der Marktführer bei Bürobedarf für Nippons eng verwobenes Netz von Kleinstunternehmen, verfolge einen ähnlich nüchternen Ansatz, wenn es um Kapitaldisziplin gehe. Sie sei die Domäne des Vorstandsvorsitzenden Yasumitsu Shigeta, der mit rund 52 Prozent die Aktienmehrheit halte. Ihren Ausdruck finde diese Herangehensweise vor allem in der Rendite nach Kundenakquisitionskosten. In den Geschäftsbereichen Telefonverträge, Wasserspender, Fotokopierer und Kundendatenbanksysteme verfüge das Unternehmen zudem über transparente Kennzahlen für den langfristigen Vertragswert, für Fluktuation und Ertrag.

Ohne zu zögern beende Hikari Tsushin renditeschwache Projekte wie den Weiterverkauf von Glasfaserverbindungen, bei dem die Regulierungsbehörde den Handlungsspielraum des Unternehmens massiv eingeschränkt habe. Zudem gebe man Fehler freimütig zu, wie die erfolglose Internet-Investition vor zwanzig Jahren oder die Entwicklung einer eigenen Lebensversicherungsagentur. Hikari Tsushin stelle unentwegt Kapital für die Gründung von Start-ups zur Verfügung und baue seine Beteiligung an diesen schrittweise aus. Darüber hinaus verfüge das Unternehmen über eine gut gefüllte Pipeline neuer und ertragreicher Projekte, mit denen es den sich wandelnden Anforderungen seiner Kunden Rechnung trage.

Obic sei einer der führenden Anbieter von Unternehmenssoftware in Japan und das Pendant zum amerikanischen Oracle für japanische Kleinunternehmen. Seit der Gründung 1968 durch Masahiro Noda, der immer noch Vorstandsvorsitzender sei und ca. 23 Prozent der Aktien kontrolliere, halte Obic an seiner Firmenpolitik fest: keine Auslagerung von Geschäftsbereichen, keine Handelsvertreter und alle Führungskräfte würden selbst herangezogen. "Wir sind wie die Kinder unseres Vorstandsvorsitzenden", würden die Mitarbeiter von Obic sagen. Das möge in westlichen Ohren seltsam klingen. Aber auf dieser Basis sei ein zuverlässiger Dienstleister für japanische Firmen entstanden, der mithilfe seiner führenden Software Lösungen für den Arbeitskräftemangel im Land biete.

Ähnlich wie Obic liefere Nihon M&A Center unverzichtbare Dienstleistungen für kleine japanische Unternehmen. Das Nachfolgeberatungsunternehmen sei dabei von der Philosophie seiner Gründer Suguru Miyake und Yasuhiro Wakebayashi geprägt, die jeweils ca. 12 Prozent der Aktien halten würden. Nihon unterscheide sich von Obic durch seine Offenheit gegenüber firmenfremden Talenten, habe aber mit Hikari Tsushin die kompromisslose Konzentration auf Kapitalrendite, Effizienz und Bruttogewinn pro Mitarbeiter gemeinsam - Eigenschaften, die man eher mit einem inhabergeführten Unternehmen verbinden würde. Erst kürzlich hätten die Experten mit Suguru Miyake gesprochen, der ihnen erklärt habe, dass er regelmäßig Aktien an Mitarbeiter verkaufe, um sie so enger an das Unternehmen zu binden.

Dies seien nicht die verschlafenen, unflexiblen Unternehmen, die man - zugegebenermaßen wenig schmeichelhaft - aufgrund ihrer Eigentümerstruktur erwarten würde. Sie seien vielmehr effiziente Kapitalallokatoren und permanente Start-ups. Zudem seien sie Teil des Anlageuniversums, das naturgemäß Aufmerksamkeit errege, nun da japanische Anleger nach zwei Jahrzehnten der Zurückhaltung an den heimischen Markt zurückkehren und wieder verstärkt in Japan-Aktien investieren würden. Comgest habe bereits 2007 seine Zelte im Land aufgeschlagen. (02.07.2020/fc/a/f)


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