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01.04.20 11:30
Morningstar meldet "Dammbruch" bei europäischen Fonds - Fondsnews
FONDS professionell

Wien (www.fondscheck.de) - Investoren haben inmitten der Kursverwerfungen nach der Ausbreitung des Coronavirus massiv Geld aus Investmentfonds abgezogen, so die Experten von "FONDS professionell".

Einer vorläufigen Auswertung des Nettomittelaufkommens europäischer Fonds durch die Analysegesellschaft Morningstar zufolge hätten Anleger im Laufe des Monats März 2020 unter dem Strich Aktienfondsanteile in einem Volumen von 54 Milliarden Euro zurückgegeben.

Diesen vorläufigen Daten zufolge falle der Mittelabfluss wegen der Pandemie größer aus als in der Finanzkrise nach dem Platzen der US-Immobilienblase und der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers. "Damit deutet sich an, dass der März höhere Abflüsse mit sich brachte als der bisher schlechtesten Vertriebsmonat, dem Januar 2008, als Anleger knapp 46 Milliarden Euro aus Aktienfonds aus Europa abzogen", stelle Morningstar-Chefredakteur Ali Masarwah fest. "Hatten Anleger im Februar noch mit einer gewissen Trägheit auf die Ausbreitung des Corona-Virus reagiert, so brachen im März die sprichwörtlichen Dämme."

Noch heftiger habe es Rentenfonds getroffen. Diese hätten im März Mittelabzüge in Höhe von 85 Milliarden Euro verbucht. Auch hier hätten die Anteilsrückgaben den bisherigen Negativ-Rekordmonat überstiegen. "Im Oktober 2008, dem bis dato schwächsten Absatzmonat für Rentenfonds, zogen Anleger knapp 53,5 Milliarden Euro aus europäischen Rentenfonds ab", erläutere Masarwah. Auch weltweit gesehen hätten Investoren in den ersten Märzwochen massiv Mittel aus Anleihenvehikeln zurückgezogen.

Die Morningstar-Auswertung fuße auf Daten per 27. März und umfasse mehr als 25.000 Langfristfonds, die in Europa aufgelegt seien. Die reguläre, monatliche Auswertung von Morningstar stütze sich auf den Daten von 30.000 Fonds. Die nun vorgelegte Schätzung umfasse damit rund 83 Prozent der sonst üblichen Abdeckung. Experte Masarwah betone, dass die Daten einiger wichtiger Häuser wie PIMCO oder Franklin Templeton, aber auch von zahlreichen skandinavischen und britischen Gesellschaften in die vorläufigen Angaben noch nicht eingeflossen seien.

Mischfonds hätten europaweit Mittelabzüge in Höhe von 23,5 Milliarden Euro erlitten. Diese Angaben per 27. März würden aber nur 80 Prozent der sonst verfügbaren Monatsdaten abdecken. Im bislang schwächsten Mischfondsmonat, dem Mai 2009, hätten sich die Abflüsse auf 16,4 Milliarden Euro beziffert. Aus alternativen Fonds schließlich hätten Morningstar zufolge Anleger im März 2020 rund 15 Milliarden Euro abgezogen. Der bisherige Tiefststand bei Anteilsrückgaben in diesem Segment sei der Oktober 2008 mit 12,7 Milliarden Euro gewesen. Aber auch hier sei die aktuelle Datenlage noch lückenhaft, schränke Masarwah ein.

Inmitten der Anteilsauflösungen hätten sich einige Felder aber auch über ein Absatzplus erfreut. So hätten der Schätzung zufolge Rohstoff-Produkte und insbesondere Goldfonds einen zunehmenden Zuspruch verzeichnet. Der Aktienfonds mit den höchsten Zuflüssen sei der Morningstar-Schätzung zufolge der Goldman Sachs Global Future Tech Leaders gewesen. Der erst im Februar aufgelegte Fonds habe im März 1,2 Milliarden Euro an Zuflüssen verbuchen können. (01.04.2020/fc/n/s)


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